Berg

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Berg

Links: Aufstieg, Abgrund, Abstieg, Fallen, Fliegen, Gottesbild, Logos-Prinzip, Oben, Progression, Regression, Turm

Definition: Ein Berg (mhd. berc, ahd. berg, eigtl. = der Hohe) ist eine größere Erhebung im Gelände, durch die relative Größe vom Hügel unterschieden.

Information: In der Regel ist ein Berg Teil eines Gebirges; einzeln aus einer Ebene aufragende Berge (Inselberge der Tropen, Vulkane) sind verhältnismäßig selten. Berge können durch Aufschüttung (Vulkane) entstehen, sind aber meist durch Abtragungsvorgänge aus höher gelegenen Teilen der Erdkruste herauspräpariert worden. B. galten in vielen Religionen als Sitz von Göttern oder Geistern. Die Sage spricht von Gestalten, die sich in der Tiefe von Bergen aufhalten (»verbergen«). Religiöse Gebäude ahmen oft Berge nach, so die altoriental. Zikkurat, die Stufenpyramiden der Maya und die buddhist. Stupas.

Interpretation: Oben auf den hohen Bergen wohnen die Götter. So ist der Himalaya in der hinduistischen Vorstellung der Sitz des Königs und Vaters der Götter, z. B. der Göttin Parvati, einer Erscheinungsform der Erdenmutter. Er ist auch der Wohnort Shivas, des Zerstörers und Erneuerers. Dort oben wird der heilige Fluss Ganges geboren, fängt sich in den Haaren Shivas und wird durch sie zur Erde geleitet. Zeus wurde der Sage nach auf dem Berg Lykaios geboren und wuchs auf dem Ida in Kreta auf. Später wählte er den als höchsten Berg der Welt geltenden Olymp zum Sitz der Götter. Manche Berge galten deshalb auch als heilig, so z. B. der Fudschijama in Japan – heute noch ein viel besuchter Pilgerberg. Sicher hat zu diesem göttlichen Attribut die Unzugänglichkeit, palastähnliche Erhabenheit und beeindruckende Gestalt der höchsten Berge der Welt erheblich beigetragen.

Der Berg bietet auch die Annäherung an den Himmel und die dort fantasierten Götter, man ist ihnen dort nah, er ist der Zugang zu ihnen. Gurus, Heilige, Eremiten ziehen sich dorthin zurück, um dem Erhabenen näher zu sein. Der Berg bildet auch eine Achse zwischen Erde und Himmel. Dies erinnert an den griechischen Titanen Atlas, der von den Göttern damit bestraft wurde, dass er den Himmel zu tragen hatte. Zuweilen tauchen Berge als Weltenzentrum auf. So findet sich z. B. in der persischen Mythologie im Zentrum der Erdscheibe der Berg Albordji, der mit der Spitze durch das Himmelszelt bricht und so den Einbruch des Lichts bewirkt. Um ihn herum bildet sich die Erde. In seiner Nähe kann man nur als reiner Mensch leben. Der Weltberg Meru ist das Zentrum des indischen Kosmos, um den sich Sonne, Mond und Sterne drehen. Auch Zauberwesen oder mythische Gestalten oder geheimnisvolle Tiere – z. B. Drachen – werden in den Bergen vermutet, sollen dort gesichtet worden sein, so z. B. der geheimnisvolle Schneemensch Yeti.

Über den Adams Peak in Sri Lanka gibt es die Sage, dass dort Adam lebte, nachdem er aus dem Paradies verwiesen worden war und seine Fußstapfen noch sichtbar seien. Der Arafat bei Mekka sei dann seine nächste Station gewesen, wo er auch Eva kennengelernt habe. Gleichzeitig gilt er als heiliger Berg Buddhas.

Berge sind auch oft Zuflucht. Noahs Arche landete nach der Sintflut in göttlicher Nähe auf dem Ararat. Oft finden sich auf Bergen einsame Klöster und Einsiedeleien, so z. B. auf dem Athos in Griechenland. Die Grotten von Calès – in den Fels gehauene 2000 Jahre alte Wohnanlagen – auf einem Berg in der Provence, waren Zuflucht für verschiedene religiöse Gruppen, die sich vor Verfolgung dorthin retteten.

Auch in unserer Region gibt es mythische Berge, die heute noch den Nimbus des Heiligen tragen, so z. B. den Ipf beim Nördlinger Ries und den Annenberg bei Braunschweig, der noch einen Opferaltar trägt. Ähnlich wie auf dem Brocken im Harz verkehrten dort die Geister der Ahnen.

Der Berg ist auch Ort von dämonischen Kräften, so bewohnt z. B. Ahriman, der Regent der Dämonen, den Berg Aherman nördlich von Iran – im Land des Bösen. Der Brocken gilt als Versammlungsort dämonischer Kräfte.

In dem neuzeitlichen aber an archetypische Muster stark angelehnten Epos "Der Herr der Ringe" ist der Berg der Wohnort Saurons, des bösen Weltvernichters.

Nicht zu vergessen ist, dass auch das Wasser von den Bergen kommt, also das elementare lebenssspendende Elixier – wie dies im oben erwähnten Ursprung des heiligen Flusses Ganges deutlich wird.

Den Berg zu besteigen ist eine Symbolhandlung der Suche nach geistiger und transpersonaler Erfahrung, insofern wir auf dem Berg dem Himmel, dem Licht der Sonne und damit den Göttern nahe sind.

In einer Oberstufenübung des Autogenen Trainings wird vorgeschlagen, sich eine Begegnung mit einem Eremiten auf dem Berg vorzustellen, der häufig Züge des Archetyps des Alten Weisen (Weise, alte; Weiser, alter) trägt. Darin drückt sich die archetypische Verbindung von Erleuchtung und Gipfel (peak-experience bei Maslow) aus.

Eine weitere Deutungsdimension im Zusammenhang mit dem Bergsteigen ist die sexuelle: die intensive Bewegung und das ansteigende orgasmische Erleben führen bis zum Höhepunkt, zum "Gipfel der Lust".

Das Motiv des Berges, der erstiegen werden soll, spricht auch unsere Anspruchs-, Leistungs- und Erfolgsthematik an. In der Karriereleiter "aufzusteigen", es eines Tages geschafft zu haben und ganz oben zu stehen, ist ein symbolisch "männliches" Lebensprojekt. Es steht für Ehrgeiz und Zielstrebigkeit, für Ausdauer und Beharrlichkeit, aber auch für Mühe, Anstrengung oder Überanstrengung. Immer ist da auch Gefahr, uns zu überfordern, unsere Möglichkeiten zu überschätzen und abzustürzen.

Das Gefälle von oben und unten berührt Themen wie Macht und Ohnmacht, Kraft und Schwäche, Dominanz und Unterwerfung, Weitblick und geistige Beschränktheit. Das Oben-Sein und der dadurch mögliche Rund- und Weitblick können somit auf geistige Freiheit, Objektivität, Erkenntnis und Weisheit hinweisen. Der Blick auf die Welt mit einigem Abstand lässt viele Dinge relativ werden. Aber wir können uns bei solcher Distanz auch vom Menschen und der Welt entfremden und vereinsamen.

Der Abstieg vom Berg wird oft als schwierig empfunden, denn in unserer leistungsorientierten Gesellschaft wird es nicht honoriert, "abzusteigen" oder "herunterzukommen". Dabei kann gerade das Loslassen von überhöhten Leistungs- und Idealvorstellungen zu einer großen Befreiung, zur Gelassenheit und Menschlichkeit führen.

Aufschlussreich sind auch Redewendungen zum Berg: "Das steht wie ein Riesen-Berg vor mir" deutet auf Mühsal hin; "Noch nicht über dem Berg sein" auf eine noch nicht überwundene Gefahr oder Krankheit; Wenn es "bergab geht" droht Not, Elend, aber auch Kränkung Leid.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge