Tara

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Keyword: Tara

Links: Eros-Prinzip, Göttin, Gottesbild, Herz, Mutter, große Weiß

Definition: Tara, Tibetanisch- Sgro-ma, Sanskrit „tr“-hinübersetzen. Tara ist diejenige, die einen heil hinüberbringt über das Meer des Lebens, dem Strom der Existenzen, die zum anderen Ufer hinüberleitet und hinaufführt zu den Höhen des Geistes und hilft, die irdische Welt, das samsara, zu überwinden. Tara ist die, die rettet. Tara bedeutet auch Stern oder Sternbild, strahlende Klarheit. Sie ist eine weibliche Gottheit vom Rang eines Bodhisattva, der weiblich-göttliche Aspekt der Weisheit des Bodhisattva Avolakiteshvara, beliebteste Schutzgottheit Tibets, die Göttin des Beistands und des Mitgefühls und erscheint in 5 Grundformen, den Regenbogenfarben, die grüne, weisse, blaue, rote und gelbe Tara mit zahlreichen Varianten von 21 verschiedenen Regenbogentaras.

Information: Erst unter dem Einfluss des tibetanischen Lamaismus entwickelte sich die Zahl von 108 Aspekten der Tara. Mit einer Mala von 108 Perlen wird sie unter 108 Namen als Göttin verehrt. In ihrer nicht verkörperten Form ist sie eine esoterische, transzendente Erscheinung, in ihrer leiblichen Form eine schöne, reine, edle Göttin, Befreierin und Helferin. Ihre Wirkkraft geschieht auf 2 Ebenen, als Schutzhelferin und Erlöserin, aber auch als Erleuchtete, vollkommene Weisheit der Selbstbezwingung und Erlösung.

Tara ist über den Hinduismus vom Buddhismus übernommen worden. Die beiden Ehefrauen des tibetischen Königs Srong brtsan sgam po, der zum Buddhismus konvertierte, wurden als Inkarnationen der Tara verstanden, die chinesische Gattin, Wen Cheng, verkörperte die weiße Tara und die nepalesische Gattin aus dem Kathmandu Tal, die grüne Tara.

Tara wird verehrt in Tibet, Nepal, Indien, Ladakh, Sikkim, Bhutan, Indien, Indonesien und in der Mongolei, angerufen mit einem heiligen Mantra, OM TARE TUTARE TURE SHVA, als die große Befreierin von den 8 Arten der Angst und Untugend, die das Karma des Menschen bestimmen. Sie schützt vor den Löwen des Stolzes, den Elefanten der Verblendung, dem Feuer des Zorns, der Schlange der Eifersucht, dem Räuber der irrigen Ansichten, den Fesseln des Geizes, der Flut der Begierde, dem Gespenst des Zweifels. Bei ihr wird Zuflucht gesucht vor bösen Geistern und Dämonen, aber auch vor Seuchen und tödlichen Feinden.

Interpretation: Sie verkörpert die Hingabe in All-Liebe und ist als Mahatara, als Große Tara, die Schöpferin und Mutter aller Buddhas und Bodhisattvas der drei Zeiten (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), ikonographisch ausgedrückt durch die Frucht, die Blüte und die Knospe des blauen Lotos. Der voll erblühte Lotos symbolisiert ihre tägliche und der geschlossene Lotos ihre nächtliche Güte. Die Gesten der Hand sind schutz- und wunschgewährend oder lehrend. Sie ist die Prajna Paramita, die Weisheit der höchsten Erkenntnis, Repräsentantin der sechs Paramitas: Großzügigkeit, Geduld, Rechtschaffenheit, Willensanstrengung und Fleiß, Güte und Sanftmut, Weisheit.

Die weiße Tara ist die Göttin der Reinheit, sie bringt Frieden, Gesundheit, Glück und langes Leben. Sie ist die Schutzpatronin der Mongolei mit sieben alles schauenden Augen der Weisheit an Haupt, Handinnenflächen und Fußsohlen als Ausdruck der Wachsamkeit ihres Mitgefühls. Sie sitzt in der Meditationshaltung. Die weiße Tara Ushnisha Sitapatra ist in ihrer Darstellung auf den Tanghas oft von einer großen Flammenaureole umgeben, mit tausend Köpfen, Armen und Beinen. Alle Gesichter haben je drei Augen, auf ihrer Stirn ihren Händen und dem Körper befinden sich die barmherzigen Augen des Mitleids mit allen Wesen der drei Welten, Erde, Luft und Himmel. Die Augen gelten als Symbole des allumfassenden Schauens und verkörpern ihre unendliche Barmherzigkeit.

Die Legende ihrer Entstehung besagt, dass sie aus den vergossenen Tränen des Mitleids des allhelfenden Bodhisattva Avalokitesvara (Tschenresei in Tibet) über das Schicksal der leidenden Menschheit entstanden ist. Die Tränen hatten einen See gebildet, auf dem ein wunderschöner Lotus wuchs. Als sich die wunderbaren Blütenblätter entfalteten, saß in ihrer Mitte die Göttin Tara, das schönste und reinste Wesen, das je gesehen wurde. Sie wird die Begleiterin von Avalokitesvara, (als dessen menschliche Inkarnation der Dalai Lama gilt) um ihm bei seinem Erlösungswerk zu helfen, denn im Buddhismus ist die weibliche Energie die belebende Kraft, die Möglichkeit in Wirklichkeit verwandelt. Mit ihren vielen Augen schaut Tara barmherzig auf das Leid der Welt und erhört die Bitten der Hilfesuchenden. In einer anderen Variante der Legende sind 2 Taras aus den Tränen entstanden, die friedliche, mütterliche weiße Tara von seiner linken Seite und die kämpferische, aktive grüne Tara von seiner rechten Seite, zwei Aspekte der Personifikation des allumfassenden Mitgefühls.

Die grüne Tara unterscheidet sich in den Darstellungen durch die Stellung der Füße, ein Fuß ist nach vorn gestreckt, wie auf dem Sprung, um jederzeit einsatzbereit zu sein, aktiv zu helfen. In ihrer Hand hält sie die halb geschlossene Lotos Blume, manchmal auch eine blaue Wasserlilie. Sie ist dynamisch und kriegerisch, auch fähig weise mit dem Bösen umzugehen.

Der Name Tara ist auch außerhalb des Sanskrit urtümlicher Name für die Große Göttin, oft die Muttergöttin oder Fruchtbarkeitsgöttin, im keltischen Irland und auf den kanarischen Inseln als Siedlungsname heute noch aufzufinden. Die frühen Hindugöttinnen und die aus Indien und Nepal in den Buddhismus integrierten Göttinnen gehen auf die uralten Muttergöttinnen zurück. Tara verkörpert im Gegensatz zu Kali in den hinduistischen Schriften den liebenden Aspekt des weiblichen Prinzips. In der hinduistischen Mythologie ist Tara ein Sternbild. Sprachliche Verbindungen gibt es zu Terra, Mutter Erde, germanisch Os-Tara oder Asin- (Göttin)Tara. Die Muttergöttin der Druiden wurde Tara genannt.

In Finnland gibt es uralte Sagen von Tar, der weisen Frau. Erforscht wird der Zusammenhang der grünen Tara mit der schwarzen Madonna, denn Maria als die Erbarmende, Mitleid-Habende, gilt als Inkarnation der Sophia, als kosmische Königin, als Mitarbeiterin und Mitwirkerin Christi. Der heilige Paulus schreibt im Epheserbrief 3, 1 von der mannigfaltigen, polypoikilos Weisheit Gottes, der vielfarbigen Sophia.

Auf dem Isenheimer Altar von Mathias Grünewald verkörpert die weibliche Gestalt mit flammensprühendem Haupt die Maria aeterna, die vorzeitliche Weisheit Gottes, die Sophia der ostkirchlichen Überlieferung. Tara kann als ein buddhistisches Äquvalent zur Sophia des Alten Testamentes betrachtet werden. Auf Michelangelos Fresko der Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle ist sie Sophia, der Liebling Gottes, entstanden vor aller Zeit. Tara gehört in den großen Formenkreis weiblicher Weisheitsgöttinnen, Demeter und Isis, Innana und Ischtar, in China Kwan Yin die Patronin der Frauen, Göttin der Gnade und des Mitgefühls, in Vietnam Quan-Am, in Japan Kannon. Gemeinsam ist all diesen Gestalten, daß sie den Geistwandlungsarchetyp des Weiblichen verkörpern, ob als Schutzmantelmadonna, als Mondsichelmadonne oder als Tara, die in ihrer Krone die Mondsichel trägt. Wir erkennen Tara im Archetyp der Seherin und Priesterin, in der Verbindung von Natur mit Geist und Weisheit, dem Profanen mit dem Sakralen. In den Märchen erscheint sie als weise Frau, Ratgeberin und Sinnstiftende, als Initiationsmeisterin in die Geheimnisse des Lebens und des Sterbens, als „Gänsehirtin am Brunnen oder „Nixe im Teich“, als um die Geheimnisse der Natur Wissende, als Kräutersophie. Die grüneTara hat auch eine Verbindung zu der Grünkraft bei Hildegard von Bingen und der roten Tara begegnen wir in den königlichen, geflügelten, feuergesichtigen roten Sophien der russischen Ikonen.

Sie verkörpert das weibliche Prinzip göttlicher Schöpferkraft, den weiblichen Aspekt des Erbarmens, den liebenden Aspekt des weiblichen Prinzips, ist aber auch Symbol der Geistigkeit, der Erlösung und Bewusstseinserweiterung. Sie gilt als Mittlerin zwischen Sinnlichkeit und Meditation, zwischen Leben und Erleuchtung, verbindet das Irdische mit dem Transzendenten. Ihre Funktion ist der Schutz weiblich-göttlicher Weisheitskräfte, das Bewahren der Buddha-Weisheit und der Praijnaparamitas.

Wir können die wunderschönen Taras mit ihrer Ausstrahlung von Schönheit, Glanz und Reinheit auch als göttliche Erscheinungsformen des vollendet Weiblichen verstehen. Für Frauen verkörpert sie die Weisheit liebender Bezogenheit, eine Herzensweisheit, die der logos-orientierten männlichen Vernunft überlegen ist, eine Inkarnation des weiblichen Selbst. Auf Tara bezogen sein, bedeutet sich mit den eigenen Wurzeln wieder zu verbinden, sich selbst liebend bemuttern zu können und das weibliche ganzheitliche Prinzip wertzuschätzen. Sie ist ein Gegenpol zu Spaltung und Selbstentfremdung, eine Orientierungsfunktion für Frauen, die sich in ihrer Weiblichkeit in dieser Gesellschaft abgewertet fühlen.

Heute ist Tara ein beliebter weiblicher Vorname, viele Beratungsstellen, die mit Frauen arbeiten, die Gewalt erlebt haben, nennen sich Tara um die Schutz- und Rettungsfunktion zu symbolisieren. In feministischen und esoterischen Frauenkreisen sind Meditationen und Seminare zu Tara sehr beliebt, um mit den tieferen Aspekten der weiblichen Heilkraft in Berührung zu kommen. Meditationen zu Tara sollen aus der Selbstbezogenheit erlösen und zu Liebe und Mitgefühl erwecken, um Geborgenheit und inneren Frieden zu erreichen.

Tara erscheint in den Träumen und Visualisierungen moderner Frauen als Begegnung mit einer unbekannten Gestalt, die uns führt, die am Waldrand sitzend auf uns wartet, die in den Sand die Antworten auf unsere Fragen nach dem Woher und Wohin zeichnet, die hilfreich ist, die Mosaikstückchen unseres Lebens in eine sinnvolle Form zu bringen. Im Traum einer jungen Frau erscheint sie als grüne Gestalt, die ihr einen Weidenzweig reicht und Unverstehbares murmelt. Sie geht näher an die Figur heran und hört plötzlich einen Klang, an dem sie tief berührt erwacht. Diese Traumbegegnung begleitet sie auf ihrem Suchweg nach dem eigenen Ton, dem Entdecken der inneren Stimme, dem Lernen der Sprache weiblicher Weisheit, die Natur nicht vom Geist trennt, die Erde nicht vom Himmel und das Du nicht vom Ich.

Literatur: Galannd (1993), Pema-Dorje (1998)

Autor: Wirtz, Ursula

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