Hermaphrodit

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Keyword: Hermaphrodit

Links: Alchemie, Androgynie, Anima, Animus, Coniunctio, Eros-Prinzip, Hermes, Mysterium coniunctionis

Definition: Gestalt aus der griechischen Mythologie die beide Geschlechtsmerkmale aufweist. Ursprünglich eine männliche Form der Aphrodite, die vor allem in Zypern verehrt wurde – Aphroditos.

Information: Keine

Interpretation: Hermaphrodit, die zwitterartige Verbindung aus dem Zeus-Sohn Hermes (Mutter: Maia) und der Zeus-Tochter Aphrodite (Mutter: Dione) drückt die in einem Körper vorkommenden geschlechtlichen Merkmale des Männlichen und Weiblichen aus. Das erinnert - analog zum Androgyn - an den platonischen Mythos von dem urtümlichen Kugelmenschen, der vor der Aufspaltung in die beiden Geschlechter existiert und den Neid der Götter auf sich gezogen habe. Hieraus seien Mann und Frau als eigenständige Wesen mit dem Bestreben entstanden, körperlich im Koitus sich von neuem zu vereinigen.

Dieser urbildliche Aspekt des Menschen, der auch in anderen Mythen zu finden ist und gemäß kabbalistischer Deutung des Buches Genesis (Kap. 1, 26 f) auch im Alten Testament vorkommt (Adam, Adam-Kadmon, Kabbala), wird in der religiösen Kunst, z. B. im Hinduismus in der Weise dargestellt, dass Menschen bzw. Götter ein je zur Hälfte männliches und weibliches Aussehen haben. Hingedeutet ist auf die ursprüngliche Einheit und Ganzheit von Mensch und Welt, deren Schöpfung gegebenenfalls durch einen androgyn angenommenen oder ungeschlechtlichen Schöpfergott in die Dualität und damit in ein neues Stadium des Seins eintritt. Daraus resultiert die Vorstellung, dass die anfängliche Ganzheit auf dem Weg einer Heilwerdung oder Erlösung am Ende der Tage von neuem wieder hergestellt werden möge. In der Ikonographie der spirituellen Alchemie, in der der Hermaphrodit keine originäre Bildschöpfung darstellt, sondern über Medizin und Astrologie auf Ovid zurück zu verfolgen ist, spielt das Zusammenwirken der geschlechtlichen Energien bei der chymischen Hochzeit eine wichtige Rolle. Das ihm zugeordnete Y symbolisiert durch die Vereinigung (Coniunctio) beider Potenzen Ausgang und Ziel des alchemistischen Werks. Der Hermaphrodit steht oft am Anfang und Ende des alchemischen opus. Die im Androgyn verbildlichten Stadien des opus werden meist mit Hermes (Mercurius) verknüpft.

C. G. Jung, der die Aussagekraft alchemistischer Texte und Bilder im Rahmen seiner umfassenden Studien zum (innerseelischen) Selbstwerdungsprozess (Individuation) zu nutzen wusste, um das "Mysterium Coniunctionis" (Jung, GW 14) tiefenpsychologisch zu beleuchten, stellt in seinen einschlägigen Werken die Funktion des Hermaphrodit heraus. Er kommt u. a. zur Feststellung, dass er den Hermaphrodit nie als Gestalt des Zieles beobachtet habe, wohl aber als Symbol des Anfangszustandes, nämlich als Ausdruck einer Identität mit Anima oder Animus.

Literatur: Standard

Autor: Wehr, Gerhard

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