Traube

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Definition: Das deutsche Wort „Traube“ (mhd. trube=Bündel, Haufen, ahd. thrupo= Kriegshaufen, vgl. „Truppe“) ist als Weintraube Ausdruck der üppigen Fülle einer vollsaftigen Frucht des Weinstocks.

Information: Keine

Interpretation: Allgemeine Deutung siehe Wein.

In der Bibel findet sich eine differenzierte Wein-Trauben-Symbolik. Das hebr. Wort enab und das griech. Wort staphylä bedeuten eine Weintraube voller Beeren. In der hebr. Bibel begegnet uns jedoch noch ein anderes Wort für Trauben, nämlich eshkol. Die sprachliche Wurzel dieses Wortes (shkl) heißt „kinderlos“. Da im Hebräischen nur die Konsonanten bedeutsam sind – die Vokale können bei den einzelnen Wörtern unterschiedlich ausgesprochen werden (wie in deutschen Dialekten!) – handelt es sich bei „Traube“ (eshkol) und „kinderlos“ (shakol) um dasselbe Wort. Was haben diese beiden Wörter gemeinsam?

Das Wort eshkol wird wird zwar meistens mit "Traube" übersetzt, bezeichnet jedoch eigentlich nur das Stengelgerüst (die ‹Rispe›), an dem die Beeren wachsen. Es wird deshalb gelegentlich betont, dass es sich um eine Traube mit Beeren handelt.

So bringen die Kundschafter eine Traube mit Beeren aus dem verheißenen Land 2 und der Obermundschenk des Pharao träumt von Trauben mit Beeren.

Wenn eine Traube keine Beeren hat, dann sieht man das kinderlose (= beerenlose) Stengelgerüst. Trägt aber die Traube Herlinge (harte, ungenießbare Trauben), dann sieht man das Stengelgerüst nicht. Die Traube hat dann den Schein einer fruchttragenden Traube, aber nicht ihre Wirklichkeit.

Das entspricht dem Zustand des von Jesaja angeprangerten Volkes: Es hat den Schein eines Gottesvolkes, bringt aber keine Frucht. Die vollen Weintrauben dagegen mit ihren saftigen und süßen Beeren sind Symbol einer fröhlichen Kinderschar.

Die Weintraube als Symbol des Kindersegens und der Mütterlichkeit begegnen uns auch in den christlichen Traubenmadonnen. Urbild dieser Traubenmadonnen ist eine römische Tonplastik aus dem 2. Jhdt. mit drei Fruchtbarkeitsgöttinnen, die je eine Weintraube tragen. Christliche Traubenmadonnen begegnen uns seit der Frühgotik in großer Vielfalt. Nach altchristlicher Vorstellung gilt Maria als Weinrebe aus der Jesus Christus als göttliche Weintraube hervorging. So schreibt der Kirchenvater Johannes Damascenus (675-749): „Von der heiligen Jungfrau haben wir die Traube des Lebens empfangen“.

Bei vielen Traubenmadonnen hält Maria eine Traube in ihrer Hand, die sie auf manchen Darstellungen dem Jesuskind reicht. Auf zahlreichen Darstellungen hält jedoch das Jesuskind (das in der Regel auf dem Schoss der Maria sitzt) die Traube in der Hand. Auf einem besonders schönen Bild des Malers Lukas Cranach d. Ä. (1472-1553) steckt das Jesuskind seiner Mutter eine Traubenbeere in den Mund.

Neben den Traubenmadonnen gibt es auch zahlreiche Darstellungen von Heiligen mit Weintrauben – in der Regel von Märtyrerinnen und Märtyrern, die durch ihre Folterungen und durch ihren Tod eine besondere Nähe zum Mysterium der Weintraube und des Weins haben. Man sah nämlich in der Weintraube, die in der Kelter zerfleischt und vernichtet wird ein Bild für die gewaltsame Zerfleischung der Märtyrerinnen und Märtyrer, die durch ihren Märtyrertod als edler Wein ins Paradies Gottes eingehen.

Insbesondere wird St. Urban als Weinheiliger verehrt und auf vielen Bildern und Statuen mit einer Weintraube dargestellt.

Während bei den Weinmadonnen die Weintraube Symbol für das Jesuskind und damit für alle Kinder ist, ist bei den Weinheiligen die Weintraube Symbol für Tod (Kelter) und Auferstehung (Wein). Eine weitere Symbolik begegnet uns im hebräischen Wort für Weinrebe "zemarah". Dieses Wort bedeutet nämlich auch "Gesang" und "Melodie". Worin besteht die Gemeinsamkeit von Rebe und Musik?

Der jüdische Gelehrte S. R. Hirsch (1867) meint dazu: „Die Rebe ist derjenige Pflanzenteil am Weinstock, in welchem die im Stamm aufsteigenden Säfte bewahrt, zusammengehalten und geläutert werden bis sie die Frucht des Weinstocks zu erzeugen fähig sind. Ganz in demselben Verhältnis steht der Gesang, die Melodie zum Wort des Liedes. Gefühle und Empfindungen, die in des Menschen Geist noch nicht zur völligen Gedankenklarheit für den Wortausdruck gereift sind, gewinnen auf den Flügeln des Gesangs diese Klarheit und Reife, um dann auf der Höhe der Begeisterung das Wort zu finden. Die Melodie ist die sanft sich hinwindende Rebe, die auf ihrem Tongewinde das begeisterte Wort als Frucht darreicht“.

Hirsch meint also, dass es sowohl beim Lied, als auch bei der Weintraube um ein “Produzieren von innen heraus“ gehe. Das führt uns zu Jesus, der sich selbst als Weinstock bezeichnet und die Menschen, die mit ihm verbunden sind als Reben. In dieser Bildrede wird deutlich: der Saft, den der Weinstock aus der mütterlichen Erde zieht, fließt durch die mit dem Weinstock verbundenen Reben hindurch in die Weintraube (=in die „Frucht“).

Auf dem Hintergrund der alttestamentlichen Vorstellung „Rebe=Melodie“ bedeutet dies: die Musik, die aus dem mit der Erde verbundenen Weinstock (psychologisch: aus dem Selbst) in die mit dem Weinstock verbundenen Reben fließt, wird hörbar in der von der inneren Musik erfüllten „Frucht“ (=“Charisma“) im Sinne des Eichendorff-Gedichtes „Schläft ein Lied in allen Dingen…“.

Der wohl bekannteste Weintraubentraum ist der Traum des Pharao-Mundschenks, der die Beeren reifer Trauben mit der Hand zerdrückt und den Saft in die Trinkschale des Pharao fliessen lässt. Einige Weintrauben-Träume aus unserer Zeit:

Ein Akademikerin in der zweiten Lebenshälfte träumt: „Ich bin in der Waschküche meines Elternhauses und wasche am Waschtag schöne Trauben. Ich will sie mehreren alten Bauern geben, die ebenfalls in der Waschküche sind. Es sind Bauern mit markanten Köpfen, die mich an Jeremias Gotthelf erinnern. Sie stammen aus einem bäuerlich geprägten Nachbardorf und machen einen freundlichen Eindruck. Als ich den Bauern die Weintrauben überreichen will, sehe ich plötzlich auf dem Boden der Waschküche mehrere Schlangen. Ich denke: Vorsicht! Diese Bauern sind gefährlich“.

Ein weiterer Traum derselben Frau: „Ich bin im Weinberg meiner Großmutter. Die Weinstöcke hängen voller Spätburgundertrauben mit kleinen süßen Beeren. Urige Weinbauern ernten die Trauben und bringen sie in großen Holzzubern zur Kelter…“.

Ein Mann, der sich in einer schwierigen beruflichen Situation befindet, die ihm sehr zu schaffen macht, hat folgenden Traum: „Ich sehe eine riesige Muskatellertraube. Die Traube ist ca ½ m groß und ihre Beeren haben einen Durchmesser von ca 5 cm. Sie erinnert mich an die Riesentraube, die die Kundschafter aus dem verheißenen Land gebracht haben. Sie hängt an einem Pergolaweinstock. Ich koste eine Beere. Sie ist wunderbar süß und fruchtig – ein Vorgeschmack des Paradieses“.

Literatur: Standard

Autor: Bittlinger, Arnold

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