Wasser

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Keyword: Wasser

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Definition: Wasser, der flüssige, gefrorene oder gasförmige Stoff, der 3/5 der Erdoberfläche bedeckt. Je nach Dauer des Kontakts mit Luft, Gestein und anderer Stoffe enthält es neben zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom, weitere gelöste oder suspendierte anorganische und organische Stoffe.

Information: Das klare fließende Wasser des Baches kann in der Betrachtung Bilder wecken, die tief in grundlegende seelische Erfahrung greifen. Immer gleich und klar umfließt es die Steine und wandelt sich doch immerzu. Es weckt in diesem Fließen eine Ahnung vom Ewigen, immer Wiederkehrenden, nicht Endenden. Es findet sich im Fließen aber auch der Augenblick, das Zerrinnen von Moment zu Moment. Damit weist das Fließen auf die Zeit mit ihrem Gegensatz zwischen dem immer gleichartigen Fließen aus der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft und dem als einmalig erlebten Moment. Heraklit sagte: "wir steigen und wir steigen nicht in denselben Fluss. Wir sind und sind nicht darin." bzw. „Man kann nicht zwei mal in denselben Fluss steigen.“ Fragmente 91) Sowohl der Fluss als auch wir sind beim zweiten Mal dieselben und nicht mehr dieselben. Schon bei der Betrachtung des fließenden Wassers wird seine Symbolik vielschichtig.

In fast allen Kulturen ist in den Schöpfungsmythen Wasser bei der Entstehung der Welt und des Lebens darin ursächlich beteiligt. Wasser wird also als tragende Ursubstanz aller Existenz gesehen, aus der alles Leben einmal entstanden ist. Thales von Milet vertrat 600 vor Christus die Auffassung, dass alle Dinge aus Wasser entstanden seien. Tatsächlich gibt es ohne Wasser kein Leben. Alle Lebewesen kommen aus dem Wasser, sowohl ontogenetisch, als auch phylogenetisch. Unsre anfängliche Gestalt ist im Fruchtwasser der Gebärmutter entstanden. Es ist der Stoff, aus dem auch in den alten Mythen das Leben entspringt. In der indischen Mythologie liegt Naranaya schlafend auf den Urwassern. Aus seinem Nabel wächst der Weltenbaum oder die Lotospflanze. In Ägypten taucht aus ihm der Urhügel Nun empor. In der biblischen Schöpfung stehen sich Wasser und der Geist Gottes als zwei Prinzipien gegenüber (1. Mose 1, 2). Dabei repräsentiert Wasser auch das Chaos, aus dem sich die Struktur und die unendlichen Möglichkeiten herauskristallisieren.

Interpretation: Überwiegend wird es symbolisch dem weiblichen Element zugeordnet und steht dem Mond nah, im chinesischen Kulturraum ist es dem Yin-Prinzip zugeordnet. Im Rig Veda wird das Wasser gerühmt als Ursprung des Lebens, der Kraft und der Reinheit. Damit sind drei zentrale symbolische Dimensionen benannt. Im alten Testament wird oft seine Herrlichkeit und sein göttlicher Ursprung gerühmt. Das neue Testament betont die Verknüpfung mit dem Geist Gottes in der Gestalt Christi.

In Asien wird es als Ursprung des Lebens, als Element der körperlichen und geistigen Regeneration, als Symbol von Fruchtbarkeit und Reinheit, von Weisheit, Gnade und Tugend gesehen. Im Zusammenhang mit der Qualität als Urmaterie steht die Vorstellung vom Wasser als Weisheitselixier, der aqua sapientiae als einem Stoff, der das elementare Wissen der Schöpfung enthält. Die Erde gibt sie preis durch die Quelle. In der Antike waren zahlreiche Orakelquellen bekannt, die auch als Kultstätten dienten und aus deren Wasser die Offenbarungen der Götter erwartet wurden. In babylonischer Vorstellung z. B. war Ea, der Gott des Wassers der Bewahrer der tiefen Geheimnisse, die durch das Wasser ans Tageslicht gebracht werden können. In nordischen Mythen befindet sich an einer Wurzel der Yggdrasil, der Weltenesche die Quelle Mimirs. Sie spendet Erleuchtung. Odin muss, um daraus trinken zu dürfen, ein Auge opfern. Dies weist auch darauf hin, dass es hier darum geht, das tiefere Wesen der Dinge zu erkennen.

In seinem Fließen zeigt sich Wasser lebendig, ist in immerwährender Bewegung. Das TAO der chinesischen Philosophie wird oft mit dem Wasser verglichen. Somit ist es Symbol des immer sich in Bewegung befindenden Lebens. Insbesondere als Quelle erinnert es an die Geburt und anbeginnendes Leben - ein Hervorspringen des Lebendigen aus dem dunklen unerforschten Grund.

In Mythen und Märchen geht es oft um das Auffinden des Lebenswassers als erneuerndes Element, das aus dem geheimen und nur unter Todesgefahr zu erreichenden Brunnen oder der verborgenen Quelle fließt. Auch in der Bibel hat es oft mit Erneuerung, Geburt, Wiedergeburt zu tun, was sich in der Taufe niederschlägt. Als Lebensspender hat es seinen Ursprung im Göttlichen. Quellen waren bei den Griechen, aber auch in anderen Kulturen oft Göttern geweiht, waren heilige Kult-Orte, an denen Tempel erbaut wurden. Später entstanden dort auch christliche Kapellen und Kirchen. Viele Brunnen waren Heiligen geweiht. Auch ganz ursprünglich ist christliches Denken mit der Quelle verknüpft, Christus selber ist die Quelle: "Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke." (Joh. 7, 37-38). Vielerorts sahen Menschen auch in unserer Gegend bis ins letzte Jahrhundert hinein die Brunnen und Quellen als Wohnorte von bösen oder guten Geistern (Geister), Wassermännern (Wassermann), Wasserfrauen, Nymphen oder Nixen. Brunnen werden in vielen archaischen oder traditionellen Kulturen ganz besonders geschützt und Brunnenvergiftung war und ist dort eines der schwersten Verbrechen.

Auch in anderem Sinne ist Wasser lebensspendend: es weckt die Keime der schlummernden Samen und Saaten, gibt den entscheidenden Anstoß zum Wachstum alles Vegetativen. Wer Wüstenstriche nach dem Regen erlebt hat, kann sich dem Wunder der Zeugungskraft nicht entziehen. Das ganze gesellschaftliche Leben des Niltals z. B., hat sich jahrtausendelang an den Überschwemmungen und Befruchtungen durch Nilwasser orientiert. Wen wundert es, dass Wasser im alten Testament göttlichen Ursprungs ist und dass heute noch in Trockengebieten die Götter im Gebet um Regen angefleht oder Regenrituale abgehalten werden. Die Vorstellung von der Fruchtbarkeit des Wassers bezieht sich auch auf den Menschen und schlug sich in vielen Bräuchen nieder: Fruchtbarkeitsriten und Tänze um Brunnen und Quellen waren weit verbreitet. Wasser passt sich fließend an und setzt sich gleichzeitig auf diese Weise durch. Es findet seinen Weg, berücksichtigt dabei die Gegebenheiten der Landschaft. Darin ist es Ausdruck der Anpassung und Flexibilität, aber auch der Durchsetzungskraft und Stärke, Dauer und Beharrlichkeit. Wasserkraft wird vom Menschen genützt, in andere Form von Energie verwandelt - sie kann z. B. unsere Wohnungen beleuchten oder heizen. Wasser reinigt - natürliche Gewässer tragen in sich die Kraft der Selbstreinigung. Damit ist Wasser Symbol der Reinheit. Das rituelle reinigende Bad hat in vielen Kulturen und Religionen einen festen Ort. Dabei wird hier sowohl die äußere wie die innere, tiefere oder moralische Reinigung angesprochen. In Psalm 26, 6 findet sich der Zusammenhang zum Thema der Schuld: "Ich wasche meine Hände in Unschuld." Das Eintauchen ins Bad bei der Taufe ist Erneuerung im Sinne der Rückbildung, Auflösung, des Todes und des wieder Form Werdens in gereinigter, entsündigter Gestalt. Es ist also eine Abfolge von Tod und Auferstehung. Es hat hier sowohl konkrete Funktion als auch mythisch-vertiefte Bedeutung. Im Vorgang der Taufe soll auch das geistige Element im Wasser wirksam werden - das lebendige Wasser ist auch hier Symbol für den heiligen Geist, das Wort, Christus selbst.

Auf den noch älteren mythischen Hintergrund weisen viele Elemente des Volksglaubens hin. So war z. B. die Auffassung verbreitet, dass Waschwasser über Nacht nicht stehen bleiben dürfe, sondern ausgeschüttet werden müsse, weil sonst der Teufel oder Hexen - die Schmutzwasser bevorzugen - hineinschlüpfen und darin wohnen könnten. Weiter gehende Vorstellungen wurden mit der Abwehr der Dämonen verknüpft. So war in vielen unterschiedlichen Varianten der Aberglaube verbreitet, dass man einem Toten, wenn er aus dem Haus getragen wird, Wasser hinterherschütten müsse, um seine Rückkehr zu verhindern. Eine ähnliche Verknüpfung von konkretem Nutzen und mythischem Gehalt findet sich bei den Heilanwendungen. Es werden Anwendungen von kühlen, warmen, mineralreichen Wässern von innen und außen empfohlen. Wir holen unser Wasser aus bevorzugten Quellen in Flaschen gefüllt oder suchen Heilbrunnen auf. Das Bad im Jungbrunnen verleiht Jugend, ein Bad in der Quelle der Unsterblichkeit ewiges Leben. Zahlreiche Märchen weisen auf die Bedeutung des Lebenswassers als Erneuerungselixier hin. Auch in der christlichen Symbolik findet sich dieser Zusammenhang: "Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird nicht mehr durstig sein, vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur Quelle werden, die Wasser für das ewige Leben ausströmt." (Joh. 4, 14). Wasser quillt aus dem dunklen Schoß der Erde herauf, hat deshalb auch von seinem Ursprung her eine Beziehung zum Raum des Unbewussten, zum Dunklen, zur Nacht. Es liegt als See oder Teich oft still wie eine glatte Fläche, als Meer ist es unendlich weit und tief, still oder bewegt. Ein Darunter und ein Darüber, ein Darin und ein Draußen sind unterscheidbar. Unterhalb des Spiegels erscheint die Welt als geheimnisvoll, von bezaubernden oder bedrohlichen Wesen belebt. Diese Welt der Wassertiere und -pflanzen ist eine fremde, etwas unheimliche. Um viele Seen ranken sich Geschichten über die darin wohnenden Urtiere, Drachen - z. B. das Schlangenwesen von Loch Ness. Oft findet sich auch die Vorstellung der Unergründlichkeit. Wasser zieht uns unwiderstehlich an, selbst wenn es uns gleichzeitig ängstigt. Das Eintauchen in dieses Element hat eine große Faszination. Man kommt aus dem vertrauten Luftraum in die zwar ganz fremde aber doch irgendwie vertraute Welt des Wassers, erlebt dort vielleicht sogar eine überraschende Geborgenheit. Wir haben alle einmal den Lebensraum des Fruchtwassers verlassen und die Welt der Luft betreten. In einer tief unbewussten Zeit unseres Lebens waren wir Wasserbewohner. Von dort her kennen wir das, was die Tiefenpsychologie das "ozeanische Gefühl " des Einsseins mit dem All nennt. Das Eintauchen führt uns also ins Reich des Unbewussten zurück, das oft den Charakter des Vertrauten und Fremden in sich vereint. Ähnlich der befruchtenden Funktion in der Natur hat hier Wasser symbolisch auch den Charakter der neuen Befruchtung der Seele durch die Energien des Unbewussten und auch der noch nicht bewussten geistigen Energien. Das Eintauchen ist - wie beim Taufritual - auch eine Art Tod des Bewusstseins, das sich den unbewussten Kräften überlässt. Die mehr oder weniger bewegte Oberfläche des Wassers bildet dabei die Grenze zwischen den Welten, der bewussten und der unbewussten. Es gibt wohl keine treffendere symbolische Verdeutlichung dieser bedeutsamen Grenzlinie. Dabei weisen das Meer oder der tiefe unergründliche Teich auf die noch ungeformten Kräfte der Tiefenseele, auf ein riesiges Reservoir an Energie und spezifischer Form an Wissen und Weisheit. Ein ganz besonderer Reiz und ein Abenteuer, das den Menschen zu allen Zeiten herausgefordert hat, liegt im Befahren der Meere mit Schiffen, die die Fluten durchschneiden und sich, dem Sog der Tiefe und dem Tosen der Wellen trotzend, auf seiner schwankenden Oberfläche behaupten – ein eindrückliches Bild für das so kleine und doch an dieser Aufgabe erstarkende Ich, das der Übermacht des Unbewussten trotzt.

Wasser kann mit seiner Kraft zerstörend werden, als Überschwemmung alles in den unbewussten Todeszustand reißen, als Regen nicht nur befruchten, sondern alles auch unaufhaltsam wegschwemmen, in Form einer Sturmflut mühsam geschütztes Land an sich reißen. Dies zeigt, dass mit diesen Kräften nicht zu spaßen ist, dass der muntere Bach ein reißender Fluss werden kann. Es hat also eine paradoxe Gestalt, ist lebensspendend und todbringend zugleich. Dies wird besonders im biblischen - aber auch in anderen Kulturen bekannten Beispiel der Sintflut deutlich, die durch umfassende Zerstörung Neubeginn und Wiedergeburt der Welt bewirken sollte. Hier wird auch das Kreislaufgeschehen und der Regenerations-Charakter betont, die dem Wasser eigen sind und ihm das Attribut der Ewigkeit verleihen. Die Rückkehr ins Wasser ist auch auch als Rückkehr zum Ursprung zu verstehen, eine Art Tod, aus dem Neues entstehen kann. Das Wasser des Lebens ist auch das Wasser des Todes. Das Meer oder ein Strom sind oft Eingang zur Todessphäre. Im antiken Griechenland sind dies die Wasser der Styx oder des Acheron. Dies sind sowohl Todesströme, Übergänge zum Hades, als auch Wasser der Unsterblichkeit. Im Nordgermanischen entsprechen dem die zahlreichen Höllenflüsse, von denen einer, der Giöll ganz Helheim umfließt. In dieser destruktiven Qualität wird auch symbolisch Männliches deutlich, indem der ansonsten überwiegend weiblichen Dimension Tiefe, Stille, Versunkenheit, Sammlung, geheimnisvoller Naturhaftigkeit hier wiederum polar das Fließende, Tosende, dynamische Element gegenüber gestellt ist.

In all den angedeuteten Symbolgestalten taucht Wasser in Träumen auf. Aus den kollektiven Bildern lassen sich aber fruchtbare Linien ableiten: - Eintauchprozesse in Träumen können eine beginnende Auseinandersetzung mit unbekannten seelischen Landschaften, eine Begegnung mit dem Unbewussten ankündigen.

- Zustände des Wassers in Träumen lassen Fragen zu nach dem Zustand der unbewussten Energie. Das Bild des Eises führt z. B. zu der Frage ob diese Energie erstarrt ist und der Erwärmung bedarf, um gelöst werden zu können. Die aufgewühlte See, die Gischt weist auf bedrohliche Bewegung in dieser Energie, der man vielleicht nur mit starkem Ich begegnen können wird. Ein erfrischender Regen kann wie für den Boden auch für die Seele Befruchtung sein.

- Ein Träumer, der sich in einem Raum befindet, in den das Wasser sintflutartig stürzt und immer höher steigt, dem steht das innere Wasser vielleicht auch real bis zum Hals und er hat es noch nicht richtig bemerkt.

- Der Bach oder Fluss hat eine Quelle und eine Mündung. Es gibt also doch einen Anfang und ein Ende. Ist der Bach, der Fluss also ein Symbol für den Lauf des Lebens vom Beginn bis zu seinem Ziel, dem Tod im großen Meer? Die Gestalt seines Laufs weist dann auf eigenes Schicksal und Entwicklung, Entfaltung im Lebensprozess. Ob wir am Ufer stehen, darin schwimmen oder mit einem Boot darauf treiben, kann unseren Bezug zu diesem eigenen Lebensfluss aufzeigen. Bewegen wir uns stromaufwärts, zur Quelle hin, so weist das auf Rückkehr zum Ursprung hin, stromab zur Mündung in das Meer geht es dem Erreichen des Lebensziels und Lebensendes, dem Aufgehen in Größerem, dem Unbewussten, dem Transpersonalen entgegen. Anfang und Ende werden aber wieder aufgehoben in der größeren Dimension des Wasserkreislaufs: das Wasser kehrt vom Meer zur Quelle wieder zurück. Es wird geboren, fließt, mündet, wird verwandelt und wiedergeboren, weist also nicht nur auf ewige Wiederkehr, sondern auch auf ewige Erneuerung.

In Anlehnung an jene Flüsse in den Mythologien, die das diesseitige vom jenseitigen Leben trennen und irgendwann überquert werden müssen, kann auch im Traum das Überqueren eines Flusses den Wechsel von einem Zustand des Lebens oder Seins in einen neuen, ganz anderen ankündigen. Beispielhaft sei ein Traum angeführt, in dem das Überqueren eines Flusses angedeutet wird, aber nicht anzustehen scheint. Der Träumer hatte kurz zuvor den Tod seiner Mutter erlebt und fühlte sich hineingezogen in alte Gefühlswelten und in unklare, verschwommene Erinnerungen an die frühen Gefühle dieser Mutter gegenüber. Er erlebte sozusagen einen immerwährenden Wechsel zwischen den Forderungen der äußeren Realität und der Auseinandersetzung mit halbbewussten oder unbewussten inneren Kräften: „Ich fahre in einem alten Daimler mit einem guten Freund auf einem Feldweg entlang einer Wiese. Links liegt der Fluss, der überschwemmt ist und träge dahin fließt. Der Weg senkt sich und plötzlich stehen wir im Wasser. Ich bremse und denke, dass wir da nicht durchkommen. Wir steigen aus und schieben den Rucksack und das Auto wieder den Weg hinauf. Das ganze geschieht in aller Ruhe und ohne Panik.“

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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