Paradies

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Keyword: Paradies

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Definition: Die Bezeichnung „Paradies“ ist der geläufige Name für den Garten Eden des Alten Testaments, dem Ort Friedens, des Glücks, der Schönheit, der Ruhe und Gottesnähe. Er hat seine etymologische Wurzel in dem awestischen „pari-daeza“, was wörtlich die Umwallung oder Einzäunung bedeutet.

Information: Die Vorstellungen eines ursprünglich konfliktlos-harmonischen Daseins finden sich nicht nur in der jüdisch-christlichen Tradition, sondern haben einen universalen Charakter, sind „archetypische“ Fantasien der Menschheit. Die griechische Antike z. B. kannte die Vorstellung eines Goldenen Zeitalters, welches durchaus paradiesische Züge trägt. Auch die Iranier kannten das Paradies als Garten des Yima, des Herrschers der Goldenen Zeit. Es ist auf einem mythischen Berg gelegen, von dem das Wasser des Lebens herabfließt. Dort stehen allerlei Zauberbäume, darunter auch der Baum des Lebens. (Gunkel, s. 36 ff). In einem sumerischen Text wird sogar der „Baum der Wahrheit“ und der „Baum des Lebens genannt.

Die Wesensmerkmale des Menschen im paradiesischen Zustand werden von Baumann (1936) anhand afrikanischer Paradieses-Mythen folgendermaßen zusammengefasst: „Die Menschen lebten ewig und starben nicht. Sie verstanden die Tiersprache und lebten mit allen Tieren in Frieden; sie kannten noch keine Arbeit, hatten üppige Nahrung, deren müheloser Erwerb ihnen ein Leben ohne Sorgen garantierte; sie kannten noch kein Geschlecht und keine Zeugung.“ All diese Vorstellungen afrikanischer Herkunft finden sich wiederum auch im biblischen Paradieses-Mythus.

Interpretation: Allein, das Paradies ist verloren, es kam zur schmerzensreichen Trennung vom Ort der Glückseligkeit und die meisten Mythen nehmen an, dass Ursache dieser Trennung eine Übertretung, Schuld oder „Sünde“ gewesen ist. (Bewusstseinsentwicklung, Sünde)

Was bleibt, ist die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Man malt es sich aus in Form von Ferien-, Südsee-, Nudisten-, Konsumenten-, Arbeiter-, Kinder und vieler anderer „Paradiese“. Es gibt die Insel der Seligkeit, aber auch das Schlaraffenland mit den gebratenen Tauben, die einem direkt in den Mund fliegen und zu dem man durch einen Berg von Kuchen Zutritt gewinnt. Seit Thomas Morus sind auch die Sozialutopien dazu zu rechnen. „U-topos“, heisst aber „Nirgend-Ort“, es handelt sich also um Wunschvorstellungen, die letztlich „auf dieser Welt“ kaum zu realisieren sind.

Oft haben Paradiessehnsüchte auch Symptomcharakter, hinter der Lebensangst und regressive Weltfluchttendenzen liegen. Es können sich darin aber auch tiefere Bedürfnisse nach dem guten Mütterlichen (Mutter, große, dem Eins-Sein mit sich selbst, nach Erfahrung menschlicher Ganzheit (Individuation), nach einem naturverbundenen Lebensstil und einem globalen Verbundenheitsbewusstsein (Einheitswirklichkeit, Erde) zum Ausdruck bringen.

Literatur: Standard, Jakoby (1980)

Autor: Jacoby, Mario

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