Geburt

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Definition: "Geburt" leitet sich etymologisch von ahd."giburt" ab, bezeichnet sowohl den Vorgang des Gebärens als auch das Geborene.

Information: Keine

Die Urgebärende ist die Erde selbst und in späterer Entwicklungsschichte ist es die Kornmutter (sumerische Muttergottheit Nammu, "Mutter, die Himmel und Erde geboren hat"; griechische "Demeter"). So kommen die Kinder in Mythen und Märchen aus Brunnen, Seen (z. B. Titisee), Fels, Höhle, Steine, Erde; Vögel, Storch u. a. Tiere.

Nach der Geburt kommt im Brauchtum dem Vater bei der Aufnahme des Kindes eine besondere Bedeutung zu z. B. durch das germanische "Knieaufsetzen des Neugeborenen" oder "Vom-Erdboden-Aufheben" durch den Vater. Dem Überbringer der Geburtsnachricht, ähnlich dem Verkündigungsengel bei Maria, wird Beachtung geschenkt. Bei der Geburt werden häufig der Wöchnerin Geschenke gebracht. Meist mit magischen Ritualen verbunden, werden besondere Bäume gepflanzt (Schicksalsbaum) und Amulette o. ä. angefertigt (germanische Gebär- Runen).

Wichtig ist unmittelbar nach der Geburt die Namensgebung, wobei Heiligennamen, biblische Gestalten oder auch Idole als Vorbild dienen (s. a. ( Fruchtbarkeit). Die Geburtstagsfeier wird erst seit dem 18. Jh. allgemeiner, bis dahin war im christlichen Raum der Namenstag wichtig.

Über Göttern, Heilsbringern und Heroen werden oft außergewöhnliche Geburten berichtet. Das Götterpaar Schu (Atem) und Tefnut (Speichel) geht aus dem Mund des Urgottes Atum hervor. (Überlieferung aus dem ägyptischen Heliopolis). – Laoste wird nach neun Jahren Schwangerschaft aus der Achselhöhle seiner Mutter geboren. – Buddha kommt aus der rechten Seite seiner Mutter heraus, Feuer- und Schmiedegott Hephästos aus der Hüfte Heras, Dionysos aus den Schenkeln des Zeus und die Göttin der Weisheit, Pallas Athene entsteigt dem Haupt des Zeus. – Bei den ostafrikanischen Nandi kamen die Stammeltern der Menschen aus dem Bein des Urmenschen hervor. Ähnlich werden beim germanischen Urriesen Ymir die Kinder aus Achselhöhle geboren. Auch die indogermanen (Hamiten) kennen das bei Naturvölkern häufige Motiv der Kniegeburt. Diese wird öfters lunar-mythologisch gedeutet als das Hervorgehen des Mondes aus der Mondsichel.

Interpretation: Die Geburt ist die erste "Trennung" und ein einschneidendes und prägendes Element für das Kind. Mit ihr verändert sich in entscheidender Weise das Dasein, indem der kindliche Organismus abrupt Sauerstoff, Temperatur und Nahrung selbst regeln muss. Diese sehr wirksamen Erfahrungen sind aufgrund ihrer unbewussten Dynamik sehr geeignet, Symbole und auch das Urmuster für damit verwandte Symbolstrukturen zu bilden (Operation, Verstümmlung, Verlust, Impotenz u. a.). Die Geburt und die nachfolgenden Umstände präformieren spätere Konfliktstrukturen (z. B. Ödipuskomplex) und Arten des Umgangs mit Konflikten (Rank´sche Theorie des "Geburtstraumas"). Die Trennung und Zerstörung der intrauterinen Geborgenheit kompliziert durch die kulturelle und gesellschaftliche Situation die der Geburt folgende symbiotisch-dyadische Situation von Mutter und Kind.

Die Silbe "bar" (in "gebären") beinhaltet "tragend", frucht-"bar", eigentlich "Frucht tragend" und deutet die mythologische Verbindung zum Baum, z. B. gebärende Bäume (Adonis, gr.) an. So sind die fruchttragenden und fruchtbringenden Kinderbäume aus Erzählgut und von Backmodellen bekannt. Die Geburt ist mit dem Wunder des neuerstehenden Lebens ein Ursymbol menschlichen Erlebens und untrennbar mit dem lebensspendenden Mutterschoß verbunden (schon in prähistorischen Zeiten als Raute in Stein und Keramik eingeritzt). Die oval förmige Mandorla ist in ihrer ureigentlichen Bedeutung das "Tor des Lebens", und besonders im christlichen Sinne Symbol der Inkarnation Christi (Wiedergeburt). Auch die Muschel ist Symbol des weiblichen Geburtsorgans (lateinisch concha, Muschel und Vulva).

Literatur: Standard

Autor: Obleser, Horst

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