Ursprung

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Keyword: Ursprung

Links: Anfang, Chaos, Ei, Eins, Geburt, Gottesbild, Kreis, Mandala, Null, Paradies, Pleroma, Selbst, Urmensch, Uroborus

Definition: Der Ursprung (griechisch arche, bedeutet auch Anfang) bezeichnet den Beginn; das Material, den Ort oder den Zeitraum, von dem etwas seinen Anfang genommen hat.

Information: Die Frage nach dem Ursprung, nach dem Woher, beantworten „die Begebenheiten der Mythologie". Sie bilden den Grund der Welt, da alles auf ihnen beruht. Sie sind die "archai“, die zeitlos und „durch ihr Wiedererstehen in ewigen Wiederholungen“ (Kerenyi, S. 158) unvergänglich sind. Mit dem Beginn des abendländischen Denkens trat die Frage nach dem Warum, der Ursache (griechisch aition) in den Vordergrund, wobei die Urstoffe der vorsokratischen Philosophen wie das Wasser, das Feuer oder das Apeiron (das Unbegrenzte) nicht als reine Ursachen, sondern als stoffliche Urprinzipien (arche) aufgefasst wurden.

Interpretation: Für Eliade hat das Bedürfnis der Menschen nach einer Rückkehr zu den Ursprüngen, die Sehnsucht nach dem Paradies, eine religiöse Bedeutung. Die in der profanen geschichtlichen Zeit verloren gegangene Verbindung (religio) zum Göttlichen soll wiederhergestellt werden, indem ein heiliges Urereignis im Mythos erzählend vergegenwärtigt und im Ritual symbolisch nachgeahmt wird. Historische Handlungen wiederholen für den homo religiosus früher, nicht-schriftlicher Kulturen nur Akte, „die ab origine von den Göttern, Heroen oder Ahnen gesetzt worden sind“ (Kosmos und Geschichte S. 18)

Den Ursprung des menschlichen Bewusstseins veranschaulichen nach Erich Neumann Paradoxien beinhaltende Symbole wie der Kreis bzw. das Runde. Aus dem Welt-Ei (Chaos) z. B. entsteht die Welt, es ist das Vollkommene, das als Anfang die noch ungeschiedenen Gegensätze in sich enthält und diese als Ende wieder in sich zusammensetzt. (Neumann, 1949, S. 20) Das Runde hat etwas Statisch-Ewiges in sich, kann aber gleichzeitig der Ursprung für das Schöpferische sein. Der Uroboros ist als Kreis die vollkommene Gestalt, aber auch Chaos und Gestaltlosigkeit. Die Einheit der Gegensätze und deren Ineinandergreifen veranschaulicht besonders das chinesische Tai-Chi.

Die Dynamik von Werden und Vergehen, Gestalt und Gestaltlosigkeit verkörpern auch die indische Vorstellung von der Leere (Sunyata) mit den darin verborgenen Keimen (bija) und das gnostische Pleroma, dem der Demiurg Formen gibt.

In der Alchemie wird die Ursprungsmaterie (prima materia) auch radix ipsius genannt. Der Unus mundus enthält das Motiv des Ursprungs. Die paradoxe Gegensätzlichkeit des Ursprungs erscheint in vielen Schöpfungsmythen, wie z. B. die Ureltern, die als Erde und Himmel ungeschieden in Kohabitation aufeinander liegen, oder der mann-weibliche Urmensch (anthropos) (Purusha, Adam Kadmon).

Für Gebser ist der Ursprung immer gegenwärtig, während der Anfang zeitgebunden ist. Gebser ordnet dem Ursprung die archaische Bewusstseinsstruktur zu, die durch Zeitlosigkeit und die Null-Dimensionalität des Punktes charakterisiert ist und in der Mensch und All noch gänzlich ununterschieden sind.

Nach Neumann entsprechen die Ursprungssymbole einer frühen Entwicklungsstufe der Menschheit wie auch des Kindes, wo in der pleromatischen Gestaltlosigkeit der Einheitswirklichkeit ein noch unentfalteter Ich- bzw. Bewusstseinskeim angelegt ist. Damit ist aber nicht ein historischer Zustand der Menschheit verbunden, wie ihn z. B. Rousseau im paradiesischen Naturzustand der „Wilden“ sah. Neumann deutet die Sehnsucht nach dem Ursprung als uroborischen Inzest, eine passive Form des Eingehens und Sich-Auflösens in der Mutter (Schoß und Uterus sind wichtige symbolische Teilaspekte des Ursprungs), die zu Abhängigkeit und Sucht, aber auch zum schöpferischen Neuanfang (Wiedergeburt) führen kann.

Beispiele für das Motiv der Rückkehr zum Ursprung und der Todessehnsucht finden sich in Goethes „Werther“ und „Faust“ („Zurück zu den Müttern“), oder in Richard Wagners „Tristan und Isolde“, wo im 2. Akt das Liebesverlangen durch die Harmonien des Todesmotivs untermalt wird.

Das Selbst ist in der Auffassung der Analytischen Psychologie Ursprung wie Ziel, die symbolische Erfahrung des Ursprungs spielt daher therapeutisch eine wichtige Rolle. Dürckheim hat diesen Aspekt in der initiatischen Therapie weitergeführt. Auch die Mandalasymbolik veranschaulicht die Dynamik des Ursprungs. Im indischen Shri-Yantra hat das in der Meditation entworfene innere Bild im Punkt (sanskrit bindu) seinen Ursprung und wird in diesen wieder eingeschmolzen

Noch einzufügende Abbildung des Tai-Chi: Die weiße Kreishälfte enthält im schwarzen Punkt ihren Gegensatz wie umgekehrt die schwarze Kreishälfte im weißen Punkt. Diesem Uranfang (Tai-Chi) geht der Zustand des Nicht-Anfang (Wu-Chi) vorher, der durch einen Kreis wiedergegeben wird.

Noch einzufügende Abbildung: Das hinduistische Shri-Yantra symbolisiert die ursprüngliche Einheit in Brahma, welche sich zur Vielfalt der Welt, dem Spiel der Maya ausdifferenziert. Der Punkt des Ursprungs wird in der Darstellung oft weggelassen

Literatur: Standard

Autor: Krapp, Manfred

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