Coagulatio

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Keyword: Coagulatio

Links: Alchemie, Erde, Opus magnum

Definition: Die Coagulatio ist eine alchemistische Operation (Alchemie, Opus magnum), durch die eine Flüssigkeit in einen festen Stoff verwandelt wird z. B. durch Verdampfung des Lösungsmittels und Ausfällung, durch Kühlung oder Gerinnung.

Information: Der Coagulatio wird das Element Erde zugeordnet. Oft erfolgt eine Gleichsetzung der Coagulatio mit Schöpfungsvorgängen, z. B. die ewige Bewegung im apeiron (Unbegrenztes) bei Anaximander, die Quirlung des Weltmeeres in der indischen Mythologie oder Fausts "Im Anfang war die Tat", Coagulatio wird deshalb auch mit dem Handeln verbunden.

Interpretation: In der Alchemie war die zu koagulierende Substanz v. a. das flüchtige Quecksilber (Mercurius, fixatio). Psychologisch ist dies die Assimilation eines flüchtigen Komplexes, um das Selbst zu koagulieren bzw. zu inkarnieren. Nach Edinger (1990, S. 114) kann Begehrlichkeit, in der Alchemie mit Schwefel gleichgesetzt, eine koagulierenden Einfluss haben, indem sie das "Feuer" der Affekte entfacht (siehe calcinatio). Das Bewusstsein des eigenen Schattens wirkt koagulierend durch das Realisieren der eigenen Grenzen. Motive der Coagulatio sind z. B. der Sturz der Seele durch die Sphären auf die Erde in der Gnosis oder der Sturz Luzifers. Prometheus war wegen seines Frevels an den Göttern ewig an einem Felsen angekettet. In der christlichen Religion entspricht der Coagulatio die Fleischwerdung des göttlichen Logos. Die Kreuzigung ist eine fixatio, die oft synonym verwendet wird für die Coagulatio.

Psychologisch beinhaltet die Coagulatio "den archetypische Prozess der Ichbildung" (Edinger, 1990, S. 147) einschließlich der Verankerung des Ich im Körper. Um archetypische Bilder ins Ich zu integrieren, bedarf es entwicklungspsychologisch einer Personalisierung z. B. durch die Eltern, was einen koagulierend Einfluss hat. Ist dieser Prozess gestört, kann er nachträglich z. B. in der therapeutischen Beziehung eine Konkretisierung erfahren. Zu fest koagulierte Persönlichkeitsstrukturen müssen aufgelöst bzw. flexibel gemacht werden (solutio). Geistesgeschichtlich ist die Analogiebildung eine Form der Coagulatio (vgl. Edinger, 1990, S. 130), weil sie Beziehungen herstellt im Sinne des "Als-ob" und so abstrakten Begriffen konkrete Formen gibt.

Literatur: Standard

Autor: Krapp, Manfred

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