Kessel

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Keyword: Kessel

Links: Mutter, Große, Gefäß, Kelch, Gral

Definition: Rundliches Gefäß mit einer oder mehreren Öffnungen das zu Aufbewahrung und Zubereitung von Nahrung dient.

Information: Da der Kessel das erste Gefäß gewesen ist, das Menschen – in der Jungsteinzeit, ca. 10. 000 v. Ch. – zum Garen ihrer Speisen erfunden haben, kommt ihm ein hoher Bedeutungsgehalt zu. Denn dieser einzige Nahrung aufnehmende Gegenstand fand nicht nur als Alltagsgebrauchsgegenstand Verwendung, sondern ebenso als Kultobjekt. Kultur und später Kunst entwickelte sich aus dem Umgang mit den Grundbedürfnissen der Menschen: Nahrung zu sich zu nehmen, zunächst in rohem, später in gegartem und weiter dann in verfeinertem Zustand. Dazu diente der Kessel.

Doch die Grundlebensbedingungen riefen auf Grund ihrer elementaren Wichtigkeit neben der Alltagsbedeutung auch das Bedürfnis nach geistig -religiösen Ritualen hervor. So wurde also der zunächst einzige Gebrauchsgegenstand, der Kessel, Gefäß zur Verehrung der Großen Göttlichen Mutter. Dies ist der konkrete Aspekt des Kessels.

Interpretation: Die symbolische Bedeutung des Kessels zeigt sich in seiner aufnehmenden runden Form, die von jeher mit dem mütterlichen Schoß, der das Kind, das neue Leben trägt und gebiert, in Beziehung gebracht wurde. Von daher kam dem Kessel die größte Verehrung zu, die je ein Alltagsgegenstand erreicht hat.

"Bei den Keltinnen Galliens und Britanniens war der Kessel der Wiedergeburt das zentrale Mysterium ihrer Religion: Reinkarnation im Leib der Göttin [...]. Als "Schüssel voll Blut in der Hand Kalis" stellte der Kessel die zyklische Wiederkehr (der Zeit) dar [...]. Die ägyptische Hieroglyphe für die dreifaltige ‚Schöpferin, Mutter der Sonne, des Universums und aller Götter waren drei Kessel [...].. König Aison (Jason) erstand wieder zum Leben, nachdem er im Kessel der Medea gekocht worden war. Medea bedeutete "Met der Weisheit", sie war die Muttergöttin der Meder, denen sie ihren Namen gab. Auch König Minos wurde im Kessel der Göttin gekocht [...]. Unter dem Namen der Demeter erweckte die Göttin in ihrem Kessel Pelops zu neuem Leben [...]. Bevor ein sibirischer Schamane sein Amt ausüben konnte, musste er sich den halluzinatorischen Erfahrungen unterziehen, in Stücke gehauen und in einem Kessel gekocht zu werden [...].". (Walker, G., 1993, S. 538 ff)

Als Symbol für die Wiedergeburt wurde der K. – wie viele der sakralen Gegenstände und Zeichen aus der matrizentrischen Zeit – in die christliche Religion als Kelch Christi übernommen. Im Mittelalter gewann der Kessel als "Gral" bei den Kelten erneut an hoher Bedeutung."Auf jeden Fall ist die Sexualsymbolik des als graal bezeichneten Gegenstandes nicht zu verkennen: er ist ein Kelch und als solcher das Bild der nährenden Brust. Aber die Analogie geht noch weiter: er ist ein Behälter, und sein Inhalt ist in der christianisierten Fassung das Blut Christi. Daraus ist unschwer zu schließen, dass der Gral die Jungfrau Maria, die Mutter des Erlösers darstellt [...]. Diese Überlegungen führen zu einer Feststellung, die bereits wesentlich mehr als eine reine Arbeitshypothese ist: der Gral ist – unter welcher Form er auch immer in den verschiedenen Texten erscheinen mag – etwas Weibliches. Damit ist die Gralssuche [...] des Ritters eine Suche nach der Weiblichkeit [...] , nach dem "ewig Weiblichen"." (Markale, J., 1984, S. 256/257).

Auch der therapeutische Prozess kann symbolisch mit einem Kessel verglichen werden. Was zwischen den zwei Menschen, die sich dem seelischen Heil widmen, geschieht, gleicht dem Inhalt eines Kessels. Es ist auch wie das Reifen eines Kindes im mütterlichen Uterus. Da ein Kind, das zu früh geboren wird, kaum oder keine Lebenschancen hat, kann auch der Inhalt einer Therapie keine zu frühe Öffnung des ‚Kessels’ der therapeutischen Beziehung vertragen – die Therapie könnte dadurch gestört werden und möglicherweise nicht nachhaltig die seelische Ausgeglichenheit der betreffenden Person weitertragen. Deshalb ist gut beraten, wer über das, was in der Therapie besprochen wird, in der Außenwelt schweigt. Das heißt, er oder sie hält den Kessel dieses Geschehens verschlossen.

Autor: Seifert, Ang Lee

Literatur: Standard

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