Held

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Keyword: Held, Heldenmythos

Links: Aggression, Aktivität, Drache, Drachenkampf, Heros-Prinzip, Macht, Pentaolon-System, Reise, Selbst, Sonne, Waffe

Definition: Ein Held (lat. heros, Heros), eine Heldin ist ein vorbildlicher Mensch, der sich durch Unerschrockenheit und Mut auszeichnet, sich einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die meist nicht nur für ihn, sondern auch für andere Menschen von Bedeutung sind.

Information: Der Ethnologe L. Frobenius hat bereits 1904 die verschiedenen Motive der Heldenmythen unter der Bezeichnung "Nachtmeerfahrt" und "Walfischdrachenmythen" zusammengefasst, der Psychotherapeut O. Rank 1909 eine "Durchschnittssage" von der Geburt und Kindheit des Helden konstruiert, der Mythologe J. Campbell (1949), die typischen Stadien der Heldenfahrt in einem Kreisdiagramm schematisch angeordnet und Neumann 1949 hat den Heldenweg in Beziehung zur allgemeinen Bewusstseinsentwicklung des Menschen gesetzt. Da der Held in vielerlei Hinsicht dem Aufbau des klassischen Dramas entspricht und für sehr viele literarische Stoffe grundlegend ist, konzipierte Vogler (1997) auf der Basis des Heldenmythos eine universale Anleitung zum Drehbuchschreiben von Filmen. (L. Frobenius, 1904, O. Rank, 1909, J. Campbell, 1949, Neumann, 1949).

Interpretation: Der Mythos des Helden (Heros-Prinzip) verbildlicht eines der universalen Menschheitsthemen und symbolisiert den Lebens-und Individuationsprozess. Die mit dem Leben und der seelischen Reifung verbundenen Herausforderungen, Konflikte und Erfahrungen sind für alle Menschen weitgehend ähnlich. Deswegen weisen die Heldenmythen in den verschiedenen Kulturen durch die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte viele Gemeinsamkeiten auf, die von verschiedenen Forschern erkannt und herausgearbeitet wurden.

Das archetypische Muster des Helden lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Der Held hat meist göttliche oder königliche und normal-menschliche Eltern zugleich. Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit stehen unter großer Belastung. Manchmal sind die Eltern zunächst unfruchtbar, manchmal ist das Kind von Anfang an unerwünscht, seine Geburt muss an heimlichem Ort stattfinden, es soll getötet werden, wird ausgesetzt, von Adoptiveltern oder Tieren aufgezogen. Einerseits ist es königlich-göttlicher Herkunft, andererseits ausgestoßen und verlassenen, es ist mächtig und hilflos zu gleich. Der Held wird von Adoptiveltern oder Tieren aufgezogen.

In seiner Jugend offenbart er aber schon bald überdurchschnittliche Kräfte, Fähigkeiten und Talente.

Besondere Lehrmeister helfen ihm, seine Fertigkeiten und Kenntnisse zu vervollkommnen. Er erwirbt seine persönlichen Waffen, die meist von besonderer Qualität und Herkunft sind.

Häufig findet er auch ein treues Begleittier, das sich durch Klugheit, Instinktsicherheit und Kraft auszeichnet.

Dann erhält er den Auftrag oder die Berufung zur Heldenfahrt, die oft durch eine kollektive Gefahren-, Krisen- oder Notsituation bedingt ist.

Nach anfänglichen Widerständen, die sich in eigener Angst, Unlust oder in der Warnung durch andere Menschen zeigen, macht er sich auf den Weg.

Bis es zu dem eigentlichen Hauptkampf kommt, muss er eine Reihe von Nebenabenteuern bestehen. Zum Beispiel begegnet er einem anderen, zunächst feindlichen Helden, mit dem er kämpft und der sich als gleich stark herausstellt. Manchmal verbindet er sich mit diesem dann in Freundschaft.

Der eigentliche Heldenkampf führt ihn über eine Schwelle in unbekannte, fremde Bereiche. Es kann sich um einen verborgenen, schwer zugänglichen Ort handeln, wo eine unheimliche, bedrohliche Macht wirkt, zum Beispiel ein drachenartiges Ungeheuer, ein gefährlicher Feind oder auch der Tod. Nach hartem, fast tödlichem Kampf vermag der Held diese feindliche Macht zu überwinden. Danach gewinnt er einen Schatz - Gold, Königreich, Erkenntnis, Berühmtheit - und eine Partnerin, mit der er sich verbindet und ein Kind zeugt.

Am Gleichnis des Sonnenlaufs hat Jung in Symbole der Wandlung die Reise des Menschen durch das Leben zusammengefasst (vgl. Jung, GW 5, § 553). Mit dem Gleichnis des täglichen Sonnenzyklus weist er auf einen wichtigen Aspekt der Individuation hin: Das Heldendrama ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein symbolisches Vorbild für Abläufe, die sich zu den verschiedensten Phasen des Lebens und auf den verschiedensten Ebenen ständig wiederholen. Als "Held" der Individuation befindet sich der Mensch auf einer dauernden Suche und Wanderschaft, auf der es kein endgültiges Ziel gibt. Es gibt nur Teilziele, die auch nur für eine bestimmte Zeit und für eine bestimmte Lebensstufe Orientierung vermitteln. Das Selbst offenbart sich nur in seinen sich ständig wandelnden Formen. Es kann nur umkreist werden, nicht vollständig verwirklicht. Deshalb sind die Reise und der Weg ein uraltes Symbol für den Individuationsprozess.

"Die Heroen sind häufig Wanderer: Das Wandern ist ein Bild der Sehnsucht, des nie rastenden Verlangens, das nirgends ein Objekt findet, des Suchens nach der verlorenen Mutter". Der Mythus des Helden "ist in erster Linie die Selbstdarstellung der suchenden Sehnsucht des Unbewußten, das jenes ungestillte und selten stillbare Verlangen nach dem Licht des Bewußtseins hat. Letzteres aber, stets in der Gefahr, von seinem eigenen Lichte verführt und zu einem wurzellosen Irrlicht zu werden, sehnt sich nach der heilsamen Macht der Natur, den tiefen Quellen des Seins und nach der bewusstlosen Gemeinschaft mit dem Leben der unzähligen Gestalten." (Jung, GW 5, § 299)

Literatur: Standard

Autor: Müller, Lutz

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