Geld

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Geld

Links: Besitz, Energie, Gold, Libido, Macht, Materie, Metall, Quintessenz, Selbst, Silber, Transformation

Definition: Geld (mhd. gelt = Zahlung, Vergütung, Einkommen, Wert; dann: geprägtes Zahlungsmittel, ahd. gelt = Zahlung; Lohn; Vergeltung, zu gelten; urspr. = Vergeltung; Abgabe) ist ein Zahlungs- bzw. Tauschmittel, ein Wertäquivalent in Gestalt von Münzen, Scheinen, die vom Staat hergestellt und überwacht werden. Geld kann in konkreter, materieller Form existieren oder auch auch immateriell (z. B. Bankguthaben, digital, elektronisch verarbeitet).

Information: Geschichtliche Linien

Um 25 000 v. Chr. Waren als Tauschäquivalente (Muscheln, Salz, Rohstoffe, Häute).

600 v. Chr. dienen in Athen Bratspieße (Obolos, Handvoll Spieße= Drachme) als Zahlungsmittel. Wurden zum Begriff für Abgabe. Kleinasien und Athen erste Münzen (Drachme) - gelten als "der Gottheit zu entrichtende Abgabe" und tragen Abbilder von Göttern (Athene, Poseidon). Die Münze war zu Anfang nicht primär Tauschmittel, sondern Träger eines heiligen Symbols mit spiritueller Kraft (Prägung) und Opfergabe. Münzen konnten durch Gewicht, Metallwert und Prägung unterschieden werden. Bis in unsere Zeit sind Münzen als Edelmetalle im Umlauf und haben dadurch Wertbestand.

Der Lydische König Krösus lässt 550 v. Chr. in großem Stil Geldmünzen aus Gold und Silber gemischt prägen und hortet sie.

Schon 445 v. Chr. erste Banken und Kreditsysteme in Athen. Heiligtümer übernehmen Bankfunktionen.

Aristoteles verdammte den Wucher mit Geld. Augustinus betrachtete die Hoffnung auf Gewinn als Sünde.

336 v. Chr. führt Alexander der Große eine einheitliche Währung für die Soldzahlung an die Armee ein. Er bildet sich als Herrscher erstmals selbst ab.

100 v. Chr. wird in Rom das Geld allgemeines Zahlungsmittel und Wertmesser und damit auch staatliches Lenkungsmittel. Nero beschneidet Münzen, um mehr daraus zu machen - die erste dokumentierte Inflation ist die Folge (man gibt eine Mark mehrmals aus). Flavus Vespasianus besteuert Latrinen (non olet).

Die Synode von Macon führt 585 den Zehnten ein. Er wird von Karl dem Großen übernommen und wird zur ergiebigsten Besteuerung im Mittelalter.

Kreuzzüge fördern Geldtransaktionen und Geldgeschäfte. Trotz Zinsverbot werden Zinsen im Verleihgeschäft usus, selbst der Papst verleiht Geld gegen Zins (10-20 %).

Papiergeld entwickelt sich zunächst in China. Erste Berichte darüber von Marco Polo.

1402 in Frankfurt erste Bank deutscher Geschichte. Feudale Strukturen werden aufgeweicht durch Vergeldlichung der Wirtschaft (Medici, Fugger, Welser). Aus Geld wird Kapital. Buchungen werden üblich - Frühformen des Buchgeldes.

1519 Luthers Sermones gegen den Wucher, die Zinsannahme und die Monopolbestrebungen.

1546 ermöglichen die Fugger mit Darlehen die Kaiserwahl Karls V. Sie werden mächtig, weil sie Handel und Finanzgeschäfte verbinden.

1605 gründet Papst Pius Banco di Santo Spirito di Roma als erste Staatsbank Europas.

1661 Erstes Papiergeld in Schweden, weil die Münzen knapp werden ("Credityf-Zedels") - handschriftlich unterzeichnet mit Einlösungsgewähr. In Goethes Faust wird diese Gewähr erwähnt und der Betrugsmöglichkeit verdächtigt.

1792 wird in den USA der Dollar eingeführt, eine Währung aus Gold und Silber mit festgelegten Anteilen.

1849 wird die Raiffeisen-Kreditkasse gegründet. Gleichzeitig beginnt das kalifornische Goldfieber.

1871 bringt die Reichsgründung die Markwährung auf Goldbasis.

Seit 1909 sind Reichsbanknoten gesetzliches Zahlungsmittel. Es bestand Pflicht zum Umtausch in Goldmünzen. 1914 heben die kriegführenden Staaten die Goldeinlösungspflicht auf, mit der Folge der Ausdehnung des Geldumlaufs.

1933 geben die USA den Goldstandard auf.

1945 entstehen feste Nebenwährungen: Kaffee, Zigaretten, Schokolade, Strümpfe.

1950 stellt ein amerikanischer Geschäftsmann im Restaurant fest, dass er sein Geld vergessen hat und erfindet die Kreditkarte (Diners Club, McNamara).

1968 entsteht das Euroscheck-System.

1971 wird die Gold-Dollar-Deckung aufgegeben. In den Jahren danach vermehrte sich der Dollarumlauf - vor allem als Buchgeld (Petro-Dollars).

1975 wird wegen steigendem Silberpreis mit dem 5-Mark-Stück die letzte silberhaltige Münze in der BRD aus dem Verkehr gezogen.

1980 werden bei den Banken Geldautomaten eingerichtet.

1991 gibt es 6 Mio. Kreditkarten und 25 Mio. EC-Karten.

Heute existiert Geld überwiegend als elektronischer Buchungsvorgang.

Interpretation: Geld ist von Anfang an mit dem Göttlichen verknüpft, ragt in göttliche Bereiche hinein. Auf amerikanischen Dollarnoten findet sich der Satz: "in God we trust". Als "der Gottheit zu entrichtende Abgabe" begann es. Die antiken Geldstücke - sowohl frühe chinesische, als auch gallische - sind beladen mit Symbolen und folglich spirituellen Einflüssen. Es existierte eine Kontrolle der geistlichen Macht über den Feingehalt und Wert des Geldes, eine Kontrolle, die z. B. von den Templern ausgeführt wurde. Eine angelsächsische etymologische Quelle des Begriffs Geld ist das Opfer. Der Begriff der Münze leitet sich von der römischen Göttin juno moneta ab. Die Münzstätte in Rom war in ihrem Tempel untergebracht. Zu jener Zeit trugen die Münzen noch nicht Abbilder von Staatsmännern, sondern die Ebenbilder der Götter oder Symbole, die auf deren Eigenschaften hinwiesen - oft Natur-, Tiersymbole - und waren so die Träger der Kräfte dieser Götter. So tragen z. B. viele gallische Geldstücke Symbole, Zeichen oder Figuren, (Köpfe, Pferde, Schweine, Reiter, Bäume etc.) deren Bedeutung wahrscheinlich traditionell und religiös sind. Auf griechischen Münzen findet sich die Eule als Symbol der Göttin Athene oder die Biene als Symbol für die Artemis.

Insofern verkörpert Geld auch göttliche Begründung der Macht, Potenz und Fülle der Kraft und des Einflusses. Weltliche Herrscher beriefen sich mit dieser "Prägung" auf ihre höhere Bestimmung. Heute scheint das Geld diese Dimension verloren zu haben. Wenn wir aber genauer hinschauen, stellen wir fest, dass nichts auf der Welt so sehr die heimliche oder offene Anbetung herausfordert und auch bekommt.

Im griechischen Mythos ist der Übergang ins Jenseits nur möglich, wenn man dem Fährmann Acheron einen Obolus entrichten kann - ein Geldstück, das dem Toten zu diesem Zweck unter die Zunge gelegt wird. In China waren runde Münzen mit einem zentralen quadratischen Loch versehen. Dies ist das Symbol für die höchste Triade, den Raum zwischen Himmel (rund) und Erde (quadratisch), besetzt durch das Zeichen des Herrschers, Sohn des Himmels und der Erde und Gestalt des universellen Menschen. Geld und Seele

Vielleicht ist Geld der Gegenstand, den wir am meisten anfassen, und der zur völligen Selbstverständlichkeit geworden ist. Im alltäglichen Umgang scheint es einfach etwas nüchternes, ganz im Materiellen Bleibendes zu sein und dabei das Selbstverständlichste der Welt, so als sei es ganz logisch, dass ein Stück Papier die Pforten zu den Palästen öffnet. Auch Ökonomen sehen es sachlich als eine Erleichterung des Wirtschaftskreislaufs und schreiben ihm drei zentrale Funktionen zu: Die Recheneinheit, das Wertaufbewahrungsmittel und das Tausch- oder Zahlungsmittel. Gleichzeitig ist Geld tabuisiert. Vom Geld spricht man nicht, Geld hat man. Auch C. G. Jung spricht diesen Tabucharakter an (C. G. Jung, Zivilisation im Übergang GW 10:559).

Geld scheint auch beständig zu sein, sicherer als ein Sack Kartoffeln oder ein Auto, die ständig an Wert verlieren - Geld erscheint dagegen als "hart".

Hier stoßen wir auf die irrationale Seite des Geldes. Geld besteht - besonders die größeren Summen - nur aus Papier oder Buchungen, ist sozusagen materiell fast nichts.

Es hat sich auch historisch zunehmend entmaterialisiert, ist immer virtueller geworden bis hin zur heutigen Kreditkarte und digitalen Buchung. Während zunächst lange Zeit Geld mit Edelmetallen verknüpft, später durch eine Golddeckung abgesichert war, ist dies heute nicht mehr so. In vielen Ländern enthielten lange Zeit die Münzen ihren ungefähren Gegenwert in Metall, in Gold, in Silber, in Kupfer - dies gibt es heute nur noch selten. Ein ebenfalls irrationales Phänomen ist, dass Geld zu leben scheint. Es kann sich aus sich heraus vermehren, erneuern, ohne dass sichtbar menschliche Produktivität beteiligt ist. Es entfaltet auch zwischen Menschen eine enorme Dynamik, bringt Gesellschaften und Bezüge in Wallung, kann Gier hervorrufen. Für Geld wird gemordet, gehasst, geliebt, gestohlen, gelogen, gearbeitet. Diese beiden Seiten betrachtend, könnte man sagen, Geld sei zugleich etwas Nüchternes und etwas ungreifbar Mystisches oder Magisches, auch zugleich alles und nichts.

Angelus Silesius verwendet das Geld als Bild für die Seele, weil die Seele das Zeichen Gottes eingeprägt hat, wie das Geld das Bild des Herrschers.

In der mittelalterlichen Alchemie ging es vordergründig um die Herstellung von Gold. Dieses Ziel war allerdings symbolisch zu verstehen. Im Grunde ging es um die Suche nach dem Letztendlichen, dem Vollkommensten, dem "philosophischen Gold" und damit auch um die Verwirklichung des Absoluten und Ewigen. Dies verbindet sich auch mit der ewigen Suche des Menschen nach der Überwindung des Todes oder der Verwirklichung eines Paradieses auf Erden. Psychologisch eignet sich Geld gerade durch die widersprüchlichen Eigenschaften als hervorragendes und geheimnisvolles Objekt der Phantasie. Es handelt sich sozusagen um ein Ding mit wenig materieller Substanz und viel Verheißung. Damit bildet es eine Leinwand für die Projektion vieler Wünsche und Sehnsüchte."Geld ist Libido", sagt C. G. Jung (Traumanalyse 81), also grundlegende Lebenskraft. Guggenbühl-Craig (s. u.) sagt, neben der Sexualität sei Hauptprojektionsträger der Seele das Geld. Auch Sexualität hat ja den Charakter der Erfüllung und Vervollständigung, den auch das Geld trägt. Es wird damit numinos, bekommt religiösen Charakter. Man könnte pointiert behaupten, die letzte übrig gebliebene, aber als solche nicht bewusste Religion sei die Anbetung des Geldes. Damit wird Geld auch zu einem Symbol des höchsten Geistes, zu dem es sich gerade durch seine Abstraktheit eignet - es hat sich vom Konkreten unabhängig gemacht. Als Glaubensinhalt ist es (so Giegerich) gleichzeitig aber auch konkreter, im Sinne von berechenbarer.

Etwas banaler und näherliegender ist Geld auch Symbol des Wertes, ist der direkteste Ausdruck dafür. Wo also Geld symbolisch auftaucht, geht es oft um Bewertung. Verlust von Geld kann Verlust von Wert bedeuten, Geldgewinn Wertzuwachs. Dabei geht es um Aspekte wie Selbstwert, Wertspiegelung etc. Geld scheint Wert zu verleihen. Das Einschätzen des anderen an seinen materiellen Außenattributen ist automatischer Mechanismus geworden. Im Zusammenhang mit Gehalt spricht man selbst im Steuerdeutsch von Zuwendungen.

Der Funktion des Geldes als positiver Projektionsträger steht jedoch die materielle Funktion gegenüber. Es provoziert eine Art Spaltung, die das ins Symbolische erhobene Geld wieder in eine ganz materielle Sache verwandelt, während seine Seele zu entfleuchen scheint. Geld scheint zielstrebig zu einem in uns liegenden Schisma zu führen, der Sehnsucht nach Entfaltung und Ganzheit einerseits und der materiellen Bindung und Festlegung andererseits, Sehnsüchte nach der Überwindung der kleinen Tode und des großen, um dann mit dem Geld, dem Kaufen, schnell wieder in der Sterblichkeit zu landen. So führt es uns einerseits symbolisch zur Ganzheit hin, andererseits konkret davon weg (siehe hierzu auch Hillmann). Die Bibel enthält viele Stellen, die gerade auf diese Schizophrenie hinweisen: einerseits durch Geld zum Ewigen Leben gelangen wollen es andrerseits aber eben dadurch verhindern. Das "verteufelt Göttliche" nennt Hillmann das Geld. Geist und Materie scheinen sich da immer wieder zu scheiden. Die beiden Seiten weisen auf eine polare Dimension hin, die für die der Psyche innewohnende polare Dynamik charakteristisch ist. Dazu gehört der Wunsch, durch Geld unabhängig zu werden und Abhängigkeit aufzulösen. Auch dies ist aber zwiespältig. Paul Getty wird mit dem Satz zitiert " wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld, wenn man Geld hat, denkt man nur noch an Geld". Reichtum kann an Besitzlosigkeit gebunden sein.

Immer wieder wird gemahnt, dass das Seelen-Heil geschieden werden müsse vom Geld, vom Besitz. Viele Orden und Bewegungen der Kirche sind angetreten unter dem Prinzip der Armut. In all diesen Gesichtspunkten kann Geld symbolisch auch einen Selbstaspekt enthalten. Genauer gesagt enthält es die Polarität zwischen Ichhaftigkeit und Selbst, indem es das konkret-Materielle einerseits betont, aber auch auf eine entmaterialisierte geistige Dimension verweist.

Beim Geld ist eine historische Entwicklung zu erkennen, es hat sich in Gestalt, Funktion und Bindung geändert und lebt nun ein scheinbar ganz eigenständiges Leben. Es ist für unser Bewusstsein überhaupt nicht Psyche, sondern nur Materie, obwohl es eben real gar nicht Materie ist oder nur zum geringsten Teil. Es konnte vielleicht paradoxerweise gerade dadurch zur reinen Materie werden, dass es das Materielle verlor. Hätten wir ein Stück Gold in der Hand - das noch viel mehr Materie ist als das Geld, so käme sofort die psychische Dimension auch spürbar wieder hinzu. Wir können Gold kaum betrachten ohne das Gefühl eines Besonderen, eines Reinen, des Edlen.

Beim Geld scheint der psychische oder symbolische Aspekt abgespalten zu sein. Die Entmaterialisierung vom Gold zum Schein hat die Abspaltung des psychischen Faktors ermöglicht. Er ist dadurch aber nicht verschwunden, sondern unbewusst weiter wirksam, wird sozusagen zum unbewusst wirksamen Seelenelixier oder zum Geldkomplex.

Neid, Habgier, Manie, Verarmungswahn im Zusammenhang mit Geld, machen deutlich wie viel Energie hier schlummert. Auch in ganz anderer Form, dem Göttlichkeitswahn bzw. der unbewussten Identifikation mit dem Göttlichen, kennen wir im Zusammenhang mit dem Geld die Wirkung eines seelischen Komplexgeschehens. Die Ambivalente Natur des Geldes drückt der folgende Traum eines 41-jährigen Mannes aus: "Mein Vater kündigt mir in einem Telefonat an, dass er für irgendetwas 1800 oder 3600 DM überweisen will. Ich finde das unmöglich, erlebe es als Beziehungskauf und bitte ihn, es zu lassen. Ich sage das so bestimmt, dass er beleidigt den Hörer auflegt."

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge