Christus

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Definition: Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet "der Gesalbte". Das ist die Übersetzung aus dem Hebräischen für "Messias". Im christlichen Sprachgebrauch ist Jesus Christus üblich, wörtlich: Jesus ist der Gesalbte. Juden verstehen unter Messias den bis heute erwarteten Retter, Erlöser und König.

Information: Mit heiligem Öl gesalbt wurde der König bei seiner Inthronisation. Christen glauben, Jesus sei der Christus, aus Gott stammend und aus Liebe zu den Menschen Mensch geworden, am Kreuz gestorben, um die Menschen zu erlösen, von Gott auferweckt, aufgefahren zum Himmel und sitzend zur Rechten Gottes, er werde am Ende der Tage wiederkommen, um sein Reich aufzurichten. Seinen Jüngerinnen und Jüngern sendet er den Heiligen Geist.

Hauptquelle des Glaubens an Christus ist das Neue Testament, darin insbesondere die vier Evangelien und die Briefe, die dem Apostel Paulus zugeschrieben werden. Die christlichen Konzilien haben diesen christlichen Kanon zusammengestellt und ihn dem jüdischen Kanon, der Altes Testament genannt wurde, hinzugefügt. Auf den frühchristlichen Konzilien, insbesondere dem von Nizäa 325 n. Chr., wurde das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis formuliert, das bis heute für alle Christen verbindlich ist. Es nennt Jesus Christus "wahrer Mensch und wahrer Gott", Sohn Gottes.

Interpretation: Christus wird verstanden als zweite Person der Trinität – Gott der Schöpfer, der Sohn und der Heilige Geist. Verschiedene Titel würdigen seine Bedeutung: Gottessohn, Mariensohn, Neuer Adam, Erstgeborener unter den Toten, Gekreuzigter, Auferstandener, Lamm Gottes, Herr, Heiland, Bruder, Freund, Bräutigam, Licht der Welt, Brot des Lebens, Wahrer Weinstock.

Die Symbole für Christus sind vielfältig. Am bekanntesten das Kreuz: Gleichschenkelig als kosmisches Kreuz, mit überlängter Vertikale das sogenannte lateinische Kreuz, in der Ostkirche mit zwei Querbalken, von denen das schräge Kreuz den Gekreuzigten darstellt. Verbreitet ist in Westeuropa das Kreuz mit dem Leib des Gekreuzigten, das Kruzifixus, das Kreuz mit einer Sonnenaureole als Zeichen der Auferstehung und das Kreuz mit Weinranken als Symbol für den Lebensbaum. In Darstellungen mit dem Kreuz verbunden sind auch vielfach die Evangelistensymbole: Matthäus, der Engel, für die Menschwerdung, Markus, der Löwe, für die Auferstehung, Lukas, der Stier, für den Opfertod und Johannes, der Adler für die Himmelfahrt. Sie zusammen umgeben das Kreuz als den Lebensbaum, der von den Keruben bewacht wird. Dieses Symbol verweist auch auf die Himmelsrichtungen und damit auf die kosmische Bedeutung.

Weit verbreitet und verehrt sind in der Ostkirche Ikonen, die Christus oder seine Auferstehung zeigen, sowie Mosaiken in der Apsis der Kirchen, die ihn als Pantokrator zeigen, als Herrn der ganzen Welt. Zahlreich sind die Christusgemälde, Skulpturen und symbolischen Darstellungen in der europäischen Tradition, die aber im Unterschied zur Ostkirche keine religiöse Verehrung genießen. Ein frühchristliches Symbol ist der Fisch. Verbreitet auch das Lamm, oft verbunden mit einer Siegesfahne. Ein bekanntes Christusmonogramm verbindet die griechischen Anfangsbuchstaben für Christus.

Religionsgeschichtlich ist die Christusgestalt als Sonne verwandt mit Sonnengöttern wie dem ägyptischen Re und dem griechischen Apoll. Als sterbender und wiederauferstehender Gott verwandt mit altorientalischen Vegetationsgottheiten wie Tammuz und Adonis sowie dem kleinasiatisch-griechischen Dionysus, als inkarnierte Gottheit und Heilbringer mit dem indischen Krishna und dem persischen Mithras.

Der historische Jesus wird verglichen mit Buddha, Laotse, Zarathustra, Mohammed.

Christ wird man durch die Taufe. Damit wird man nicht nur Mitglied einer Kirche, sondern bekommt Anteil am Erlösungstod Christi und an der Auferstehung, wird Bürger des kommenden Gottesreiches. Trotz der Aufspaltung in Konfessionen verbindet dies die Christen auf aller Welt. Verschiedener Ansicht sind sie über das zweite wichtige Sakrament, das Abendmahl oder die Eucharistie, zu dem sich die Gemeinden versammeln, um in einem symbolischen Mahl die Gemeinschaft mit Christus zu erneuern und zu stärken. Die christliche Gemeinde ist der Leib des zum Himmel aufgefahrenen Christus, während er selbst das Haupt ist. Ferner unterscheidet die Konfessionen die Auffassung von Priesteramt. In der römisch-katholischen und in der orthodoxen Konfession stehen die Priester in der Nachfolge der zwölf Apostel und – so die katholische Tradition – ist der Papst Stellvertreter Christi auf Erden. Die Konfessionen der Reformation vertreten dagegen die Auffassung vom Priesteramt aller Gläubigen. Allen Christen gemeinsam sind regelmäßige Zusammenkünfte, in denen gebetet, gesungen, gelehrt und die Gegenwart des lebendigen Christus gefeiert wird.

Das Christentum zählt zu den Buchreligionen wie Judentum und Islam. Bei den Juden, die Christus nicht anerkennen, gilt Jesus als ein Rabbi, der eine Radikalisierung des Glaubens anstrebte. Im Islam wird Jesus verehrt als der letzte Prophet vor Mohammed. Die vom Christentum geprägte Welt hat eine Zeitrechnung, die beim Jahr 0, der Geburt Jesu, beginnt und von da aus vorwärts oder rückwärts datiert.

In den letzten Jahrhunderten, insbesondere seit der Aufklärung, hat sich das Interesse von Christus auf den historischen Jesus verlagert. Die Verehrung Christi als Erlöser, als Weltenrichter, als Gottgleicher wurde abgelöst von der Erforschung dessen, was sich über die historische Gestalt Jesu und seine Umwelt herausfinden ließ. Die Zahl der Bücher, die sich diesem Thema widmen – oft auch in Auseinandersetzung mit der kirchlichen Tradition – ist unüberschaubar. Dazu kamen zahlreiche Jesusfilme und selbst ein Musical. Auch Nichtchristen schätzen Jesus von Nazareth als einen Menschen, der beispielhaft Liebe und Menschlichkeit vorgelebt hat. Die Gestalt Jesu wurde von Generation zu Generation neu als Beispiel und Anreger für die Friedensbewegung, für Befreiungsbewegungen, für soziale Reformen und für die Frauenbefreiung gedeutet. Über dem anhaltenden Interesse an dem Menschen Jesus ist die Frage, was mit Christus gemeint sei, in den Hintergrund getreten. Christus als eigenes Thema wird kaum noch wahrgenommen. Selbst die Kirchen haben Mühe, jenseits der dogmatischen Formeln eine Sprache dafür zu finden.

Opfer, Schuld, Vergebung. Viele Menschen der Gegenwart vermögen nicht nachzuvollziehen, dass Jesus Christus stellvertretend für die Menschen den Kreuzestod gelitten habe, um sie von Schuld zu erlösen. Sie lehnen ein Gottesbild ab, wonach Gott, der Vater, seinen einzigen Sohn opferte, um sich mit der sündigen Menschheit zu versöhnen. Psychologisch zutreffend bleibt aber wohl, dass der Mensch sich vielfach als unzureichend, als Versager und schuldig fühlt gegenüber einem Anspruch, den er in sich spürt. Er schämt sich und ist meistens sein eigener schärfster Ankläger und Richter. In mythischer Sprache ist Satan der Ankläger, Christus der Fürsprecher und Verteidiger des Menschen und beim jüngsten Gericht selbst der Richter. Jesus Christus ist demnach Symbolgestalt für die liebende Annahme des Menschen trotz seiner Mängel.

Der kosmische Christus. Danach gilt er als Urlicht der Schöpfung wie die Sophia, als Logos, als präexistent in Gott. Aus Liebe zu den Menschen ist er selbst Mensch geworden und hat aus Treue zu ihnen sogar einen schmählichen Tod auf sich genommen, um zurückzukehren in die himmlische Lichtfülle. Alle Menschen ohne Ansehen von Geschlecht, Rasse oder Volk haben durch ihn die Bestätigung der Liebe des Schöpfers und die Zusage, nach ihrem eigenen Tod Zugang zu bekommen zum göttlichen Reich der Seligkeit.

Neuer Impuls in der Menschheitsgeschichte. Mit der Konstellation des Christusglaubens ist ein neuer Entwicklungsimpuls in das menschliche Bewusstein gekommen. Die Vorstellung von der Inkarnation enthält eine Bestätigung des Menschen im Kontext der Schöpfung und eine Ermutigung, die menschliche Existenz mit allen ihren Herausforderungen anzunehmen und dabei Selbstannahme und Liebe zum Mitmenschen zu üben. Leiden ist kein Argument gegen den Sinn des Daseins. Es wird überstrahlt von Gnade, Liebe und kommendem Heil.

Überwindung des Bösen. Christus hat in der Gestalt Jesu nicht nur beispielhaft Menschlichkeit vorgelebt, er hat in seiner Auferstehung vor allem die finsteren Mächte, die Menschen im göttlichen Bereich fürchten, überwunden. Bei Gott gibt es keinen Widersacher des Menschen, sondern nur Liebe zu ihm. Der ganzen Menschheit ist Erlösung zugesagt.

Das Selbst. C. G. Jung hat eine dem Ich weit überlegene, integrierende und heilende Instanz in jedem Einzelnen beobachtet und nannte das Selbst auch den größeren Menschen, den Archetyp Gottes im Menschen, seine Gottebenbildlichkeit. Was mit Christus gemeint ist, lässt sich nach C. G. Jung besonders gut deuten. Er ist danach keine Person wie Jesus, sondern eine strukturierende Energie außerhalb von Raum und Zeit, die aber in der Psyche jedes Einzelnen wirkt, um zur Ganzheit zu leiten. Als biblische Beispielerzählung kann die Taufe Jesu genannt werden, eine Berufung, die den Menschen Jesus zunehmend in das Feld der Christusenergie hineinzog.

Visionäre Gestalt. Wie schon die Auferstehungsberichte der Evangelien nahelegen, wird Christus in Visionen erfahren - als Lichtgestalt, die Segen, Liebe, Heilung und Freude vermittelt, aber auch Abkehr vom bisherigen Lebensweg fordert. Davon erzählt die Geschichte von Saulus vor Damaskus. Von diesen biblischen Erzählungen abgesehen haben in der christlichen Geschichte seither unzählige Frauen und Männer von der Vision des Christus als einer Lichtgestalt erzählt. Diese Vision hat einerseits ihre Ängste, die Dämonen, vertrieben, ihnen andererseits die Energie vermittelt, ohne Angst vor dem eigenen Tod für andere Menschen einzustehen, sie zu heilen, zu beschützen, ihnen in Liebe zu dienen. Mystische Erfahrung ist demnach die Quelle und Keimzelle des Christusglaubens, sie stand und steht allerdings oft im Konflikt mit hierarchischen religiösen Instanzen.

4. In den letzten Jahrzehnten haben Berichte von Nahtoderfahrungen Aufmerksamkeit erregt. Menschen, die solche Erfahrungen, ob während einer Krankheit, während eines Unfalls oder als klinisch Tote hatten, erzählen unter anderem, dass sie schließlich einem Lichtwesen gegenüberstanden, mit dem Verständigung ohne Worte möglich war. Es strahlte umfassende Liebe aus. Je nach kulturell-religiösem Hintergrund wird dieses Lichtwesen auch Engel, Buddha, Mohammed oder Christus genannt. Bei den meisten, die eine solche Nahtoderfahrung hatten, hat sie eine nachhaltig wandelnde, heilende Kraft. Sie fürchten ihren Tod nicht mehr, sondern nehmen ihr Leben als eine Aufgabe an, die aber enden und sie zu dem Lichtwesen zurückführen wird, bei dem sie sich angenommen und geliebt fühlen.

Literatur: Standard, Bibel, Wöller (2004)

Autor: Wöller, Hildegunde

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