Sonne

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Keyword: Sonne

Links: Auge, Bewusstsein, Feuer, Gottesbild, Heros-Prinzip, Libido, Licht, Logos-Prinzip, Mond

Definition: Die Sonne ist der Mittelpunkt unseres Planetensystems.

Information: Keine

Interpretation: Unter den symboltragenden „Wandlern“ (gr. planao = herumschweifen), ist sie der einzige aus sich selbst strahlende Stern. So offenbart sie das uranfängliche göttliche Licht, bringt mit seinen Strahlen die Schöpfung hervor und wirkt als göttlicher Funke in allem Geschaffenen. Für viele Völker ist die Sonne Symbol Gottes als höchster kosmischer Macht und der Wiedergeburt, da sie sich jeden Morgen neu erhebt und zur Nacht das Totenreich durchfährt. Ihr Licht macht sichtbar, darum steht sie für Bewusstheit, Weisheit, Wahrheit und Gerechtigkeit.

Sie ist das Auge oder „Gesicht“ des Zeus, Odin, Varuna, Allah. Auge und Gesicht sind solare Entsprechungen des Menschen; sein Blick, sein Sehen, Erkennen, wahr-Nehmen, Ausstrahlen, seine natürliche Spontaneität verdankt er der Wirksamkeit des solaren Prinzips. Sonne ist Yang, Wärme, Weitung, Trockenheit.

Obwohl im Deutschen und vielen anderen Sprachräumen (z. B. Japan) weiblich („die“ Sonne, im mhd. auch mit mask. Artikel), und in der Geschichte der Vorzeit häufig mit weiblichen Gottheiten assoziiert (Inanna, Kybele mit Löwen), ist solare Strahlkraft seit der Antike vorstellungsmäßig vor allem verbunden mit dem Prinzip des Männlichen, mit dem siegreichen Sonnenhelden. Wenn Sol (gr. Helios) im von weissen (Licht-)Rossen gezogenen, goldgleißenden Wagen über den Himmel jagend die Finsternis durchdringt und vertreibt, stellen sich heroische Gefühle und Bilder ein, Bilder von ausgreifender Selbstmächtigkeit. Sonne und Himmel stehen für aktive, geistige Autonomie und Zukunft verheißende Strahlkraft. Sonne psychologisch meint solare Wesensmitte, Quelle der seel. Erneuerung und Kreativität.

Weil Taglicht Unterscheidung ermöglicht, ist Sonne auch das Symbol des objektivierenden Bewusstseins und des autonomen Ich. Grundsätzlich ist sie ein Symbol der Libido in ihrer herausführenden und Spontaneität fördernden Funktion. In ihrer transzendenten Dimension (entspricht psychologisch der „transzendenten Funktion“) eröffnet sie neue Lebensmöglichkeiten und transpersonale Bewusstseinsräume. Damit führt sie in die philosoph. Symbolik der Offenheit. In Platons Höhlengleichnis (Politeia, Buch VII) ist die S: Bild der höchsten Idee, der Idee der Ideen, woran sich das Selbst bei C. G. Jung anschließen läßt. Von daher tritt auch die Frage nach „männlicher“ oder „weiblicher“ Symbolik der Sonne zurück.

Die Sonne versinnbildlicht das schöpferische Zentrum im Menschen, das sich aus einem transpersonalen, geistig schöpferischen Zentrum speist, symbolisch häufig als „Vater“ gesehen, aber auch als „Kind“, das nach Jung „Anfangs- und Endwesen“ zugleich ist. Auch im Tarotspiel entspricht der Sonne das Kind (oder spielende Kinder); sie ist der „spielende Logos“ (Gregor. v. Nazianz). Sonnengottheiten i. d. Mythologie: Schamasch, Aton Re, Horus-Harachte, Apollo, Helios, Phaidon. In Ägypten steht Chepri für die aufgehende Sonne, Re für die Tagessonne, Amun für die untergehende Abendsonne (Clarus).

Das Bild der Sonne ist Repräsentant des „sol invictus“ (= unbesiegbare Sonne); im Christentums ist sie das Bild des Christus, des Logos, die schöpferische Einheit von Vater, Sohn und Geist, welche aus der Befangenheit in den engen Grenzen der Materie erlöst, herausführt in eine weiträumigere Bewusstseinsdimension. Überall, wo in der Mythologie Ungeheuer überwunden werden, ist der Überwinder ein Exponent des archetypisch Solaren (Marduk / Tiamat; Herakles / Hydra; Michael / Drache usw.) Auch weltliche Herrscher treten gern in der Glorie der Sonne auf, sehen sich als solare Überwinder des Bösen und Heilsbringer. Ikonographisch weist eine goldene (= solare) Aura auf eine erleuchtete Zugehörigkeit zu einer anderen Bewusstseinsstufe. Wo Sonne und Mond Götter- oder Herrscherbilder flankieren, bilden die beiden „Großen Lichter“ die komplexe Ganzheit des Kosmos. In der Alchemie ist die materielle Repräsentanz der Sonne in ihrer unveredelten Form Schwefel, in ihrer höchsten (= absoluten) Form Gold, welches Lauterkeit und Weisheit bedeutet. Sonnentiere sind Löwe, Adler, Hirsch, weißer Stier. Der Sonne ist, ebenso wie Christus, die Zahl 8 (888 in der Gnosis) zugeordnet (nach J. Gebser symb. Spektrum des „Acht-habens“, Achtsamkeit, der geistigen Wachheit).

Das Zeichen für Sonne ist ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte: der Kreis entspricht der Erweiterung, dem Absoluten, die Punktmitte der unversieglichen schöpferischen Quelle, psych. dem (re)organisierenden Wesenskern (vgl. Mandala). Astrologisch vertritt das Sonnensymbol das integrale und schöpferische Zentrum des Individuums; Bewusstheit, Wille, Handlungsfähigkeit, Selbstausdruck, freies, vitales Selbstsein, Spontaneität.

Im Alltagsleben begegnet man diesem Bedürfnis nach Geltung und vitaler „Ausstrahlung“ (der Solarien nachhelfen können), in der zentralen Bedeutung des Geldes (= Gold; das „Goldene Kalb“ ist einen altes Sonnensymbol). Im „Sonnenanbeter“ zeigt sich der Wunsch nach energetischer Aufladung. Im Hunger nach Glanz spiegelt sich ein archetypischer Drang, der Sonne des Geistes und des göttlichen Spiels Raum zu geben, dem Wissen um eine immaterielle, freudevolle Nährquelle, welche durch die Kreativität des Menschen sich ausdrücken will. Sonne ist, wo sie nicht versengende Glut ausstrahlt, eines der positivsten Energiesymbole in Träumen und Imaginationen.

Literatur: Standard

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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