Finsternis

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Keyword: Finsternis

Links: Depression, Dunkelheit, Hölle, Licht, Nacht, Nachtmeerfahrt, Schatten, Schwarz, Teufel, Unterwelt, Unbewusstes

Definition: Finsternis und Dunkelheit haben im Deutschen eine gemeinsame Sprachwurzel. Aus ahd. dinstar wird durch Verschiebung von dem Zahnlaut d zu dem Lippenlaut f finstar. Sie werden häufig synonym gebraucht.

Information: Keine

Interpretation: Finsternis hat jedoch eine negativere Konnotation als Dunkelheit. Sie hat einen Beiklang von Abgrund, Angst, Schuld, Drangsal und Düsternis. Im dualistischen Weltbild (Dualismus) ist das Reich Gottes (Gott) mit dem Licht, das Reich des Teufels (Teufel), der Dämonen (Dämon) und bösen Geister (Geist) mit der Finsternis verbunden. Von diesem Dualismus ist unser Bewusstsein bis heute geprägt. Wir identifizieren unser Bewusstsein mit Licht, das Unbewusste, das unbekannt und somit suspekt ist, erscheint uns im Bild der Dunkelheit oder Finsternis In vielen Schöpfungsmythen wird das Licht von der uranfänglichen Finsternis geschieden. Diese ist aber nicht endgültig überwunden. Der Sündenfall von Adam und Eva hat sie wieder herauf beschworen. Die Hölle als Ort ewiger Verdammnis ist mit ewiger Finsternis assoziiert. In der jüd. -christl. Eschatologie wird in der Endzeit der Welt die Finsternis endgültig vernichtet. (Hennoch 58, 6) Da Licht mit Erkenntnis und Wissen gleichgesetzt wird, bedeutet Finsternis auch Unwissenheit.

In der Sprache wird häufiger das Adjektiv (finster) angewendet als das Substantiv. Wir kennen finstere Menschen, Orte, Löcher u. s. w.

In dem Roman "Via mala" des schweizer Schriftstellers John Knittel entfalten sich in dem finsteren Abgrund der Rheinschlucht in Graubünden, von dem Hölderlin sagt:

"Die Sterblichen flohen von dem Ort,

Denn furchtbar war, da lichtlos er [...]."

in einem Drama von Inzest und Vatermord die abgründigen, finsteren Eigenschaften der beteiligten Personen.

In der analytischen Arbeit begegnen wir dem Bild der Finsternis mit seinen emotionalen Tönungen von Verdüsterung, Drangsal, Angst und Schuld bevorzugt bei der Depression und bei psychischen Erkrankungen, bei denen ein Schuldkomplex eine Rolle spielt.

Auch im Individuationsprozess können wir dem Bild der Finsternis begegnen wie z. B. in der Imagination einer älteren Frau: "Ich stehe am Rand einer ungeheuren, bodenlosen und abgründigen Schwärze ohne Anfang und Ende. Ein kalter Hauch streift mich, dennoch ist mir unerträglich heiß, mein Puls beschleunigt sich. Ich höre einen sehr dunklen, "schwarzen" Klang.

Lange stehe ich an diesem gestaltlosen Abgrund. Ihn zu überqueren, ist aussichtslos. Plötzlich bildet sich eine Art Brücke, leuchtend weiß und dünn wie ein Seil, die sich in der Schwärze verliert. Ich wage mich über diesen Steg, immer das schwarze Nichts vor mir. Schließlich lichtet sich der Abgrund und verwandelt sich vor mir in eine nächtliche Bläue [...] " (Blau)

Diese bis ins Soma hinein wirkende Erfahrung erschütterte und beschäftigte sie sehr und veranlasste sie zu einer Auseinandersetzung mit der Frage nach ihrem Gottesbild. Amplifikatorisch (Amplifikation) erinnert das Bild an den Anfang der biblischen Schöpfungsgeschichte: " [...] und Finsternis lag auf der Urflut, und der Geist Gottes (Atem Geist Klang) schwebte über den Wassern." (1. Mose 1, 29) und an eine Vorstellung aus dem Islam, nach welcher der Gläubige auf der Schneide seines Schwertes den Abgrund der Finsternis überqueren kann. Diese archetypische Erfahrung spiegelt sowohl das Abgründige der Gottheit, das sich in der gestaltlosen Dunkelheit, im kalten Hauch und im "schwarzen" Klang symbolisiert, als auch in der Möglichkeit zu dessen Überbrückung, ohne darin unterzugehen (leuchtend weiße, schmale Brücke).

Die Erfahrung lässt sich mit den Worten von Hölderlin umreißen:

"Nah ist

Und schwer zu fassen der Gott.

Wo aber Gefahr ist,

Wächst das Rettende auch."

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosmarie

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