Steinbock

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Keyword: Steinbock

Links: Aufstieg, Bewusstsein, Berg, König, Logos-Prinzip, Stein, Vater

Definition: Der Steinbock ist ein im Hochgebirge lebendes, gewandt kletterndes und springendes Tier mit langen, kräftigen, zurückgebogenen Hörnern. Er ist auch ein Sternbild am südlichen Sternenhimmel und ein astrologisches Tierkreiszeichen.

Information: Keine

Interpretation: Der Steinbock, der im Hochgebirge höchste Höhen erklimmt, gilt von alters her als Zeichen für Autorität, Würde, Wissen und Reife. Er ist ein Königszeichen. Augustus, im Sternzeichen Steinbock geboren, ließ ihn neben sein Münzporträt prägen. Berg und steiler Bergweg, mühevoller Aufstieg zum Gipfel, Höhe, Überschau, Erkenntnis („Gipfelerlebnis“), Einweihung sind metaphorisch entsprechende Imaginationen.

Außer inneren und äußeren Widerständen, Hemmungen, Mühen, Verzicht und Einsamkeit, die auf Weg und Gipfel ausgehalten werden müssen, ist auch die reale Notwendigkeit des wieder Herabsteigens zu konfrontieren. Die gewonnene „Gipfelerfahrung“ muss in die „Niederungen der Realität“ eingebaut werden, das geistige Höhenerlebnis praktisch und gefühlsmäßig eingearbeitet. Das Bewusstsein darf sich seiner Herkunft aus dem Unbewussten nicht schämen. Die Wichtigkeit dieser Verbindung zeigt die ältere Symbolik des astrolog. Zeichens in Gestalt eines „Ziegenfischs“, eines Mischwesens aus Bocksoberkörper und Fisch- bzw. Schlangenschwanz.

Diese Figur wiederum knüpft an den babylonischen Kulturbringer Oannes an, der allmorgendlich aus dem Meer steigt, um den Menschen die Grundlagen der Kultur, Ackerbau, Handwerk und Baukunst zu bringen, sowie der Schrift und Staatskunst. Damit vermittelt er Wissen, das aus der magisch-animistischen Naturverwobenheit herausführt, eine Personifikation des positiven (herausführenden, strukturgebenden) Vaterarchetypus.

Er ist der Alte König der Alchemie, der in die Tiefen des Meeres hinabsteigen muss, sich mit Mutter oder Schwester verbinden, den Tod durchleiden und als junger, fruchtbarer König mit dem Wissen des Alten wiedergeboren wird. Der analoge Erneuerungsritus findet sich in der zunächst konkreten, später symbolischen Opferung des Alten Königs, um Fruchtbarkeit und / oder Macht zu gewährleisten. Die Vorstellung, dass sich durch die „Opferung“ (oft Ersatzopfer) einer Identifikationsfigur des öffentlichen Lebens neue Gipfelerfolge einstellen, ist ein archetypisches Muster, das überall unmittelbar präsent ist. Desgleichen der Wunsch, Autorität an eine öffentlich sichtbare, herausgehobene Figur zu delegieren, die zu gegebener Zeit als Sündenbock fungieren kann.

Zu den mythologischen Ahnen des Steinbock gehören Pan und Dionysos. Er symbolisiert die Überwindung oder Zusammenführung einer starken Ambivalenz zwischen Triebnatur und geistiger Klarheit („Über allen Gipfeln ist Ruh [...] “). Als astrologisches Domizil des Saturn ist er der Ort der Autorität des Realitätsprinzips, das nur durch sich selbst transzendiert werden kann (Erfahrung). Es ist das Kreuz, an das alles in Zeit und Raum Gebundene geschlagen ist.

Aus der Fülle der unbegrenzten Möglichkeiten, in denen die Seele wurzelt und aus der heraus sie sich erneuert (Fischschwanz, Wasser, Unbewusstes), kristallisiert sich „Festland“ (Erde) heraus, Form, Struktur, Kontinuität, Bewusstsein, Persönlichkeit, Maßstab. Das Ent-Standene ist begrenzt, festgelegt, endlich. Durch Bestimmung, Bestimmtheit, Entschiedenheit entsteht Einschränkung. Gefühlshaftes und diffuse Ahnung kristallisieren im Begriff, der sachliche Distanzierung, Übersicht und Einordnung ins Allgemeine, Grundsätzliche, Maßstäbliche erfordert.

Der Steinbock ist der senex, der das Omnipotenzgefühl des puer beschneidet und Empfindungen der Gefangenschaft in der Materie hervorruft. Unter dem Druck der Gefangenschaft und Erfahrung des Konturierten, Begrenzten, Realen, Allgemeingültigen entsteht jedoch eine paradoxe Freiheit, sowie Disziplin, Souveränität und Unabhängigkeit des Urteils, welche die Authentizität, die „Königswürde“ des Individuierten ausmachen.

Der Steinbock ist ein Symbol des „Aristos“, der Einfluss durch Leistung und Tugend gewinnt und des Vaterarchetypus. Er symbolisiert die Notwendigkeit des geordneten Zusammenlebens, die Gesellschaft, und auch die Pflicht des Einzelnen, der Verantwortung für ein Gemeinwesen übernimmt und aufgrund objektiver Weitsicht in der Lage ist, subjektiv gefühlshafte Verstrickungen teils zu ordnen, teils positive Verdrängungsarbeit zu leisten. Im seelischen Haushalt des Einzelnen entspricht er dem Über-Ich. Wo dieses in angemessene Schranken gewiesen ist, auch für das Selbst. Im kollektiven Alltag sind seine Repräsentanten uniformierte Ordnungshüter, („Auge des Gesetzes“), das Prinzip von „Recht und Ordnung“ und alle, die im Dienst kollektiver Norm stehen.

Der Steinbock in der Astrologie ist das 10. Zeichen im Jahreslauf. Es markiert das Medium Coeli, die Himmelsmitte, aus welcher dem Menschen der Ruf seiner Aufgabe in der Gesellschaft zufließt. Diesen „Be-Ruf“ zu leisten ist seine „Pflicht“ im eigentlichen Sinn, er muss seine Kräfte aufs Äußerste anspannen und konzentrieren, um sein Ziel zu erreichen und mit eigener Autorität zu füllen, Meisterschaft erreichen, Vorbild werden. Der im Schützen abgeschossene Pfeil trifft nun auf Selbsterkenntnis und Verantwortung. Der zugehörige Planet ist Saturn, das Element Erde, die Qualität kardinal (impulsgebend). Der Impuls, der gegeben wird, betrifft die Verantwortung in der Gemeinschaft. Allgemeine Grundprinzipien sind das faktisch Gewordene, die Sache, Struktur, Ordnungsprinzipien, Allgemeingültigkeit gesetzter Maßstäbe, Generalisierung. Die Instinktnatur drängt nach Aufstieg, Geltung, Leistung, Beherrschung oder Unterwerfung unter ein Vorbild. Seelisches Bedürfnis ist, gesehen, anerkannt und respektiert zu werden, Recht auf persönliche Eigenart, Einhaltung von Grenzen, gerechter Behandlung, Erfahrung von Autonomie im Denken. Die Handlungsart ist umsichtig, ausdauernd, planend, konstruktiv, realitätsbezogen.

Schatten: Der „furchtbare Vater“, Härte, Rigidität, Unbarmherzigkeit, Gefühllosigkeit, Verhinderung des Neuen, Despotie, Rechthaberei, Intoleranz.

Literatur: Standard, Romankiewicz (2002)

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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