Uhr

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Uhr

Links: Anfang, Ende, Fließen, Jahr, Kreis, Leben, Mandala, Nacht, Rad, Tag, Zeit, Zwölf

Definition: Das Wort Uhr (mhd. ure, (h)ore, aus lat. hora = Zeit, Jahreszeit; Tageszeit, Stunde, Uhr entlehnt, seinerseits Lehnwort von griech. hora Jahreszeit, Tageszeit, Stunde) hat die alte Bedeutung Stunde, die in Fügungen wie „es ist zwei Uhr“, „wie viel Uhr ist es“ bewahrt wurde. In neuerer Zeit hat das Substantiv die spezielle Bedeutung für das Gerät zum Messen von Zeit und Bewegungsabläufen entwickelt. Die Zeit bzw. deren Ablauf wird durch Zeiger auf einem Zifferblatt oder unmittelbar durch Ziffern angegeben.

Information: Die ältesten Formen der Uhren sind Sonnenuhren, Wasseruhren und Sanduhren, tragbare Uhren werden seit dem 16. Jh. gefertigt. Die neuesten Entwicklungen sind Uhren, die von Sonnenenergie gespeist werden und deren Ganggenaugikeit über Funk mit Atomuhren abgeglichen wird.

Die erste Taschenuhr im ausgehenden Mittelalter erfand der Nürnberger Handwerker Peter Henlein (1504). Wohlhabende Menschen mussten nicht mehr den Blick zum Himmel oder Kirchturm heben, um zu wissen, wie spät es ist. Die Geste des Auf-die-Uhr-Schauens wurde danach zunehmend zu einem Mittel der Kontrolle, der Kritik, der Macht und des Stresses, Zeit wurde immer mehr in Geld umgewandelt, es ging immer mehr um Zeit- und Gewinnoptimierung.

Interpretation: Symbolisch erinnert die Uhr an den Lauf und Rhythmus des Lebens, von Tag und Nacht, an die verrinnende Zeit (Lebensuhr), die knappe Zeit ("Es ist kurz vor Zwölf") oder die versäumte oder verlorene Zeit. Ihre runde Form und ihre Zeiteinteilung in zwölf Stunden verbindet sie mit der Symbolik des Mandalas und symbolisiert so die Ganzheit und Fülle des Lebens in seinem ständigen Fluss, seinem Auf und Ab zwischen den Polaritäten des Lebens.

Die stehen gebliebene Uhr gehört zu den klassischen Todessymbolen. Wenn die Uhren irgendwo anders gehen, so gelten dort andere Maßstäbe, ist das Leben anders geregelt. Wissen, was die Uhr geschlagen hat, bedeutet zu wissen, wie die Lage wirklich ist, die „innere Uhr“ eines Menschen steht für sein ziemlich genaues Zeitgefühl aber auch für ein Wissen um die notwendigen körperlichen Rhythmen, Befindlichkeiten und Energiezustände. Darüberhinaus ist die teure Markenuhr auch ein beliebtes Statussymbol. Positiv kann eine kostbare Uhr das Bewusstsein über den Wert und den Reichtum des Lebens symbolisieren, negativ, dass man seine Lebenszeit mit dem Erwerb äußerlicher, materieller Güter verbracht hat, seine kostbare Lebenszeit also gegen Geld und Gold eingetauscht hat und damit, gewissermaßen wie bei einem Pakt mit dem Teufel, seine Seele verkauft hat. In dem bekannten Gedicht "Die Uhr" von Johann Gabriel Seidl, vertont von Gottfried Loewe, werden wesentliche Aspekte der Uhr als einem Symbol der Ganzheit des Lebens zusammengefasst.

Ich trage, wo ich gehe,

Stets eine Uhr bei mir;

Wieviel es geschlagen habe,

Genau seh ich an ihr. Es ist ein großer Meister,

Der künstlich ihr Werk gefügt,

Wenngleich ihr Gang nicht immer

Dem törichten Wunsche genügt. Ich wollte, sie wäre rascher

Gegangen an manchem Tag;

Ich wollte, sie hätte manchmal

Verzögert den raschen Schlag. In meinen Leiden und Freuden,

In Sturm und in der Ruh,

Was immer geschah im Leben,

Sie pochte den Takt dazu. Sie schlug am Sarge des Vaters,

Sie schlug an des Freundes Bahr,

Sie schlug am Morgen der Liebe,

Sie schlug am Traualtar.

Sie schlug an der Wiege des Kindes,

Sie schlägt, will's Gott, noch oft,

Wenn bessere Tage kommen,

Wie meine Seele es hofft. Und ward sie auch einmal träger,

Und drohte zu stocken ihr Lauf,

So zog der Meister immer

Großmütig sie wieder auf. Doch stände sie einmal stille,

Dann wär's um sie geschehn,

Kein andrer, als der sie fügte,

Bringt die Zerstörte zum Gehn. Dann müßt ich zum Meister wandern,

Der wohnt am Ende wohl weit,

Wohl draußen, jenseits der Erde,

Wohl dort in der Ewigkeit!Dann gäb ich sie ihm zurücke

Mit dankbar kindlichem Flehn:

Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,

Sie blieb von selber stehn.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Lutz

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge