Blau

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Keyword: Blau

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Definition: Blau [mhd. bla, ahd. blao, eigtl. = schimmernd, glänzend] ist eine Bezeichnung für Farben, die im Spektrum zwischen grün und violett, d. h. etwa zwischen den Wellenlängen 440 und 485 nm (blaues Licht) liegen. Blau entsteht auch durch additive Farbmischung von Grün und Violett bzw. durch subtraktive Mischung von Blaugrün und Purpur.

Information: Die Bezeichnung des "Blau-seins" für den Zustand des Betrunkenseins kommt vielleicht von dem Schwindelgefühl des Betrunkenen, dem blau (blümerant) vor den Augen wird.

Interpretation: Die Wirkung des Blau auf den Menschen beruht psychologisch auf der Erfahrbarkeit des Blau in seiner geistigen Komponente angesichts des Himmels in seiner lichtvollen Transparenz und Höhe, in seiner seelischen Komponente angesichts des Wassers in seiner Weite und Tiefe des Meeres und der Seen.

In Goethes Farbenlehre bestimmt Blau die Farben der passiven Seite seines Farbsystems. Von Blau gehe eine "unruhige, weiche, sehnende Empfindung" aus. Die wesentliche Blausymbolik drückt sich für Jacobi (1969) in Ruhe, Distanz, Treue und Enthaltsamkeit aus. Mit "Furcht, Verlorenheit, Trauer" verbindet sie ein trübes Blau, mit dunklem "Tiefe, Nacht, Ruhe, Tod."

Blau kann sich zum Ausdruck der Angst vor dem Ertrinken im Abgrund steigern, zur "peur bleu", wie die Franzosen die "blaue Angst" nennen. Den Forschungen zum Farbpyramidentest zufolge kann das dunkle Preußischblau die Erlebnisfähigkeit steuern, aber auch potenzieren.

Für Heimendahl (1961) übt Blau den geringsten sinnlichen und den stärksten geistigen Reiz aus."Symbolische Bedeutungen wie die blaue Blume der Romantik knüpfen an die irreale Ungreifbarkeit des Blau an, das uns anzieht, indem es vor uns zurückweicht." Kandinsky (1912) sieht in Blau "Die Neigung zur Vertiefung [...] Je tiefer, desto mehr ruft es den Menschen ins Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich nach Übersinnlichem".

Die Begegnung mit dem Blau des Himmels in seiner Unverfügbarkeit und seiner dennoch überspannenden und bergenden Unendlichkeit wird zur Begegnung mit dem Transzendenten, der Sphäre der dort als wohnhaft geglaubten und wirksam erlebten Götter: Blau wird zur Farbe des Glaubens und der Sehnsucht, über sich hinauszugehen. Blau zieht den Blick entgrenzend in eine Unendlichkeit, die aber die Erde von Horizont zu Horizont zu überwölben scheint und dadurch den Menschen in einer Transzendenzerfahrung zu Geborgenheit finden lassen kann. Christus trägt einen blauen Mantel, der ihn als mit dem "Reich der Himmel" verbunden ausweist. Jahwes Thron, auch der des Zeus, ist das saphirblaue Himmelsgewölbe. Der Saphir ist ein Baustein des himmlischen Jerusalem, eines seiner Tore soll aus einem einzigen Stück gefertigt werden.

In der christlichen Symbolik des Mittelalters erinnert er an die himmlischen Werke und Wunder und diente deren Meditation, durch ihn glaubte man, Augenkrankheiten zu heilen und vermöge seiner entgrenzenden Farbe aus Gefangenschaften zu befreien.

Von den durchsichtigen Medien Luft und Wasser gewinnt Blau die Qualität der Klarheit, im übertragenen Sinne die der intellektuellen Durchdringung. Ihr entspricht der Aquamarin in der Farbe des klaren Wassers, der, wie das Hellblau, nach der Chakrenlehre dem fünften Chakra, Vishudda zugeordnet, das Sprach und Kehlkopfzentrum öffnet und damit die Kommunikation und die Resonanz auf das Sein. In der Öffnung für luftige Himmelsbläue kann die Gefahr des sich Verlierens in Fantastereien und Träume lauern, in Stahl- oder Eisblau auch an die Magie.

Jacobi weist auf Ausdruckswerte wie Dämonisches und Geisterhaftes in Blau hin und auf Realitätsverlust als Farbe der Trunkenheit.

Nach dem Farbpyramidentest enthält Türkisblau einen Erregungsanteil, der die Steuerung nicht einengt, elastischer, doch auch brüchiger werden lassen kann.

Die klare mittlere Nuance des Blau im Kobalt vermittelt Rechtwinkligkeit, Rationalität und Klarheit. Blau als Symbolfarbe für Treue und Eros klingt in manchen Namen blauer Blumen wie Vergissmeinnicht, Wegwarte, Männertreu an.

Das Ultramarin als dunkles Meeresblau und der Tiefe des nächtlichen Himmels gilt als Farbe des Traumes, der Mystik und des Unbewussten. Die "Himmelskönigin" Maria, als "Meerstern" besungen, der die blauen Grotten und Blumen geweiht sind, wird in leuchtend-ultramarinblauem Gewand dargestellt. In Ägypten wurden die Grabkammern der Pharaonen in Blau, dem "Feld der Götter" ausgemalt, um die Toten in deren lebenserhaltende Gegenwart zu betten. Amulette aus Lapislazuli, der dichtesten Materialisation des Blau und Symbol der kosmischen Nacht mit ihren Sternen ist, waren entsprechende Grabbeigaben. Im Hinduismus wird Vishnu in der Erscheinungsweise als Krishna meist in Blau dargestellt, wie auch im tibetischen Buddhismus der Bodhisattva Vajrapani.

Die Schwere des Schwarz überwiegt im Indigo. Diese dunkelste Nuance des Blau kann Zwang, Angst und Schwermut ausdrücken, ist Farbe der Apokalypse und des Todes. Eines der letzten Erntebilder van Goghs steht unter indigofarbenem Himmel. Nila bedeutet in Pali das Wort für Dunkelblau und zugleich Meditation. Neben Violett und Gelb, strahlt das "dritte Auge" im Stirnzentrum, das dem sechsten, dem Ajna-Chakra, dem Prinzip der Seinserkenntnis zugehört, in Indigoblau.

Literatur: Standard, Riedel (2008)

Autor: Riedel, Ingrid

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