Mysterium

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Keyword: Mysterium

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Definition: Mysterium, Mysterien, von griech. mysterion, Geheimnis, ist ein zentraler Begriff aller religiösen Wirklichkeit.

Information: Zur Geltung kommt der Begriff des Mysteriums in kultischen Feiern, insbesondere als deren esoterische Sinnmitte, die des besonderen Schutzes durch eine strenge Arkandisziplin bedarf. Dass sie in der Regel weitgehend eingehalten wurde, geht aus der Tatsache hervor, dass wir aus den Vorgängen an den Mysterien-Stätten des Altertums, insbesondere von den orientalischen und griechischen Mysterien-Kulten, z. B. die von Eleusis (seit ca. 600 v. Chr.) nur relativ geringe fragmentarische Nachrichten haben, obwohl die verschiedenen Mysterien ihren festen Platz im gesellschaftlich-kulturellen Leben hatten und zu den religiösen Vollzügen gehörten. Die Mysterien galten in ihrem Kern dennoch als "unsagbar" (arrhetq). Proklos (412 - 485), ein mit dieser Tradition vertrauter griechischer Philosoph, spricht von der "unsagbaren Sympathie" der Seele mit dem Ritual."Weit älter ist der vielzitierte Satz des Aristoteles, wonach 'diejenigen, die in M. eingeweiht werden' (teloumenoi), nicht mehr 'lernen' (mathein), sondern 'erfahren' oder 'erleiden' (pathein)." (Burkert, S. 58)

Dennoch wurde mit der Mysterien-Weihe und der Hinführung zur Erleuchtung bzw. zur Schau (epopteia) auch ein ein bestimmtes Mysterien-Wissen übergeben wurde. Dazu gehörte jeweils ein besonderer Mythos, an dem der Myste, d. h. der Einzuweihende bzw. Eingeweihte unter dem Siegel der Verschwiegenheit teilhaben sollte. Dafür hatten heilige Eide zu sorgen.

Im Mittelpunkt der Mysterien von Eleusis stand Demeter, die Erdmutter, die ihre Tochter Persephone betrauert, bis diese aus der Unterwelt zurückkehrt. Die Mysten führten für den Mitvollzug Übungen der Enthaltsamkeit und Reinigung durch; sie nahmen an Prozessionen teil und begleiteten das von der Priesterschaft der Hierophanten geleitete Geschehen äußerlich wie innerlich. Es galt mit dem Streben durch das Dunkel zum Licht die Todesfurcht zu überwinden, in eine Verbindung mit der Gottheit einzugehen und sich gleichzeitig mit den anderen Eingeweihten zu einer Mysterien-Gemeinschaft zu verbinden.

Wichtig wurden die Kabiren-Mysterien auf Samothrake, neben ägyptischen und kleinasiatischen Kulten von Isis und Osiris bzw. Sarapis, sodann die dem Dionysos gewidmeten Mysterien mit ihren orgiastischen Begehungen. Eine Besonderheit stellten in römischer Zeit die Mithras-Mysterien dar, die mit ihren verschiedenen Einweihungsgraden vor allem im Heer gepflegt wurden.

Das Christentum wurzelt zwar im Judentum, doch fanden in den ersten Jahrhunderten Vorstellungen aus den Mysterien Eingang, so dass etwas vom mystischen Charakter dieser Religion deutlich wurde. Dafür lassen sich Belege finden. Im Neuen Testament wird das Sakrament (Eucharistie; Abendmahl) mysterion genannt. Die Taufunterweisung (Katechese) und die darin geübte Mystagogie hatte unter Beachtung der Arkandisziplin auf die Zulassung zum Christus-Mysterium vorzubereiten.

Ein Blick in die Forschungsliteratur und ihrer Geschichte zeigt, mit welchen Schwierigkeiten der Deutung die Forscher zu kämpfen hatten, um aus liturgischen Formeln und aus den von Mutmaßungen durchsetzten Schilderungen.

In den Riten neuzeitlicher Mysterien-Vereinigungen lebt etwas von der einstigen Mysterien-Stimmung fort. In andrer Form geschieht dies in den an der kirchlichen Liturgie angelehnten Mysterien -Spiele des Mittelalters und der Neuzeit.

Interpretation: Aus tiefenpsychologischer Sicht entsprechen die Mysterien weitgehend dem Individuationsprozess, in dem es durch die Auseinandersetzung mit den Archetypen des kollektiven Unbewussten und deren Integration zu einer Erfahrung der Einheit und Ganzheit im Selbst (Gott, Gottesbild) kommen kann. Die moderne Form der Einweihung in die Mysterien ist die Einweihung in die Geheimisse der Seele.

Literatur: Standard

Autor: Wehr, Gerhard

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