Stein

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Keyword: Stein

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Definition: Ein Stein (mhd., ahd. stein, = der Harte) ist eine harte, feste mineralische Masse, die der Erdkruste entstammt und die sich in großer Zahl, Größe und Form in und auf der Erdoberfläche befindet.

Information: Keine.

Interpretation: Der Ewigkeit suggerierende Stein ist zugleich Symbol des statischen oder potenziellen Lebens. Die Bretonischen Dolmen wurden vermutlich als Wohnung der Vorfahren angesehen. Auch in Australien gibt es die Vorstellung, dass die Vorfahren als göttliche Kräfte in den Steinen wohnen.

Nach nordischen Vorstellungen leben in den Grabsteinen die Seelen der Toten weiter - es bleibt etwas Ewiges übrig - hier findet sich die Verbindung zwischen den Aspekten Leben und Ewigkeit. Ähnliches findet sich in der Vorstellung, dass Steine die Gebeine der Erdmutter seien. Darauf gründet wiederum die Sage von Deukalion und Pyrrha: Nach der Sintflut, die sich gegen die schlechten ehernen Menschen richtet, bleiben die beiden übrig. Die Göttin Themis sagt ihnen, sie sollen die Gebeine der Mutter hinter sich werfen. Den Orakelspruch zunächst nicht verstehend, fällt Deukalion ein, dass es sich wohl um die Steine handelt. Aus den geworfenen Steinen werden Menschen und dies ist dann der Ursprung des jetzigen Menschengeschlechts. Damit verwandt ist die Vorstellung vom gebärenden Stein. Oft werden Steine auch als Abbilder Verstorbener oder versteinerte Fabelwesen gesehen.

Orpheus gelang es, Steine mit seinem Gesang zu erweichen und Steine weinten, als Balder, der glänzendste nordische Gott, durch den von Loki angestifteten blinden Bruder Höder von einem Mistelzweig getroffen, sterben musste.

Mose schlägt mit seinem Stab und Gottes Hilfe Wasser aus dem Felsen (2. Mos. 17). Dies führt zu der Vorstellung, dass Christus ein geistlicher Felsen sei, dem das Wasser des Lebens entspringt gleichwie aus dem Felsen, gegen den Mose geschlagen hatte (1. Kor 10, 4).

Carl Zuckmaier berichtet aus seiner Emigration mitten in der tiefen Resignation über die Zukunft 1941: " [...] erlebte ich ein Wunder: Ich stieß mit dem Fuß an einen lockeren Stein, und unter dem Stein sprang, mit einem gurgelnden Laut, der fast einem Anruf glich, eine Quelle hervor. Sie war klar und rein. Ich tauchte die Hände hinein, kühlte mein Gesicht. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich erlöst war." (Zuckmayer, 1969, S. 450f.)

Der Stein ist auch Grundlage, Fundament, Basis, Garant der Stabilität und ewigen Beständigkeit, er enthält Ewigkeitserfahrung: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben (Christus), ist zum Eckstein geworden (Mk 12, 10 / Lk 20, 17). Die Gesetzestafeln vom Berg Sinai sind in Stein gehauen. Kephas-Petrus ist der Felsen, auf den Christus seine Kirche bauen will (Mt 16, 18).

Zwischen der Seele und dem Stein besteht eine symbolische Beziehung. Dem Prometheusmythos folgend, haben die Steine den Atem des Menschen konserviert. Nach anderen Mythen sind sie die Bewahrer des Geistes oder Wohnungen der Götter. Oft waren bestimmte Steinformationen auch bestimmten Göttern gewidmet.

Steine waren vermutlich die ersten sakralen Kunstwerke, indem sie von ihrem Ort wegbewegt und anders verwendet oder als Achse (axis mundis) aufgerichtet wurden (siehe die Menhire aus der Vorzeit). Dies war eine religiöse Wiederholung des kosmischen Schöpfungsaktes (s. Eliade). So werden sie auch zu einem Mittelpunkt der Welt wie z. B. der schwarze Stein der Ka'aba in Mekka.

Eine Sonderstellung hat der Stein der Weisen oder lapis philosophorum. Er ist sowohl Ausgangspunkt als auch Endprodukt des alchemistischen Prozesses, oft materiell verstanden als Erzeugung von reinem Gold, im Kern aber geistig als menschlicher Läuterungsprozess gemeint oder auch als Christusallegorie."Sie suchen (die Alchemisten) den wundersamen Stein, der ein pneumatisches Wesen enthielt, um daraus jenen Stoff zu gewinnen, der in alle Körper eindringt (weil er ja der Geist ist, der in den Stein eingedrungen ist) und alle unedlen Stoffe durch Umfärbung in edle verwandelt. Dieser 'Geiststoff' ist wie das Quecksilber, das unsichtbar in den Erzen drin steckt und das zuerst ausgetrieben werden muß, wenn man es 'in Substantia' gewinnen will. Hat man aber diesen penetrierenden Merkur, so kann man ihn auf andere Körper projizieren und diese aus dem unvollkommenen Zustand in den vollkommenen überführen." (C. G. Jung, GW 12, § 406)

Besonderen Steinen werden spezifische Eigenschaften zugeschrieben.

Im Kristall scheint ein Ordnungsprinzip als lebendiger Geist zu wirken. In Edelsteinen und Halbedelsteinen wird Heilkraft vermutet. Dies beruht z. T. auf jahrtausendelang überlieferter Erfahrung und erfährt gerade heute wieder eine Renaissance. Vom Himmel fallende Meteorsteine galten als Symbol für die Existenz außerirdischer Kräfte.

Bernstein (griech. elektron, mineralog. Succinit), ein fossiles Harz von Nadelbäumen, die vor Jahrmillionen besonders im heutigen Ostseeraum gediehen, war schon in der Jungsteinzeit beliebtes Schmuckmaterial, das über lange Landwege (Bernsteinstraßen) in ferne Gegenden verhandelt wurde. Schon der griechische Naturphilosoph Thales von Milet (um 600 v. Chr.) kannte die Fähigkeit des »Elektron«, nach erhitzender Reibung leichte Gegenstände anzuziehen (davon unser Begriff »Elektrizität«). Diese Eigenschaft machte ihn zum geschätzten Material für Schmuckstücke mit Amulettwirkung gegen Gespenster und dämonische Wesen aller Art, welchen gelegentlich noch heute die Kraft des Vertreibens von Kopfschmerzen und bösen Träumen zugeschrieben wird. Geschliffene Bernsteinstücke gelten als »verfestigte Sonnenstrahlen« (in der Antike als Tränen des Phaëton, des Sohnes des Helios).

Die Astro-Symbolik ordnet den Bernstein dem Planeten Merkur zu. - Der chinesische Name (hu-po) bedeutet »Tigerseele«, im Zusammenhang mit dem Glauben, daß die Seele des kriegerischen Tieres bei dessen Tod in die Erde sinke und sich in Bernstein verwandle.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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