König, Königin

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Keyword: König, Königin

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Definition: Titel des (nach dem Kaiser) höchsten weltlichen Herrschers oder Repräsentanten in bestimmten Monarchien.

Information: Das altgermanische Wort bedeutet eigentlich „aus vornehmem Geschlecht stammender Mann”. Die Benennung bezieht sich demnach darauf, dass der König durch seine Abkunft, durch sein Geblüt ausgezeichnet ist.

Interpretation: Früharchaische Gesellschaften wurden von einem Einzigen regiert, dem König der ihren Geist repräsentierte. Der König war der Fleisch gewordene Geist der Gesellschaft. Er gab zwar den Ton an im Land, wusste sich aber fest eingebunden in uralte Überlieferung, die das Wohlergehen des Landes garantierte. Moderne dynamische und pluralistische Gesellschaften, dies stets in Bewegung sind, können nicht mehr von einem Einzigen repräsentiert und regiert werden, der die Tradition verkörpert, sondern brauchen demokratische Regierungen.

Die Tiefenpsychologie erkennt den König als Projektionsfigur des im Bewusstsein Vorherrschenden und Tonangebenden. Der König dominiert das öffentliche Leben, das kollektive Bewusstsein: was sich gehört, was man denkt, fühlt und tut. Im Märchen symbolisiert der alte König eine lebensfern gewordene Einstellung, die alte Prinzipien reitet und sich dem Wandel des Lebens nicht anpasst. Prototyp des alten König ist der biblische Herodes, der dem neugeborenen König nicht Platz macht und alle Knäblein Bethlehems töten lässt: Neues wird im Keim erstickt. Der alte König leidet an Neophobie und argwöhnt paranoid überall Feinde, die ihn vom Thron stoßen könnten. Zum Feind ist ihm das Leben selbst geworden, dem er nicht flexibel begegnen kann. Etwas Ähnliches stellt das königliche Paar dar, das keine Kinder kriegt; ein steriles Königshaus symbolisiert eine unfruchtbare Ideologie, die nichts bringt.

Wenn im Märchen das Leben im Land zu erstarren droht, taucht der Held auf, um den alten König zu ersetzen. Schwierig! Denn Manches im Reich ist verhext und kann nur unter Lebensgefahr erlöst werden. Die Ablösung des alten durch den jungen König stellt den Wandel der kollektiven Einstellung dar. Eine gefährliche Sache! Denn Erneuerung beginnt mit dem Untergang des Alten, und dagegen wehrt sich dieses mit Händen und Füssen. Es hält an der Tradition fest, und so kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod. Nie räumt das alte Prinzip freiwillig den Thron; es fühlt sich durch das Herkommen im Recht. In früharchaischen Kulturen wurde die Machtablösung drastisch gestaltet: Wenn es dem Land schlecht ging, musste der König dran glauben; denn er war ja das Land! Bei einem Regierungswechsel spricht man noch immer von einem "Köpferollen".

Was für die kollektive geistige Entwicklung gilt, gilt gemäß dem logogenetischen Gesetz auch individuell: Das kleine Kind lebt noch im Königreich seiner Eltern, die das Land regieren, und fühlt sich durch allzu viel Mitbestimmungspflicht überfordert. Doch mit fortschreitender Bewusstwerdung wird diese Phase überwunden, und man möchte immer mehr mitreden. Im Erwachsenen einer modernen Gesellschaft bleibt noch eine blasse Erinnerung an Zeiten, da einmal ein König herrschte [...] Solchen "Tempi passati" lässt sich nachhängen, wenn man in der "Glückspost" blättert und sich die News der Königshäuser zu Gemüte führt.

Literatur: Standard

Autor: Kaufmann, Rolf

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