Gottesbild

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Definition: Wenn hier von Gottesbild und nicht von Gott gesprochen wird, soll damit deutlich werden, dass alles, was Menschen von Gott sagen können, eine menschliche Redeweise und eine psychologische Aussage ist und daher niemals losgelöst vom Menschen und seinen seelischen Voraussetzungen gesehen werden kann. Als Gottesbild könne alle jene Vorstellungen von Gott bezeichnet werden, die auf einer persönlichen Gotteserfahrung beruhen, oder die aus der religiösen Überlieferungen bekannt sind. Besonders verbreitert sind personale Gottesbilder, in dem Gott als "Vater" oder "Mutter" bezeichnet wird oder Christus als göttlicher Sohn. In der frühen Zeit der Religion waren archaische oder kosmische Gottesbilder vorherrschend, in dem man meinte, Erscheinungen Gottes im Gewitter, im Sturm oder im Erdbeben zu sehen. Auch Gottesbilder in Tiergestalt waren weit verbreitet, indem das Göttliche in Gestalt des heiligen Stieres (in Ägypten) oder die heiligen Kühe in Indien verehrt werden. Auch in der religiösen Symbolik des Christentums wird Christus als Lamm in einem tierischen Gottesbild verehrt. Ein Gottesbild von besonderer Zärtlichkeit ist das Flüstern Gottes, wie es der Prophet Elija am Berge Horeb in dem sanften, leisen Säuseln erlebt hat (1. Könige 19, 12).

Information: Wenn wir in der Tiefenpsychologie und Psychotherapie von Gottesbildern sprechen, machen wir damit keine Aussagen über oder von Gott, wie es in der Theologie geschieht, sondern wir setzen uns mit den Bildern, Imaginationen und Vorstellungen der Menschen über Gott auseinander. Alles, was einen Menschen ganz macht und heilt, was ihm heilig ist und ihn "unbedingt angeht" (Paul Tillich), kann die Qualität eines Gottesbildes gewinnen. Neben den theologischen und kollektiven Vorstellungen über Gott wird das persönliche Gottesbild vor allem durch die religiöse Erziehung der Eltern, die kirchliche Unterweisung und Verkündigung geprägt. Durch die genannten Erfahrungen können ganzheitliche und hilfreiche Gottesbilder vermittelt werden, die das Glaubensleben und das seelische Erleben fördern. Zum anderen können durch neurotische Menschen und besonders durch neurotische kirchliche Mitarbeiter Gottesbilder vermittelt werden, die Angst machend wirken und lebensfeindlich sind. Während die anerkannten kirchlichen Gottesbilder und Symbole meistens über viele Generationen hin reflektiert und durchdacht wurden, werden die individuellen Gottesbilder meistens spontan in den Träumen und Imaginationen geboren und aus der Seele hervorgebracht.

Interpretation: Jung weist darauf hin, dass das Gottesbild nach der tiefenpsychologischen Deutung eine Spiegelung des Selbst ist. Während die Theologie mehr den qualitativen Abstand zwischen Gott und dem Menschen betont, zeigt Jung mehr die Beziehungen zwischen beiden auf und ermöglicht damit spirituelle Erfahrungen, nach der gegenwärtig viele suchende Menschen fragen.

Ein besonderes Problem stellt nach Jung die "Dunkelseite" und der archetypische Schatten im Gottesbild dar. Damit greift er eine bis heute ungelöste Fragestellung auf, die viele Theologen, insbesondere Martin Luther, als "verborgenen und zornigen Gott" beschrieben haben. Für ein ganzheitliches Menschen- und Gottesbild ist es Jung wichtig, dass das Dunkel auch im Gottesbild einen Ort hat, weil sonst die Menschen auf die Frage nach dem Bösen keine Antwort finden.

Literatur: Standard

Autor: Hark, Helmut

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