Wiedergeburt

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Keyword: Wiedergeburt

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Definition: Zu den Formen der Wiedergeburt zählt Jung (1976) neben Metempsychosis (Seelenwanderung) und Reinkarnation (Wiedergeburt, bei der die Kontinuität der Persönlichkeit über die verschiedenen Existenzen erhalten bleibt) auch Auferstehung, die Wiedergeburt (renovatio) als Erneuerung der Persönlichkeit und die Teilnahme an einem Wandlungsprozess wie z. B. die christliche Messe oder die Eleusinischen Mysterien.

Information: In der Wiedergeburt können zwei Erlebnisse unterschieden werden: 1. die Erfahrung der Transzendenz des Lebens, wenn jemand durch heilige, rituelle Handlungen oder durch visionäre, mystische Erlebnisse ergriffen und gewandelt wird; 2. das Erlebnis der Wandlung durch innere Träume oder äußere Begegnungen, durch Identifikation mit einer Gruppe oder einem Kultheros und durch magisch-rituelle oder meditative Praktiken.

Interpretation: In Abgrenzung zu Freuds konkretistischer Interpretation des inzestuösen Begehrens sieht Jung (1973, S. 268) darin „die Sehnsucht, durch die Rückkehr in den Mutterleib die Wiedergeburt zu erlangen, das heißt unsterblich zu werden wie die Sonne.“ Sonnen- und Wiedergeburtsmythen sind Ausdruck der schöpferischen Phantasie, welche analoge Bilder zur Mutter erfindet, um die Libido aus der triebhaften in eine geistige Form überzuleiten.

Wiedergeburt wird oft mythologisch als Nachtmeerfahrt versinnbildlicht: das Meer verschlingt die Sonne bzWiedergeburt den Helden, um ihn aus dem mütterlichen Schoß neu zu gebären. Dieser Mutteraspekt des Wassers koinzidiert hier mit dem des Unbewussten als Matrix des Bewusstseins. Neumann (1974) sieht in der Wiedergeburt ein matriarchales Wandlungsmysterium, in der durch das Eingehen in das Mutter-Gefäß oder Große Runde eine Geistwandlung bzWiedergeburt –geburt stattfindet. Zur vielfältigen Gefäß-Körper-Symbolik zählen vor allem das vas hermeticum der Alchemie und der Gral. Die alchemistischen Grundoperationen des „solve et coagula“ entsprechen dem „Stirb und Werde“ (solutio, coagulatio).

In der Baumsymbolik – sie taucht auf u. a. bei Christus, Wotan oder im alchemistischen Arbor philosophica - verbinden sich Opfer, Tod, Wiedergeburt und Weisheit.

Jung sieht die Symbolik der Wiedergeburt auch zusammen mit Übertragung / Gegenübertragung und therapeutischer Beziehung. Darin „kommt der wirkliche Mensch an den Tag. Er wird recht eigentlich aus der psychischen Beziehung geboren“. S. 232

Hillmans (1986) radikale Auffassung von der Bedeutung des Todeserlebens für die Bewältigung von suicidalen Krisen ist in psychoanalytische Konzepte eingeflossen. Für Zoja liegt die kulturelle Ursache der Drogensucht im Verlust von initiatorischen Wiedergeburtsriten (vgl. Zoja 1986). Reinkarnationstherapeuten sehen in früheren Existenzen auch eine imaginierte archetypische Erfahrung (Woolger) oder im kollektiven Unbewussten eine Art Über-Seele, in der alle Leben gespeichert sind (vgl. Wendel / York). Jung (1971) interpretierte die Idee von Karma und Wiedergeburt vorsichtig: „Was ich als Resultat meiner Ahnenleben oder als in persönlichen Vorleben erworbenes Karma empfinde, könne vielleicht eben so gut ein unpersönlicher Archetypus sein.“ (Jaffé, 1962, S. 320)

Literatur: Standard

Autor: Krapp, Manfred

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