Asche

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Keyword: Asche

Links: Feuer, Initiation, Ritus, Wandlung, Tod

Definition: Die Asche ist der verbleibende anorganische Rest nach einem Verbrennungsvorgang organischer Stoffe.

Information: Keine

Interpretation: Die Staubähnlichkeit der Asche und die Tatsache, dass sie gleichsam der gereinigte Rückstand nach dem Abbrennen eines Feuers ist, verweist auf ihre symbolische Bedeutung. So gilt die Asche schon seit ältesten Zeiten, bei verschiedensten Völkern und in vielen Kulturen von daher als Symbol des Todes und der Vergänglichkeit und damit auch als ein Symbol der Trauer, in dem jedoch eine starke Verwandlungs-, Erlösungs- und Auferstehungsymbolik wirksam wird.

Das im Volksmund bekannte "Haupt mit Asche bestreuen" oder sich "in Asche wälzen" bedeutet Reue und Buße, bedeutet Umkehr und Verzicht. Diese rituellen Handlungen wurden bei den Griechen, Ägyptern, Juden und Arabern durchgeführt.

Die indischen Yogis bedecken zum Zeichen ihres Weltverzichts ihren Körper mit Asche. Die heilige Asche verbrannter Opfertiere galt u. a. im Judentum als reinigend. Das Christentum kennt die Verwendung von Asche mit Bezug auf die Buß- und Reinigungssymbolik bei kultischen Handlungen, u. a. am Aschermittwoch und bei der Kirchenweihe.

Eine tiefere Wandlung im Seelischen vollzieht sich oft erst durch einen oftmals sehr schmerzhaften "inneren Verbrennungsvorgang", in dem alte Strukturen und (Lebens-) Formen losgelassen und zerstört werden, damit die darin gebundenen Energien frei werden können und somit einer tief greifenden Veränderung wieder zur Verfügung stehen können. Im mythischen Vogel Phönix finden wir die archetypische Entsprechung dieser Wandlungs- und Erlösungsidee, der sich periodisch verbrennt und jeweils verjüngt wieder aus der Asche emporsteigt.

So ist die Asche als Erdstaub nach der Genesis der Stoff des menschlichen Körpers und spielt als solcher auch in der Alchemie eine Rolle. Jungs Erläuterung zum Wesen der Asche legt er in seinem Kommentar zu den Parabeln von Thomas von Aquin dar: "Die Asche ist ein Symbol für den nicht mehr weiter auflösbaren 'absolut' gegebenen Grundbestand physischer und psychischer Tatsachen, die jeder Mensch besitzt und mit und aus denen heraus sich seine Individuation gestaltet. Diese Grundtatsachen sind der Stoff eines 'objektiven' Ich, d. h. des Selbst." (Jung, GW 14/3, § 448).

Demgemäß spielt bei vielen Völkern die Asche in kultischen Reinigungs- und Initiationsriten als wichtiges Individuationssymbol eine sehr zentrale Rolle, so z. B. bei den Aborigines, wo die Initianten mit der Asche eines eigens dafür angezündeten Feuers eingerieben werden, um böse Geister zu vertreiben. Die Asche markiert hier also einen Durchgangsritus (rite de passage).

Auch lässt sich im Volksbrauch und die in alten Kulturen belegte Vorstellung finden, dass in der Asche eines verbrannten, mit besonderen Kräften ausgestatteten Wesens noch dessen Kräfte enthalten sind. Diese alte Vorstellung findet sich z. B. auch im Traum einer modernen 35jährigen Frau wieder, der beim Leichenschmaus für ihre Mutter, die sie früh verloren und sehr geliebt hatte, eine Suppe zum Essen vorgesetzt wurde, in der die Asche der Innereien ihrer Mutter verarbeitet gewesen sei. Im Traum habe sie das zwar etwas sonderbar gefunden, jedoch das Gefühl gehabt, dass es sehr wichtig sei, diese Suppe zu essen.

Auch in den Märchen finden wir die Asche in seiner Doppelbedeutung, zum einen als Zeichen, dass etwas Bedrohliches und Zerstörerisches wirklich und endgültig vernichtet wird wie z. B. bei Hänsel und Gretel die Hexe, oder bei "Die schöne Wassilissa", wo die böse Stiefmutter und ihre Töchter zu Asche verbrennen. Zum anderen begegnet uns die Asche als Wandlungs- und Erlösungssymbol, wie z. B. bei Aschenputtel, die im Schmutz der Küche schwere Arbeit verrichtet und der zuletzt für ihr Aschengewand königlicher Schmuck zuteil wird. In manchen Märchen finden wir die Asche wie den Faden der Ariadne als wegweisend, da sie von den Helden/Innen ausgestreut wird, um den Weg zu markieren und wieder zurückzufinden, wie z. B. im Märchen "Haus im Walde" oder "Der Räuberbräutigam".

Literatur: Standard

Autor: Henzler, Christa

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