Adam

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Keyword: Adam

Links: Adam, Kadmon, Christentum, Christus, Eva

Definition: Adam, gemäß dem biblischen Schöpfungsbericht Inbegriff des Menschen, der seine Existenz einem doppelten Ursprung verdankt.

Information: Einerseits ist er "der von der Erde Genommene" (hebr. adamah); dies begründet seine Gemeinsamkeit mit der gesamten Schöpfung, aber auch deren Vergänglichkeit. Andererseits verkörpert er das Ebenbild Gottes. Nach der einen Quelle, der sogenannten Priesterschrift Genesis 1, 26 – 30, stellt Adam die Krönung des Sechstagewerks dar. Daraus wird seine Gottähnlichkeit (nicht Göttlichkeit!) abgeleitet.

Interpretation: Adam ist der Repräsentant der Menschheit. Insofern ist jeder Mensch, Mann wie Frau Adam. Sie haben an seinem Sein wie an seinem Schicksal teil. Die grundlegende Bedeutung Adams tritt auch in der außerbiblischen Literatur der Religionsgeschichte in Erscheinung, etwa im Mandäismus, Manichäismus, im Koran (z. B. Sure 2, 30 ff; 7, 1 ff.). Jüdische und christliche Momente vermengen sich mit einer vielgestaltigen z. T. gnostisch gefärbten Adamüberlieferung. Er ist Sohn bzw. Tochter des göttlichen Vaters und unterliegt damit der daraus sich ergebenden Ordnung, d. h. einer seinem Schöpfer gegenüber unverbrüchlichen Gehorsamspflicht, deren Nichteinhaltung im Sündenfall, dem Ungehorsamsakt des Sündigens, den Bruch zwischen Gott und Mensch verursacht. Nach christlicher Deutung vermag der Mensch diesen Unheilszustand nicht aus eigener Kraft aufzuheben. Er bedarf eines Heilands oder Erlösers, der ihn in Gestalt Jesu Christi durch dessen Leiden und Sterben in den Ursprungszustand zurückführt und die unmittelbare Gottesnähe wieder herstellt.

Das Neue Testament (Römerbrief 5, 12 ff.) bezeichnet Christus als den "zweiten Adam" und den neuen Menschen, durch dessen Heilstat der erste Mensch, mit ihm die gesamte Menschheit – einst wie heute – erneuert worden sei. Es komme nun darauf an, dass der Einzelne dieser objektiven Tatsache im Glaubensakt seine subjektive Antwort gebe. Das habe für die Allgemeinheit unter dem Symbol der Taufe als sakramentaler Vollzug, in der Mystik durch den inneren Akt einer Wiedergeburt (im Sinne von Johannes 3, 3), d. h. einer spirituellen Erneuerung zu geschehen.

Die traditionelle Theologie in Judentum und Christentum betont die geschlechtliche Polarität des Menschen, die in Adam in Gestalt der Eva als Stammmutter der Menschheit veranlagt sei. Die gnostische bzw. mystische und theosophische Tradition in Judentum und Christentum setzt einen anderen Akzent, indem sie von der androgynen, d. h. von der männlich-weiblichen Ursprungsgestalt Adams spricht.

Der protestantische Theosoph Jakob Böhme (1575 – 1624) hebt darauf ab, indem er betont: So wie Christus das gefallene Menschenbild durch seinen Tod von neuem erhoben hat, so komme es darauf an, daß der Einzelne durch den Akt der Wiedergeburt seine verlorene männlich-weibliche Ganzheit wieder erlange.

"Als Christus am Kreuz unser jungfrauliches (d. h. geschlechtlich undifferenziertes) Bild wieder erlöste vom Manne und Weibe und mit seinem himmlischen Blute in göttlicher Liebe tingierte, als er dies vollbracht hatte, so sprach er: Es ist vollbracht [ [...] ] " (Mysterium magnum, Kap. 19, 7). Dieser laut N. Berdjajew (in: Bestimmung des Menschen) "einzige große anthropologische Mythus" vom Androgynen wurde unter Einbezug kabbalistischer Vorstellungen in der neueren Geistesgeschichte weiterentwickelt, z. B. bei Vertretern der Böhme-Schule, etwa Gichtel, Arnold, Swedenborg, Oetinger, Saint-Martin, Fr. von Baader u. a.

Literatur: Benz (1955), Betz (1977), Wehr (1986)

Autor: Wehr, Gerhard

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