Rebe

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Definition: Reben werden die Äste des Weinstocks genannt, einer Kletterpflanze, die aus der Wurzel u. einem kurzen Stamm besteht. Aus den Reben wachsen die Ranken, Blätter und Trauben hervor.

Information: Reben-Saft ist somit nicht der Wein, wie er umgangssprachlich oft genannt wird, sondern wirklich der (Frühjahrs-) Saft der Reben, der im medizinischen Volksglauben vielfache Verwendung fand und hervorragende Heilkräfte besitzen soll.

Interpretation: Ursprünglich stammt der Weinstock aus dem Kaukasus, von den Ufern des Schwarzen Meeres. Schon früh fand er Verwendung in kultischen Handlungen, der Traubensaft wurde zum Sinnbild des Blutes, ersetzte dieses in Opferzeremonien. In Ägypten war er Osiris zugeordnet. Die Auferstehungssymbolik hatte er auch bei anderen Völkern des Vorderen Orients. Besonders die Rebe und die Ranke wurden zum vegetabilen Ausdruck der Unsterblichkeit. Im AT wird der Wein zusammen mit Noah und Melchisedek erwähnt. Wegen der Trunkenheit, die er verursacht, galt er bei semitischen Völkern als Symbol der Erkenntnis und der Initiation (und war deshalb sein Genuss der Allgemeinheit verboten?).

Zentrale Bedeutung hatte er bei den Griechen im Zusammenhang mit dem Gott Dionysos (bei den Röm. entsprechend Bacchus). Dionysos' Verbindung mit den Mysterien des Todes machten den Weinstock zu einem Symbol des Grab- u. Totenkultes. Andererseits galt in der griechischen Kultur das fünffingrige Weinblatt als Hand der Erdgöttin Rea (der Weinstock also als Baum der Muttergöttin?).

Die Christen übernahmen die Symbolik, aber der gesamte Weinstock und die Rebe (mit spiraligen Ranken u. Trauben) erhielt eine umfassendere Bedeutung. Hier sei z. B. an das Johannes-Evangelium erinnert, in dem es heißt: „Ich bin der Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, entfernt er, und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie noch mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch geredet habe.“ Joh 15, 1ff). In diesem Zusammenhang sind die Darstellungen auf den Bogomilengräbern in Bosnien und Bulgarien interessant. Sie setzen eine Tradition fort, die in der griechischen bildenden Kunst bereits begonnen und in frühchristlichen Kirchen ihre Fortsetzung gefunden hatte: Der Weinstock, v. a. aber die Rebe mit Ranke und Traube, fanden vielfache Verwendung. Auf den Bogomilengräbern des Balkans kommt häufig auch die Spirale vor, aber nur selten im ursprünglichen Sinn, doch durch den Kontext wird deutlich, dass sie die Ranke des Weinstocks ist. In Träumen und Zeichnungen aus dem Unbewussten können manchmal Spiralen auch in diesem Sinne auftreten u. zwar nicht nur als Ausdruck der Unsterblichkeit (wie der ganze Weinstock), sondern auch als Aufforderung zur Selbstkritik, zur Prüfung, ob der Träumer / Maler eine Rebe (= Mensch) ist, die Frucht bringt.

„Die seltsamen Spiralmuster und Ranken (auf den Bogomilengräbern) sind die Ranken des mystischen Weinstocks, von dem Jesus spricht. Im 15. Kapitel des Joh -Evangeliums steht geschrieben 'Ihr seid schon rein', lautet der griech. Text. Er gibt die Erklärung des Namens 'Cathari', über dessen Sinn so viel gerätselt wurde. Nur die Erwählten, die wahren Jünger Christi, sind 'Katharoi', sind die reinen Reben, die fruchttragenden Ranken des göttlichen Weinstocks. So wurde die Figur der Spirale als Ranke des göttlichen Weinstocks verstanden. Die Spiralfigur selbst war nicht neu; sie erscheint auf dem Balkan schon vor den Bogomilen, besonders bei den Thrakern, einem der ältesten Balkanvölkern. Gewiss hatte sie dort nicht den Symbolgehalt des Joh. -Evangeliums, aber die jungen Triebe des Weinstocks konnten bei einem Volk, das seit alters her Wein anbaute, leicht zu einem Fruchtbarkeitssymbol werden. Sogar auf den Bogomilengräbern finden wir nicht nur Weinstocktriebe, sondern auch Weintrauben. Der Gott des Weines, der Fruchtbarkeit, der Herr über Leben und Tod war bei den Thrakern Dionysos, der später zu den Griech. wanderte und dort allmählich absank, sodass von seiner universalen Macht nur noch die eines orgienfeiernden Gottes übrig blieb, der die Ordnung der anderen Götter durchbrach. Bei den Thrakern war er auch Sonnengott. Finden wir deshalb auf den Grabsteinen der Bogomilen so oft Sonne und Weinrankenspiralen? Sicherlich haben die vielen Rudimente eines ausgeprägten Dionysoskultes, die im Volk lebendig waren, auf Glauben und Schrifttum der Bogomilen gewirkt. Immer wieder griffen die Bogomilen auf Motive der Volksdichtung zurück, um ihre Lehren anschaulich zu machen. Hätte die Lehre Manis sich nicht in dionysisches Gewand gekleidet, Bulgaren und Bosnier wären ihr wohl nicht so leicht, so schnell gefolgt.“ Thomas, 1970, S. 351f)

In der Alchemie gilt der W ein als Feuerwasser, d. h. er vereint Wasser mit Feuer. Jung erwähnt es im Zusammenhang mit der Struktur des Selbst unf er geht auf die Bedeutung von Vier u. Fünf (Pentagramm) ein. Erstaunlich ist, dass er in diesem Zusammenhang nicht die Sechs, das Hexagramm, erwähnt, das die bildliche Darstellung der Vereinigung von Wasser und Feuer ist.

Literatur: Standard

Autor: Thomas, Helga

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