Calcinatio

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Keyword: Calcinatio

Links: Alchemie, Albedo, Asche, Feuer, Individuation, Initiation, Nigredo, Opus magnum, Rubedo, Tod

Definition: Die Calcinatio ist eine alchemistische Operation (Alchemie, Opus magnum), um bei Metallen bzw. Stoffen durch starkes Erhitzen oder ätzende Substanzen verunreinigende Bestandteile auszutreiben. Zurück bleibt Asche oder ein Pulver wie z. B. Kalk.

Information: Der Calcinatio wird das Element Feuer zugeordnet. In einer alchemistischen Abbildung wird die Reinigung von Gold durch Antimon bildhaft dargestellt: Der Wolf (Antimon) frisst den König, der Gold symbolisiert, um danach diesen durch die Calcinatio in gereinigter Form wieder auferstehen zu lassen.

Interpretation: Die Calcinatio macht das Schwarze (Nigredo), dargestellt z. B. durch Exkremente oder den Äthiopier, weiß (Albedo). Die weiße Asche als das Endresultat der Calcinatio bedeutet Verzweifelung, Trauer oder Buße, aber auch "der unverwesliche‚ verherrlichte Leib", sie heißt deshalb "Diadem des Herzens". Asche ist mit Salz identisch, welches gleichermaßen Bitterkeit wie Weisheit beinhaltet. Mit der Calcinatio wird die läuternde Wirkung des Fegfeuers verbunden, das Gefeitsein gegen das Feuer wie in der biblischen Geschichte von Nebukadnezar und den drei Männern im Feuerofen, und das Erlangen von Unsterblichkeit wie im Mythos von Demeter. Irdisches Feuer wird so zum ätherischen Feuer des göttlichen Logos bzw. Hl. Geistes.

Tiefenpsychologisch repräsentiert die Calcinatio einen reinigenden Wandlungsprozess des Ichs bzw. herrschenden Bewusstseinsprinzips, welches aus dem Feuer der eigenen Affekte erneuert hervorgeht. Oft erzwingen emotionale Frustrationen eine solche Läuterung von Schattenseiten. In der Therapie führt dies zur Befreiung der emotionalen Komplexe von ihrer unbewussten Kontaminierung durch Bewusstmachung und Rücknahme der Projektionen. Die zunehmende Fähigkeit, egozentrische Bedürfnisse aufzugeben und sich auf den transpersonalen Aspekt des Daseins bzw. das Selbst zu beziehen, führt zu einer gewissen Gefeitheit bzw. Autonomie gegenüber Affekten.

Literatur: Standard, Edinger (1990)

Autor: Krapp, Manfred

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