Nacht

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Keyword: Nacht

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Definition: Die Nacht bezeichnet etwa den Zeitraum zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, zwischen Einbruch der Dunkelheit und Beginn der Morgendämmerung.

Information: Die Nacht ist der vorübergehende Tod des Lebens. Alte Menschen fürchten sie oft, weil sie die Todesnähe deutlich spüren. Auch Kinder haben häufig Angst vor ihr. Sie scheinen die Bedrohung noch instinktiv zu spüren, die die Menschen seit Urzeiten bei Einbruch der Nacht empfunden haben, denn in der Nacht lauerten unzählige Gefahren.

Interpretation: Die Nacht ist der Raum der Schatten, der Unbestimmtheit, der Albträume, der Täuschungen und heimlichen Handlungen ("bei Nacht und Nebel"), der dunklen Seiten des Lebens ("hässlich wie die Nacht") und der dunklen, bedrohlichen Wesen ("die Nacht der langen Messer"), der trüben Stimmungen ("schwarz wie die Nacht"); ebenso der Raum des Unbewussten und seiner Kräfte und Mächte, die des Nachts dem hellen Ich des Bewusstseins und analytischen Denkens die Macht entrissen haben und sich in den Träumen manifestieren. Für die Griechen war sie (nyx) die Tochter des Chaos, aber auch die Mutter des Himmels (uranos) und der Erde (gaia). Sie zieht über den Himmel in einen dunklen Schleier gehüllt, in einem von vier schwarzen Pferden gezogenen Wagen, eskortiert von ihren Kindern, den Furien und Parzen.

Die Nacht ist mit ihrer Verbindung zur dunklen Seite aber auch die Zeit der triebhaften Impulse, der Lust, der Sexualität ("Nachtleben"), im Verein damit der Zärtlichkeit und Intimität der Liebe.

Als Tod des Lichts, des Lebens und des Bewussteins ist die Nacht gleichzeitig auch der Wendepunkt zum Neubeginn des Lebens, ein keimbeladender Raum, trächtig und voller noch nicht entfalteter Möglichkeit. An diesem Tiefpunkt der Leere kann sich auch das Bewusstsein reinigen, neu formieren und mit neuen Inhalten anreichern. Die Nacht geht schon schwanger mit dem Tag. Da die Möglichkeiten in diesem Zustand noch unbekannt sind, erwecken sie auch den Eindruck des Konspirativen, Geheimen. Bei E. Bloch (Prinzip Hoffnung) ist dies der Raum der Latenz.

Die Nacht hat also den Doppelcharakter von Tod und Leben, Stillstand und Neubeginn. Der Punkt des Umschlags ist um Mitternacht. Sie ist die Stunde der Einweihung in den antiken Mysterien (Mysterium), der tiefsten Dunkelheit, die Zeit der Geister und Dämonen, der tiefsten Schatten und des geringsten Lichts, aber auch der spirituellen und geistigen Erkenntnis. Zwischen der Stunde Null und der ersten Stunde ahnt man eine Art Niemandsland, in dem sich alle möglichen Wesen der Finsternis austoben können. Psychisch ist dies die Stunde der Begegnung mit dem Tod, dem eigenen Schatten und der Angst. Dort sind die Unklarheit, die Verwirrung, die Unkenntnis und die Verlorenheit am größten. Damit steht aber auch die Entscheidung und Wandlung bevor. In der tantrischen Tradition ist dies die Zeit der absoluten Stille und Ruhe. Gleichzeitig ist es aber der Punkt des Neubeginns, an dem, sich wie Phönix aus der Asche der neue Tag langsam zu entfalten beginnt wie aus dem Nichts, dem Nicht-Sein.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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