Falke

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Definition: Die Falken sind Greifvögel aus der Familie der Greifartigen (Falconidae). Sie sind weltweit verbreitet und umfasst bis zu sechzig Arten.

Information: Falken sind eher kleine bis mittelgroße Raubvögel, die wegen ihres langen Schwanzes und den spitzen Flügeln zu den schnellsten Greifvögeln zählen. Der Falke gehört nach den Auswertungen des kanadischen Verhaltensforschers Louis Lefebvre nach den Krähen zu den zweit-intelligentesten Vögeln. Charakteristisch sind: ihre unbefiederten und daher groß wirkenden, stets dunkelbraunen Augen; ihr hakig nach unten gebogener Oberschnabel, an dem sich auch im vorderen Teil eine Zacke gebildet hat, der als Falkenzahn bezeichnet wird (mit dem sie ihre Opfer in den Nacken beißen, bzw. in den Hinterschädel); die Befiederung des muskulösen Unterschenkels (die sog. Hosen) und die äußerlich nicht sichtbaren Oberschenkel, die eng am Körper anliegen; die drei verschiedenen Flugmöglichkeiten, den Segelflug, den Rüttelflug, in dem der Falke auf der Stelle steht, und den Senkflug, mit dem die Falken mit bis zu 270-350 km/h auf ihre Opfer herabstoßen. Die Falkenfeder ist ein biologisches Wunderwerk und besteht aus ineinander verhakten Ästchen; Falken fressen regelmäßig kleine Steinchen, die vermutlich durch eine verstärkte Reibung die Verdauung fördert.

Bis heute wird der Falke für die Beizjagd eingesetzt. Im Mittelalter war die Beizjagd in ganz Europa verbreitet und Ausdruck der edlen Gesinnung der Edelleute. Falkner waren hoch angesehene Bürger mit einem besonderen Rang: wenn ein reicher Grundherr einer Jagdveranstaltung mit Hilfe eines Falken einen besonderen Glanz zu geben wünschte, so musste er den Falkenmeister zur Teilnahme einladen und ihn gelten lassen wie jeden anderen Gast.

Interpretation: Eindrücklich beleuchtet die Novelle "Die drei Falken" von Werner Bergengruen die Zeit der mittelalterlichen Ständegesellschaft und gibt erste Hinweise auf die symbolische Bedeutung des Falken, als Ausdruck der edlen, großherzigen Sinnesart des ritterlichen Standes, für deren Tapferkeit, Stolz, Ritterlichkeit und für alles Große, sowie für die Tugendhaftigkeit des minnehaften Ritters. Immer galt der Falke im Mittelalter als eines der unterscheidenden Zeichen eines Ritters und deshalb fanden sich Falken auch auf deren Grabmalen wieder. Im Kampf unterlegene Ritter mussten Schwert und Falke immer dem Sieger abtreten.

Die Seele des Menschen, so Bergengruen, "stellt man sich gern unter dem Bilde eines Falken vor, als eines dem Himmel zuschießenden Geschöpfes voll ursprünglichen Adels." Auch der letzte Seelenflug in den Himmel wird in dieser Novelle mit einem Flug des Falken verglichen.

In den arabischen Ländern wird der Falke immer noch hoch verehrt und zur Beizjagd von Niederwild eingesetzt. Dies vielleicht auch noch im Wissen (neben der Bedeutung eines Falken als Statussymbol), dass schon im alten Ägypten der Falke (der Wanderfalke) immer als Königssymbol galt, da sein Anblick "die Vögel lähmt wie das Angesicht des Pharao dessen Feinde." Die auffallende Fleckenzeichnung unter Augen des Falken mit seiner braunen Pupille lassen diese optisch viel größer erscheinen, weshalb das "alles sehende Udschat-Auge" zum Symbol für weite Sicht und Unverletzlichkeit wurde und als Amulett bei den alten Ägyptern hoch geschätzt wurde.

Re, der Sonnengott, wird wohl wegen des hohen Fluges des Falken oft als Mensch mit einem Falkenkopf dargestellt, wobei die Sonne sowohl als sein Auge, aber auch als Re`s Leib verehrt wurde. Als Weltenlenker überquert Re als Sonnengott den Himmelsozean und wird begleitet von Seth und von seiner Tochter Maat, der Verkörperung der kosmischen Ordnung.

Viele Götter und Göttinnen aus der umfangreichen Götterwelt der alten Ägypter werden mit Attributen des Falken, dessen Flügel oder dessen Kopf, versehen. So wird z. B. Sokar, der im Ursprung der ägyptische Totengott war, bevor Osiris dazu wurde, als Falke oder als Mensch mit dem Kopf eines Falken dargestellt. Oder Chum, der Gott der Nilquellen, der auch als Schöpfergott von den Menschen und Göttern galt, wurde als Falke dargestellt.

Weitaus häufiger, bekannter, differenzierter und auch zeitlich viel länger verehrt, als viele andere ägyptische Götter, nämlich runde 3000 Jahre lang, ist der Himmelsgott Horus als Mensch mit Falkenkopf dargestellt. Horus bedeutet "der Ferne" und bezieht sich in seiner Falkengestellt wohl auf die Ferne, Kraft, Schönheit und Höhe des Falkenfluges.

Die Horus-Mythologie wurde im Lauf der Zeit immer weiter ausgestaltet und trägt dabei eindeutig geschichtliche und gesellschaftspolitische Bezüge. Horus umgeben schon zu Beginn seiner Geburt alle Gefahren eines göttlichen Kindes, wodurch er dem Archetyp des göttlichen Kindes entspricht. Er wird geboren durch seine Mutter Isis. Nur zum Zwecke der Befruchtung, die selbst bedroht ist, wird der von Seth verstümmelte Vater Osiris nochmals von seinem Tode auferweckt und die Mutter empfängt ihr Kind ebenfalls in Vogelgestalt. Als Sperberweibchen weht sie dem Toten den Lebensatem mit ihren Schwingen zu und stimuliert damit den Penis von Osiris, empfängt dessen Sperma und wird dadurch befruchtet.

Isis lässt Horus an einem verborgenen Ort groß ziehen und damit ist Horus auch ein "Harpokrates", ein Urbild der Schutzbedürftigen, der Kinder und Kranken.

Held wird der erwachsene Horus als Krieger und Jäger – er nimmt den Kampf mit seinem Onkel und Mörder seines Vaters Seth auf und beansprucht den gesamtägyptischen Königsthron. Als Sieger, der den Onkel u. a. in einem Nilpferde-Kampf und vor dem Gericht der Götter bezwingt, wird er zum Urbild der Idee des pietätvollen Sohnes, der für den Vater eintritt, indem er dessen Totenkult besorgt. So galt beim Totenkult der Pharaonen immer der Tote als Osiris, der neue Pharao als Horus (und Seth bekam die Schuld an diesem Tode zugeschoben, wobei diese Schuld durch Sühneopfer abgetragen wurden).

Diese Eigenschaften des Horus – göttliches Kind zu sein und ein siegreicher Held zu werden – stellen die ideologische Fundierung des ägyptischen Königshauses dar. Horus erscheint als der ideale Herrscher, umgekehrt wird der jeweilige Pharao ein inkorporierter Horus und führt den Horusnamen als Titel und wird "Horus im Palast" genannt.

In den Grabkammern wird der Name des Pharao in einem Namensschild eingelassen, das ein Horusfalke trägt.

Interessant ist bei dieser Geschichte, dass das duale Weltbild der Ägypter nicht nur in den verschiedenen äußeren Repräsentanten von Gut und Böse ausgedrückt wird, sondern auch in dem Horus-Falken-Symbol selbst. Der Horus-Falke hat zwei Augen, das linke Mond- und das rechte Sonnenauge. Die polare Weltordnung ist damit nicht nur außerhalb des Menschen ausgedrückt, sie ist Teil der Menschen in sich. Auch in ihm gibt es polares, gibt es eine linke und eine rechte Seite, wobei bei den Ägyptern die linke Seite die Todesseite war, die rechte die Lebensseite. Der Lebenshauch tritt durch die rechte Ohr ein und der Todeshauch verlässt den Körper durch das linke Ohr.

In einem der vielen Kämpfe mit Seth um die Königswürde verliert Horus sein linkes Mondauge, das der Gott Thot wiederherstellte. Dieses Geschehen steht für die Überwindung des Todes und die Wiedergeburt alles Untergegangenen. Auch in der seelischen Entwicklung des Menschen bedeutet dies Bild, dass jeder Verlust eine neue Möglichkeit "der Sicht" ermöglicht.

Bedeutungsvoll ist bei diesem Mythos, dass das Böse nicht vernichtet wird, ausgelöscht. Er kann überwunden werden, wobei der Sonnengott Re bis zu seinem Ende Seth immer wohl gesonnen bleibt und ihn – auch nach seiner endgültigen Niederlage – zu seinem Begleiter auf seiner Himmelreise macht. Seths Stimme werde als Donner vom Firmament herabrollen. Wichtig war für Horus in allen Kämpfen die Begleitung durch Isis, ohne deren Hilfe er niemals den Sieg über Seth hätte erringen können. Ohne die Hilfe seiner Anima hätte der Held keinen Erfolg gehabt!)

Das Böse muss also als Böse erkannt und im Kampfe bezwungen werden, gleichzeitig wird es immer neben dem ganz Lichten existieren, wird das Lichte quasi als Schatten auf dessen Lebensreise begleiten und kann nie völlig vernichtet werden. (Obgleich die Kultspiele im Horus-Tempel in Edfu auch die physische Vernichtung Seths mit großer Anschaulichkeit darstellten).

Der Falke erscheint in der Mythologie immer eher als göttlich und allem Diabolischem feindlich. Dabei unterscheidet er sich deutlich von Symbol des Adlers, das eher beide seelische Dimensionen beinhaltet.

Auch die ägyptische Seele, der Ba-Vogel, wird als Falke mit Menschenkopf dargestellt. Er kann beim Tode aus dem Körper fliegen und folgt tagsüber dem Lauf der Sonne und vereint sich nachts wieder mit dem Körper des Toden.

In Afrika erzählen die Ntomba in Zaire den Mythos von Mokele, der aus einem Ei geschlüpft war und sich mit einem Boot aufmachte, den Sonnen-Falken zu fangen, damit die Welt hell würde.

Die Mongo in Zentral-Zaire erzählen einen Mythos, in der ein Gott (Lianja), als ihm berichtet wird, dass die Erde zu dunkel sei, um auf ihr leben und arbeiten zu können, eine Versammlung für alle Lebewesen der Welt einberuft. Alle Lebewesen wollen kein Licht, die Fische nicht, die Tiere des dunklen Waldes nicht, die Fledermäuse und Eulen in ihren Höhlen nicht. Nur die Vögel und Insekten lieben das Licht und deren Anführer, ein Falke, mit Namen Nkombe, bietet sich an die Sonne, Jefa genannt, zu suchen.

Er fliegt in den Himmel und der Himmelsgott Yemekonji bietet ihm drei Pakete zum Aussuchen an. Nur in einem sei die Sonne versteckt. Zwei Pakete sind ganz bunt, eines ist ganz grau. Eine Fliege, die den Falken begleitet hat, rät ihm das graue Paket zu wählen. Sie sagt: "Ich bin Lontsingo, die Fliege, die hören kann, was sich Leute im Geheimen überlegen."

Nkombe fliegt mit dem grauen Packet auf die Erde und aus dem Paket steigt beim Auswickeln die Sonne auf. Alle Vögel, Insekten und Menschen jubeln über die Geburt des Lichtes. Nkombe steigt in den Sonnenhimmel auf und singt: "Ich bin Nkombe, der die leblosen Dörfer verändert hat."

Insofern ist der Falke immer auch ein Lichtbringer, einer der das Licht ins Dunkel bringt und damit Entwicklung anstößt, ja erst ermöglicht. Überhaupt nimmt der Vogel in afrikanischen Schöpfungsmythen eine hervorragende Stellung ein."Die Vorstellung von einem Vogel, der den Kosmos, die Erde und das Menschengeschlecht gebar, ist vielen Stammesreligionen gemeinsam." (Buffie Johnson, Die Große Mutter in ihren Tieren, Walter-Verlag 1990, S. 47)

Auch in der indischen Mythologie erhält Indra, die ranghöchste Gottheit, den Lebens- und Opfertrank – Soma – von einem Falken oder Adler. Oft tötet er die feindlichen Dämonen in Gestalt eines Falken und bringt den Menschen die Götterspeise.

In der Rig-Veda wird die Sonne häufig mit einem kreisenden Falken verglichen.

Der Falke, der auch Freiheit, Kraft und Schnelligkeit verkörpert, war in der germanischen Mythologie ein Vogel der Krieger. Odin erkundete die Welt als Falke, der trickreiche Locki verwandelte sich wiederholt in diesen schnellen Vogel (einmal um die Äpfel der Götter, die diese einzig stärkten, wieder von Jötunheim zurück zu holen, wo ein Reifriese wohnte, der die Äpfel mitsamt der Göttin Iduna stahl), und auch Freya, die schöne Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks und der Liebe, besitzt ein Falkengewand, mit dem sie wie ein Falke fliegen kann und das sie eben Loki immer wieder auslieh.

Wie alle Vögel ist auch der Falke, insbesondere in der keltischen Mythologie, ein Übermittler zwischen dieser Welt und der jenseitigen Welt, der Anderswelt. In einer der vielen irischen Sagen, in der Mael Duin den Tod seines Vaters rächen will und er in einem Schiff nach Anderswelt reist, weist der Falke ihm erst den sicheren Weg zurück nach Irland.

Immer umkreist der Falke das Schicksal der Menschen und weist darin sichere Wege.

Diese wegweisende Funktion des Falken kommt auch gut in einem Gedicht von Rilke zum Ausdruck:

"Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

die sich über die Dinge ziehn.

Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm

Und ich kreise jahrtausendelang;

Und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm

Oder ein großer Gesang."

Auch bei den Atzteken war der Falke ein Götterbote. Er gilt auch als Ahnherr und Schutzgeist der Inka.

In China kam die jedem Symbol innewohnende doppelte, ambivalente Bedeutung des Falkensymbols zum Ausdruck: dort war der Falke einerseits ein Symbol des Sonnenhaften mit all den genannten positiven Eigenschaften, andererseits versinnbildlichte er auch die zerstörerischen Kräfte des Krieges.

Eine verdeutlichende Verknüpfung von Oben und Unten sind die meist von Göttinnen auf Stangen getragenen Verbindung Vögel.

Die Stange ist dabei wie der Baum eine ordnende Weltachse und deutet auf den Polarstern im Weltall. Schamanen mussten oft nur auf Bäume klettern, um zu der Welt der Geister zu gelangen, die ihm dann sagen konnten, wie jemand geheilt werden konnte.

Im griechischen Mythenkreis fand man besonders in der Verehrung der Baumgöttin Artemis Falkensymbole. So trägt eine Artemispriesterin auf ihrem Kopf einen Stab, den ein Falke krönt. Amulette mit dem Sonnenfalken, dem Vogel auf der Stange, wurden in großer Zahl in den Schreinen der Artemis gefunden.

Die Tochter des griechischen Sonnengottes Helios, Kirke, wird für einen Falken gehalten, bedeutet Kirke doch Falke. Hier wird der Falke auch in einer negativen Ausprägung ausgedrückt: er kann becircen, verhexen, kann bewirken, dass jemand seine Würde durch einen verführerischen Zauber vergessen kann. Dabei erinnert er an die leichte Zerbrechlichkeit der menschlichen Würde, sobald sie mit Süchten und Sehnsüchten gekoppelt wird.

Nach Homer war der Falke der schnelle Bote Appollons. Er weist auch darauf hin, dass der Falke nach seinem Tode Fähigkeiten zur Prophetie hat - manchmal wurden deshalb auch Falkenherzen verspeist, damit man diese Begabung erlangte – er wehklagt über einen Leichnam und scharrt Unbegrabene ein, lebt 700 Jahre und besitzt sehr viel Heilkräfte.

Damit zeigt der Falke ähnliche Wesensmerkmale, wie edle Menschen. Die mitfühlenden und heilenden menschlichen Kräfte werden auf den Falken projiziert.

Zusammengefasst steht der Falke für das Sonnenhafte. Die Sonne oder der mythische Sonnenheld symbolisiert die Libido, die treibende Kraft der menschlichen Seele, den Drang nach Bewusstsein.

Weiter steht der Falke für das Majestätische, für die edle Seele, die aufsteigt und nach Höherem strebt und sich im Mitgefühl mit allen Lebewesen verwirklicht. Sie siegt auch über das Böse und den Tod, ohne den Tod oder das Böse auslöschen zu müssen, und ist Teil des großen Werde und Vergehens, des ewigen Wandlungsgeschehens in unserer Existenz.

Damit verkörpert der Falke Freiheit und Hoffnung für alle, die in innerer oder äußerer Knechtschaft leben.

Wie der Adler konnte der Vogel immer auch die Sonne anblicken und wurde dadurch ein Attribut aller Sonnengötter, die häufig mit einem Falken oder falkenköpfig dargestellt sind.

Literatur: Standard

Autor: Dauner, Bernd

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