Liebe

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Keyword: Liebe

Links: Anima, Animus, Beziehung, Blut, Eros-Prinzip, Herz, Hieros-Gamos Hochzeit, Kuss, Libido, Paar, Rose, Sexualität

Information: Liebe gehört zu den intensivsten Erfahrungen, die Menschen machen können, zum "Höchsten und Tiefsten der Seele" (GW 10, § 231). Den Menschen der Frühzeit galt sie als numinose göttliche Macht, von der alles Leben abhing.

Im matriarchalen Ritus der heiligen Hochzeit wurde die Liebe als Vereinigung und lebensspendende Kraft in der Verbindung der Liebesgöttin mit dem Heros, der Verbindung von Göttlichem und Menschlichem, Männlichem und Weiblichem viele Jahrtausende kultisch gefeiert. Anklänge sind noch im Hohen Lied im Alten Testament zu finden.

In der antiken Weltdeutung ist Eros, der griechische Gott der Liebe, ein mächtiger Gott, ein großer Daimon, der alles Streben der Menschen nach dem Guten, Wahren und Schönen bewirkt. Seiner Liebesmacht waren Götter und Menschen unterworfen, wenn er sie mit seinen Liebespfeilen traf.

Der Mythos von Amor (die römische Form von Eros) und Psyche berichtet von der Liebe und den Hindernissen, denen Liebende schicksalhaft ausgesetzt sein können. Daneben verkörpern weitere Göttinnen und Götter die Macht der Liebe: Aphrodite (bei den Römern Venus genannt), die Göttin der Liebe, Schönheit und unwiderstehlichen Anziehung, hat mit verschiedenen Göttern Liebesaffären und Kinder, der Gott Dionysos steht für die ekstatischen und rauschhaften Aspekte der Liebe.

Zur numinosen Schicksalsmacht der Liebe gehört auch für heutige Menschen ihre Nichtverfügbarkeit. Liebe ereignet sich, ist mit menschlichem Willen nicht machbar und verfügbar. Liebe hat zu tun mit Begehren, Leidenschaft, Zärtlichkeit, Sehnsucht, Schmerz und Glück, mit Sexualität und Daseinsfreude, mit Bestätigung und Sich-selbst-Finden am Du, mit Erfahrungen von Ganzheit, Eins-Werdung, Entgrenzung und Transzendenz.

Zu den Schattenseiten der Liebe, die in den Alltagserfahrungen ebenso wie in den Liebesdramen der Weltliteratur sichtbar werden, gehören: Besitzanspruch, Eifersucht, Betrug und Rache, das Umschlagen von Liebe in Hass oder Gleichgültigkeit, Macht und Unterwerfung, Abhängigkeit, blinde Leidenschaft und Triebhaftigkeit, der Missbrauch von Liebe.

Das Menschheitsrätsel Liebe spielt immer wieder um das Paar, welches das Schicksal zueinander treibt. Der Archetyp des Paares liegt zahlreichen Mythen, Erzählungen und Kunstwerken zugrunde, die als Selbst- und Weltdeutungen der Menschheit zu verstehen sind: Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Lancelot und Guinevra, die berühmtesten Liebespaare mittelalterlicher Erzählungen, zeigen etwas auf von der Unbedingtheit, der Verrücktheit und heiligen Verzauberung der Liebe, ebenso die orientalischen Erzählungen von Leila und Maschnun.

Interpretation: Das zentrale Liebessymbol ist das Herz. Es steht für die ganze Person mit all ihren Hingabe- und Erkenntnismöglichkeiten. Lieben bedeutet: jemandem sein Herz schenken, sein Herz an jemanden verlieren, den geliebten Menschen im Herzen tragen, mit den Augen des Herzens jemanden sehen und erkennen in seiner Einzigartigkeit.

Die Farbe Rot ist die Symbolfarbe der Liebe, es ist das leuchtende Rot der Liebe und Leidenschaft, die im Feuer eines entflammten Herzens aufleuchten. Die rote

Rose gilt wie das rote Herz als universales Liebessymbol. Der Kuss ist ein Ausdruck inniger Annäherung und Verbundenheit. Auch der Apfel gilt als ein Eros-Symbol, das Zuwerfen eines Apfels als Liebeswerbung. Symbole der Liebe sind ebenfalls Ring und Kette. Zum Verlobungs- und Hochzeitsritual gehört bis heute das Anstecken von Ringen als Zeichen unlösbarer Verbundenheit.

Im Bereich der Magie sollen Amulette, Zaubertrank und speziell zubereitete Speisen Liebe erwecken (in der Geschichte von Tristan und Isolde bewirkt ein Zaubertrank die Liebe zwischen den beiden). Aber auch Liebeskonflikte finden ihren Ausdruck in Sprache und Symbol. Es geht dann um Trennung von Tisch und Bett, und beim Aufkündigen der Mahlgemeinschaft heißt es: das Tischtuch ist zerschnitten.

Ein Großteil der Märchen sind Liebes- und Beziehungsgeschichten. In ihnen geht es um Partnersuche, Zueinander-Finden, um Wandlung, Erlösung und um die Treue der Liebenden.

Ein wesentlicher Teil der psychotherapeutischen Arbeit gilt der Liebesfähigkeit eines Menschen, da, wo Selbstliebe und Beziehungen zu anderen gestört sind. Liebesfähigkeit hatte schon S. Freud als ein Therapieziel benannt.

Anima und Animus als die Archetypen des Weiblichen und des Männlichen und ihre Bezogenheit werden in den Projektionen von "Traumfrau" und "Traummann" konstelliert. In der Entwicklung und Reifung von der illusionären, romantischen Verliebtheit zu einer tragfähigen gelebten Liebesbeziehung sind sie als eigene innerseelische Kräfte zu erkennen und zu entfalten.

Im Bereich der Transzendenz, der mystischen Erfahrung der Liebe, der sog. Unio mystica, verbindet sich die Seele mit dem Göttlichen und findet darin ihren Ursprung und ihr Ziel.

Literatur: Standard

Autor: Dorst, Brigitte

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