Abgrund

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Keyword: Abgrund

Links: Abstieg, Aufstieg, Absturz, Ende, Fallen, Nigredo, Schwarz, Tiefe, Tod

Definition: Abgrund ahd. „abgrunt" = „schauerliche Tiefe", auch im Sinne von „unermesslich tief". Gefährliche Tiefe; unergründlicher Bereich; Untergang, Verderben; unüberbrückbare Kluft, Gegensatz.

Information: Herakles muss neun Tage in den Hades absteigen. Dabei ist sein Abstieg so grauenvoll, dass er ihn nur mit Hilfe seines Vaters Zeus bewältigen kann.

Im Alten Testament ist der Abgrund der Aufenthaltsort der Toten (Hiob 26, 6), im Neuen Testament ist es das Gefängnis des Teufels und der abtrünnigen Geister (Off 9, 1-11).

In einem Inuitomärchen wird geschildert, wie die Erde von einem gewaltigen Abgrund umgeben ist ("Misana, der zum Land der Perlen verschlagen wird", Beit, 1952, I, 43) Auch die nordamerikanischen Indianer kennen diesen Abgrund von furchtbarer Tiefe, der am Rande der Welt gähnt und dort das Unbekannte von der Erde scheidet. Wer dort in die Tiefe gerissen wird, fällt in den Abgrund ewiger Dunkelheit bzw. geistiger Umnachtung.

In der Tiefe des Abgrunds wohnt auch die "Große Mutter" (Mutter, Große). Auf dem Weg dorthin muss der Held (Heros-Prinzip) nicht nur ein rastlos sich drehendes Rad, schlüpfrig wie Eis, sondern auch noch die Brücke überqueren, deren Breite nicht größer ist als eines Messers Schneide.

Phaethon stürzt vom Himmel bei dem Versuch, den Sonnengott zu ersetzen. Auch im Märchen "Marienkind" wird die Heldin vom Himmel hinabgestürzt oder im Märchen "Im verbotenen Gemach" wegen Nichtbeachtung wichtiger Regeln durch den kalten Wind in den Abgrund geworfen.

Im Film „Abyss" (1989) geraten Taucher in einen Tiefseeabgrund und kommen dort mit einer ozeanisch-paradiesischen Anderswelt in Kontakt.

Interpretation: Der Volksmund spricht von "am Abgrund stehen". Der Abgrund steht für die Unergründlichkeit der Tiefe wie auch für die Demütigung und Unterlegenheit. Wenn sich "Abgründe auftun", gilt es "Grund zu erfahren" und Anschluss an die innerste Tiefe zu finden. Oft ist der Abgrund die Folge einer psychischen Gegenbewegung zu der Überhebung, die fast immer in den Abgrund der Verzweiflung führt.

Mit einer großen ambivalenten Spannbreite umfasst der Abgrund die Tiefe der Wasser (gilt so als die Urquelle des Universums, Muttergöttin und Unterwelt. In der gnostischen Symbolik (Gnosis) steht er für Höchstes Sein und den Schöpfer der Äonen. So ist er Urgrund, der verschlingen kann, aber auch Ort des Neubeginns. Das göttliche, letzte, absolute Prinzip wird gelegentlich auch als der Ur- und Ungrund, die unergründliche Tiefe beschrieben.

Bei C. G. Jung erscheint das Symbol des Abgrundes in Verbindung mit der liebenden und zugleich schrecklichen Mutter und verkörpert die Tiefe und Unbekanntheit des Unbewussten.

Literatur: Standard, Campbell (1953)

Autor: Obleser, Horst

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