Feuer

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Keyword: Feuer

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Definition: Das Feuer (verwandt mit griech. pyr = Feuer) ist eine Form der Verbrennung mit Flammenbildung, bei der Licht und Wärme entstehen. Es ist eines antiken Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Auch Dinge und Lebewesen können im übertragenen Sinne Feuer tragen, z. B. Edelsteine, Augen, Pferde.

Information: In der griechischen Mythologie stahl Prometheus von der Sonne Feuer und brachte es den Menschen. Er rettete damit das Menschengeschlecht vor der Vernichtungswut des Zeus und wurde dafür von ihm hart bestraft, indem dieser ihn an den Kaukasus fesselte und zur Beute des Adlers machte. Diese Strafe weist darauf hin, dass es sich beim Feuer offensichtlich um etwas ganz Elementares handelt, um ein Medium, das Zeus keinesfalls in den Händen der Menschen wissen wollte, das ihnen Macht verlieh und eine andere Stufe des Daseins ermöglichte.

Mit dem Feuer wurde dem Menschen - nach der Erfindung der Steinwerkzeuge - die zweite große Initialzündung für die Entwicklung der Gesellschaft und Kultur, für den Schritt vom Tier zum Menschen, gegeben. Das Feuer wärmte und ermöglichte damit auch die Besiedlung kühlerer Gebiete. Es erlaubte eine bessere Zubereitung der Nahrung und bot einen wirksamen Schutz vor großen Raubkatzen. Überdies bekam es eine große soziale Bedeutung, die Feuerstelle wurde zum Mittelpunkt der Gruppe und des Lebens.

Interpretation: Das Feuer erwärmt, erhellt, reinigt, verwandelt, vernichtet, es ist die Wandlungskraft per se. Viele Nahrungsmittel werden erst durch das Feuer genießbar. Die wandelnde Kraft kann so stark und unkontrolliert werden, dass sie alles erfasst und das "Spiel mit dem Feuer" im Chaos endet. Das Feuer verlangt uns Respekt ab und wird schnell zur schwer zu bändigenden und überwältigenden Kraft.

In vielen Kulturen und Mythen ist das Feuer als grundlegende Kraft auch mit einem Gott assoziiert oder durch einen Gott symbolisiert. So verkörpern im Hinduismus Agni, Indra und Surya das irdische, das sphärische (Blitz) und das himmlische (Sonne) Feuer. Die Sumerer betrachteten Gibil als Lichtbringer, aber auch Zerstörer durch Feuersbrünste. Die Beziehung des blitzbewehrten Zeus und des Prometheus bei den Griechen zum Feuer wurde schon erwähnt. Es gab dort aber auch die sehr positiv bewertete Göttin des Herdfeuers Hestia (röm: Vesta). Die Atzteken kannten den Feuergott Xiuhtecutli. Der Gott des alten Testaments offenbart sich oft durch das Feuer, den brennenden Dornbusch, die Feuersäule. Auch im Islam ist Gott oft mit dem Feuer identifiziert.

Nach dem I Ging steht das Feuer in Verbindung mit dem Süden, dem Sommer, der Farbe Rot, dem Herzen. Es symbolisiert somit die Begeisterung und die Leidenschaften ("Feuer und Flamme sein", "Feuer für etwas gefangen haben", "Feuer im Leib oder in den Augen"), sowohl in ihrer positiven (Eros Liebe) als auch in ihrer destruktiven (Aggression Explosion) Gestalt. Es steht aber auch für die geistige Erleuchtung und die Intuition. Es ist darüber hinaus Ur-Schöpferkraft überhaupt wie sie in Brahma personifiziert ist. Das Feuerwerk ist eine Feier der Freude und Ekstase am Feuer des Lebens, das sich in tausend Formen und Farben ins Dasein ergießt.

Konkret historisch ist anzunehmen, dass das Feuer tatsächlich über die Himmelserfahrung zu den Menschen kam, indem Blitze in Bäume einschlugen und sie entfachten. So lag die Interpretation des göttlichen Ursprungs und der Botschaft von oben sehr nahe. Das Feuer hat aber auch eine Quelle im Erdinneren, die sich in Vulkanen zeigt.

Symbolisch kann das Feuer sowohl auf die geistig-erleuchtende Dimension hinweisen als auch auf die vital-leidenschaftlich-sexuelle. In beiden Fällen betont es das Lebendige. So ist die Flamme auch Symbol des Lebens (Lebenslicht), ihr Erlöschen das Symbol des Todes. In alten Kulturen und bei Nomadenvölkern wurde das Feuer brennend transportiert. Es durfte niemals ausgehen, dies war sowohl konkret als auch symbolisch lebensbedrohlich. Auch das ewige Licht am Altar Gottes darf nicht erlöschen.

Feuer gilt vor allem als männliches Symbol, was durch seinen solaren Bezug und seine aggressive Dynamik geprägt ist. Die besondere Beziehung zur Reinheit bewirkt aber, dass es bei vielen Völkern von reinen Jungfrauen gehütet werden muss. Der Bezug zur Reinheit ergibt sich auch etymologisch durch die griechische Wurzel "pyr" in ihrem Bezug zu "purus" und schließlich "fur". Verbrennung ist oft zugleich Reinigung. Auch die Hexen- und Ketzerverbrennungen sind reinigende, teufelsaustreibende Akte. Ebenso dient das Fegefeuer der Reinigung und Läuterung. Weitergehend bekommt alles, was durch Feuer gegangen ist ("Für jemanden durchs Feuer gehen") und Feuer ausgehalten hat Ewigkeitscharakter, es wird gestählt.

Feuer spielt eine zentrale Rolle in der Alchemie. Das Feuer der Alchemisten durfte nicht ausgehen, es wurde stets genährt, damit das opus magnum, der Stein der Weisen, das Lebenselixier vollendet werden konnte. C. G. Jung sagte, die innerste Natur Christi sei Feuer, jenes ewige Feuer, welches das Ziel der Alchemie sei. Nach Jung ist das Feuer ein Vereiniger der Gegensätze und ein uraltes Gottesbild. In den Apokryphen sagt Christus: "Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nah."

All diese Dimensionen machen deutlich, dass im symbolischen Zusammenhang beim Erscheinen des Feuers fast immer ein grundlegender Wandlungsvorgang angesprochen ist. Dies kann ein Prozess sein, in dem sich der Betroffene gerade befindet, aber auch eine Aufforderung, sich für einen solchen zu öffnen. Es kann ein warnendes Vorzeichen für destruktive "verbrennende" Prozesse sein, die Nähe elementarer seelischer Gewalten. Es kann ein Hinweis sein, dass im Leben das Vitale fehlt, das Wärmende, Erhellende, Mitreissende. Ähnlich wie das Feuer - durch Prometheus zu den Menschen gekommen - einen grundlegenden kulturschaffenden Impuls gegeben hat, geht es auch individuell und symbolisch um einen solchen Einbruch eines neuen Elements in den bisherigen Fluss des Lebens. Friedrich Nietzsche schreibt:


"Ja, ich weiß, woher ich stamme:

Ungesättigt gleich der Flamme

glühe und verzehr ich mich.

Licht wird alles, was ich fasse,

Kohle, alles, was ich lasse

- Flamme bin ich sicherlich.


"Feuer ist auch ein Element des Hermes Mercurius als jenem der Götter, der am engsten mit Wandlung einhergeht. Berufe, die mit dem Feuer arbeiten, haben mit Wandlung zu tun: die Köchin, der Schmied, der Glasbläser, der Chemiker etc., insbesondere aber der mittelalterliche Alchemist, dessen eigentliches Wandlungswerk nur mittels mercurialem Feuer zu bewerkstelligen ist.

Rilke beschreibt in seinem Gedicht: "Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert" diesen fortwährenden, unfassbaren Wandlungscharakter alles Lebendigen.


"Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert,

drin sich ein Ding dir entzieht, das mit Verwandlungen prunkt;

jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert,

liebt in dem Schwung der Figur nichts wie den wendenden Punkt [...]."


Je nachdem ob - z. B. im Traum - das Dachstübchen, das ganze Haus, das Auto oder ob ein Lagerfeuer, ein Kaminfeuer brennt, oder eine Glut entfacht wird, weist dies auf unterschiedliche Bedeutungen. Beispielhaft sei folgender Traum eines 42-jährigen Mannes betrachtet: "Ich bin auf einem weiten Gelände. Ein Freund kommt auf mich zu und trägt seine Frau in den Armen. Sie leuchtet. Das wirkt zunächst faszinierend, wird aber immer bedrohlicher, heller und schließlich brennt sie. Ich erlebe Schreck, Faszination und Lust gleichzeitig. Dann greife ich hinter mich, ziehe an einem auf dem Boden liegenden Kabel einen Stecker aus einer Kupplung und das Brennen wird schwächer. Der Freund geht zum Brunnen und löscht sie."

Hier stellt sich die Frage nach der Beziehung des Träumers zum Freund und seiner Frau. Da scheint auf der erotischen Ebene etwas zu schwelen, was das Brennen verursacht. Es mag eine latente Rivalität um die Frau sein, eine entflammende Kraft, die einen Konflikt andeutet. Der Träumer jedenfalls hat offensichtlich die Macht über die Energiequelle. So geht es wahrscheinlich um den Umgang mit der erotischen Komponente der Beziehung zur Frau und damit andrerseits der Freundschaftsbeziehung zum Mann.

Literatur: Standard, Rossotti (1994)

Autor: Knoll, Dieter

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