Weihnachten

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Keyword: Weihnachten

Links: Krippe, Christus, Geburt, Jungfrau, Kind, göttliches, Sonne, Licht, Stern

Definition: Der Name Weihnachten bedeutet „Weihe-Nacht “ und erinnert an die germanische Vorstellung von den zwölf heiligen Nächten um die Wintersonnenwende. Im christlichen Raum heißt das Fest auch Christgeburtsfest und erinnert an die Geburt Jesu, die lange Zeit im Jahr 0 unserer Zeitrechnung vermutet worden ist.

Information: Das Datum 25. Dezember geht auf den Papst in Rom zurück, der es bewusst auf das in Rom übliche Fest der Geburt des sol invictus, der unbesiegbaren Sonne, legte. Dieses Fest war dem als Gott verehrten Kaiser Roms gewidmet. Dieser wieder hatte mit diesem Fest den persischen Mithraskult übernommen, dessen Geburt am 25. Dezember gefeiert wurde. Der Mithraskult hatte sich in den ersten Jahrhunderten, überwiegend unter den Legionären, über das römische Reich verbreitet. In der Ostkirche, die von orientalischen Traditionen geprägt wurde, feiert man Christi Geburt am 6. Januar, dem Fest, an dem man in vorchristlichen Religionen die Geburt des Dionysus oder des Aion kultisch beging.

Mit dem Datum 25. Dezember wurde Jesus Christus als wahre Sonne, als Licht der Welt verkündet. Die Geburtsgeschichte Jesu steht im Lukasevangelium. Feste zur Wintersonnenwende waren in vorchristlicher Zeit auch sonst verbreitet. Insbesondere in Nordeuropa bedeutete es die erhoffte Wiederkehr des Lichts und damit neues Leben. Die zwölf heiligen Nächte waren unheimlich, da ging lärmend das wilde Heer Wotans oder Frau Holles (Holle, Frau) um, in ihrem Gefolge Dämonen und die Geister Gestorbener, vor denen man sich fürchtete. Die Kirche verkündete dagegen Christus als den Bezwinger böser Geister und ängstigender Vorstellungen. Zur Weihnachtslegende gehören Symbolgestalten wie die Jungfrau Maria, die Engel, die Höhle mit den Tieren und der Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind (Matthäusevangelium). Das Himmlische verbindet sich mit dem Irdischen, die Schöpfung wird erneuert, der Mensch ist geliebt, Gott selbst wird Mensch, und zwar als Kind. Zahlreiche Gemälde, Kompositionen, Christgeburtsspiele und Krippen zeigen die Popularität dieses Festes der jungfräulichen Geburt und der Engelbotschaft von Liebe, Frieden und Hoffnung. Von kirchlichen Feiern abgesehen gibt es rings um das Weihnachtsfest unzählige Riten und Gebräuche, gerade auch in den Familien, wie Lieder, Geschichten, Weihnachtsbaum, Weihnachtsmann, Christkind, Geschenke, Gebäck und Festmähler, die regional sehr verschieden sind, zum großen Teil auch erst aus den letzten drei Jahrhunderten stammen. Während für das Christentum eigentlich das Osterfest das wichtigste im Festkalender ist, gilt bei vielen Weihnachten als das bekannteste unter den christlichen Festen.

In der Gegenwart scheint der christliche Inhalt des Weihnachtsfestes zu schwinden hinter äußerer Dekoration in den Städten, Warenhäusern, in Betrieben und vor Privathäusern. Für zahlreiche Branchen des Einzelhandels ist der Umsatz um Weihnachten der wichtigste des Jahres. Die Werbung hat sich weihnachtlicher Symbole bemächtigt. Weihnachtsmärkte und betriebliche Weihnachtsfeiern verstärken diese Tendenz. Diese Entwicklung weckt auch Widerspruch, Klagen und Verweigerung. Trotz der Abnahme der Familienbindung gilt Weihnachten nach wie vor als Fest der Familie, insbesondere dann, wenn Kinder dazugehören. Unter Psychotherapeuten ist die Weihnachtsdepression bekannt. Sie hängt in Europa mit der dunklen Jahreszeit zusammen. Auf der anderen Seite weckt das Weihnachtsfest, das für Kinder im guten Fall ein besonders schönes Fest war, das Empfinden der Ungeborgenheit, der verlorenen Kindheit und des Verlustes von Bindungen.

Interpretation: Die weite Verbreitung des Weihnachtsfestes auch im nichtchristlichen Raum mag tiefenpsychologisch mit dem Mythos vom göttlichen Kind im Zusammenhang stehen. Dieser Archetyp ist nach zahlreichen Mythen Zeichen der Geburt eines Retters und Erlösers, der finstere Herrscher und ihre destruktive Mächte besiegen wird, um den Menschen Frieden und Gerechtigkeit zu bringen. Das göttliche Kind wird von Weisen und Sterndeutern vorhergesagt, von göttlichen Mächten gezeugt, so dass eine Jungfrau schwanger wird. Sein Leben ist von Anfang an bedroht, schon seine künftige Mutter wird verfolgt und muss fliehen, und auch nach seiner Geburt muss es verborgen werden, weil mächtige Herrscher oder Dämonen es zu vernichten suchen. Es wird auf wunderbare Weise gerettet, in einem Boot ausgesetzt (Mose, Dionysus), von Tieren, Hirten oder Gärtnern gefunden und aufgezogen und muss seine wahre Identität später erst finden. Dieser Mythos ist in zahlreichen Religionen und Mythen (neben dem Lukasevangelium besonders der Krishnamythos) sowie in vielen Märchen von der wunderbaren aber auch gefährdeten Geburt eines Helden verbreitet. Die Verbindung dieses Mythos von einer Zeitenwende mit der Sonnensymbolik und damit der Wintersonnenwende sowie alten germanischen Bräuchen hat in Europa zur Vertiefung dieses Festes beigetragen.

Nach C. G. Jung ist das göttliche Kind ein Archetypus, eine Gestalt des Selbst mit heilendem, erneuerndem, kreativem Potenzial. Es kann in Träumen und Visionen eine Wende ankündigen. Wie der Mythos erzählt, ist es bedroht von Mächten, die am Vergangenen festhalten, die auf der bisherigen Machtverteilung, insbesondere der Kontrolle durch das Ich, beharren. Das göttliche Kind hat aber die Energie, sich gegen alle Widerstände zu behaupten. Dabei stehen ihm helfende Gestalten zur Seite. Nach dem Mythos sind das Hirten oder Gärtner, also Symbolgestalten für unauffällige, bewahrende, dienende, geduldige Kräfte.

Wenn bei einem Menschen eine Symbolgestalt nach Art eines göttlichen Kindes aufscheint, sei es in Träumen oder beim spontanen Malen, bedarf es besonders behutsamer und verstärkender Empathie, damit dieser Impuls an Kraft gewinnen kann.

Wenn in Träumen wiederholt ein Kind erscheint, das auf der Objektebene kein leibliches Kind ist, ein Kind, das verhungert, erfroren und schon fast tot ist, weil es übersehen oder vergessen worden ist, ist das auch für eine in psychologischen Fragen unerfahrene Frau ein Alarmsignal. Der Traum löst Schuldgefühle aus. Der Träumerin gelang es in einem späteren Traum, dieses fast schon gestorbene Kind in eine Höhle (Höhle, Grotte) zu bringen. Aus der Tiefe der Höhle kam ihr eine fremde junge Frau entgegen, der die Träumerin das Kind anvertrauen konnte.

Literatur: Standard

Autor: Wöller, Hildegunde

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