Farbe

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Keyword: Farbe, allgemein

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Definition: Farben (ahd. faro, farawer = farbig, urspr. = gesprenkelt, bunt] sind mit dem Auge wahrnehmbare Erscheinungsweise der Dinge, die auf der verschiedenartigen Reflexion und Absorption von Licht beruht.

Information: Farbe ist nicht die Eigenschaft des gesehenen Lichtes, sie ist das subjektive Empfinden der physikalischen Ursache von elektromagnetischen Wellen zwischen 380 nm und 780 nm. Entsprechend der spektralen Farbvalenz (unterschiedliche Intensitäten im Licht) werden unterschiedliche Farbreize hervorgerufen und unterschiedliche Farbqualitäten erlebt, z. B. eine dunkle, helle, warme, kalte, giftige, grelle, knallige, schreiende, leuchtende Farbe. Die visuelle Wahrnehmung des Menschen erfolgt durch Rezeptoren, die sich auf der Netzhaut befinden, Stäbchen sind für Hell-/Dunkel-Kontrast zuständig, die Zapfen für die Farbwahrnehmung. Zapfen sind in drei Ausprägungen vorhanden, die ihr Empfindlichkeitsmaximum in den Spektralbereichen „Rot“, „Grün“ und „Blau“ haben. Farbe lässt sich auf Grund der drei Sorten Farbrezeptoren beim Menschen als dreidimensionale Eigenschaft darstellen.

Jede Kombination von Anregungen der drei Zapfenarten durch (Licht-)Strahlung die auf die Netzhaut trifft, bewirkt einen spezifischen Farbeindruck. Somit sind auch Schwarz (keinerlei Erregung), Neutralgrau und Weiß (volle und gleiche Erregung aller drei Zapfensorten) ebenfalls Farben, die aber als unbunte Farben benannt werden.

Die Spektralfarben, wie sie durch Brechung im Regenbogen oder hinter einem Prisma auftreten, enthält nur einige Farbwahrnehmungen.

Unter der Perspektive der Analytischen Psychologie C. G. Jungs erscheint die psychische Wirkung von Farbe als ein archetypisches Phänomen, das sich der Wirksamkeit eines archetypischen Feldes verdankt.

Da anschaulich erscheinend stellt Farbe nicht den hinter ihr stehenden unanschaulichen Archetypus selbst dar, sondern eine archetypische Erscheinung. Doch ist sie von dem jeweils hinter ihr stehenden und wirkenden Archetyp - als einer anthropologischen Konstante des Erlebens, Wahrnehmens und Abbildens - hervorgebracht.

Neurophysiologisch vermittelt wird das Farberleben sowohl durch die Wirkung optischer Reize der Außenwelt auf das Auge und Gehirn wie auch durch die Einwirkung der Schwingungsfrequenz des farbigen Lichtes und der entsprechenden Wärmestrahlung auf Atembewegungen, Herzpotenziale, Lidschlag, Blutdruck und palmare Hautleitfähigkeit.

Psychische Bereitschaft wie die affektive Ansprechbarkeit werden z. B. durch den Farbreiz Rot auf das Gehirn geweckt und aktiviert, wobei die Wahrnehmung des Rot sowohl durch den Blick z. B. in die rote Glut eines Feuers wie durch die Schwingungsfrequenz und Wärmestrahlung des Rot auf den gesamten Organismus ausgelöst wird.

Wie Rot ist eine jede Farbe Ausdruck eines bestimmten archetypischen Wirkungsfeldes, bestimmter psychischer Reaktionsbereitschaften, ist Ausdruck und Repräsentanz eines bestimmten Affektes, einer bestimmten Emotion. Welche Reaktionsbereitschaften die einzelnen Farben auslösen und ausdrücken ist in farbpsychologischen Untersuchungen experimentell erforscht und belegt worden (vgl. Pfister, Heiss-Halder u. a.), bis zu einem solchen Genauigkeitsgrad der Valenzen, dass aufgrund der vorliegenden Daten auch psychologische Tests entwickelt werden konnten (Farbpyramidentest, Lüscher-Test u. a.).

Ein anderer Weg der Farbforschung erfasst vor allem das Assoziationsfeld, das sich um die einzelnen Farben herum aufbaut, wobei typische kollektive und atypisch-individuelle Assoziationen zu den einzelnen Farben unterschieden werden können, was diagnostisch ausgewertet werden kann.

Interpretation: Hinter dem Assoziationsfeld zu einer Farbe lässt sich jeweils das archetypische Feld erschließen, das sich in bestimmten Symbolen - zu Blau z. B. die Blaue Blume der Romantik - konzentriert und ins Sichtbare verdichtet. Der Archetypus, dem sich die jeweilige Farbe verdankt, tritt am deutlichsten dort in Erscheinung, wo er sich in einer quasi archetypischen, oft göttlichen Gestalt, die ganz von der bestimmten Farbe erfüllt ist, zeigt. So kann in Hildegard von Bingens Vision eine personifizierte Gestalt der göttlichen Liebe Christi in flammendem Rot erscheinen. Da Rot aber, wie alle Farben doppelpolig, mit einem Plus- und einem Minuspol erfahrbar ist, psychologisch als Libido, in Gestalt von Liebes- und Aggressionsenergie, erscheint auch der römische Kriegsgott Mars in scharlachrotem Mantel.

In Untersuchungen von Riedel (2008) wurden zu jeder Farbe zentrale archetypische Gestalten, in denen sich das Assoziationsfeld und Symbolfeld gleichsam auskristallisiert, gefunden, zugleich aber auch die affektive Richtung und Reaktionsbereitschaft, in die Farben als Ausdruck und Repräsentanz von Emotionen weisen, herausgearbeitet. Die Perspektive der Analytische Psychologie ist hier mit Ansätzen und Ergebnissen der experimentellen Farbpsychologie und den auf ihnen basierenden Ausdruckswerten der Farben verbunden.

Wenn also Rot die "affektive Ansprechbarkeit, Möglichkeit zu impulsivem Reagieren: also Reizbereitschaft, Reizempfänglichkeit und Reizentladung" ausdrückt, so bedeutet es gleichsam die aktionsbereite Vitalspannung und die Bereitschaft zu affektiver Reaktion gegenüber der Reizwelt. Rot spielt gleichsam die Rolle eines "Triebspannungsindikators" (Pfister, Heiss-Halder).

Es verwundert auf diesem Hintergrund nicht, dass in zahlreichen Religionen die zentral verehrte Gottesgestalt als Zentrum der Lebens- und Liebesenergie in Rot erscheint: so zeigt sich z. B. in der alten christlichen Kunst Europas das Innengewand Christi und Mariens unter den blauen Himmelsmänteln als Farbe ihrer Liebeskraft, Farbe ihrer Inkarnation. Rot erscheint der Buddha Amihaba, eine Gestalt voller Erbarmen und Mitgefühl. Rot ist aber wie gesagt auch Mars, der Kriegsgott und rot sind viele der zornvollen Gottheiten Tibets. Die Doppelpoligkeit dieser Erscheinungen zwischen Symbolik der Liebe und der Aggressivität entsprechen den beiden emotionalen Polen des Rot als archetypischem Phänomen.

Des weiteren unterscheidet man im Allgemeinen von den drei primären, ungemischten Farben Rot, Blau und Gelb die sekundären, die Mischfarben, wobei die drei Mischfarben erster Ordnung, nämlich Violett (aus Rot und Blau), Grün (aus Blau und Gelb) und Orange (aus Rot und Gelb) sich jeweils aus der Verbindung zweier Primärfarben ergeben.

Die spezielle Stellung des Grün in der Farbordnung, eigentlich einer vierten zu den drei Primärfarben, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Im Regenbogen-Spektrum erscheint es als selbständige Farbe neben Rot, Blau und Gelb. Doch handelt es sich im Gegensatz zu den drei anderen, den ungemischten Primärfarben Rot, Blau und Gelb bei Grün zweifellos um eine Mischfarbe, sobald man sie als Farbsubstanz betrachtet, die man jederzeit aus der Verbindung von Blau und Gelb gewinnen kann.

Die Komplementärfarben wiederum, die nach längerem Ruhen des Auges auf einer bestimmten Farbe, z. B. Rot, anschließend spontan auf der Netzhaut erscheinen (in diesem Falle als Grün) und vor geschlossenen Augen wahrnehmbar sind, sind jeweils diejenigen Mischfarben, die sich aus dem Primärfarbenpaar ergeben, das der gewählten Primärfarbe gegenübersteht: zu Rot also Grün (aus Gelb und Blau); zu Blau also Orange (aus Gelb und Rot); zu Gelb also Violett (aus Blau und Gelb). Bei mehrfach gemischten Farben, z. B. Braun, muss die Komplementärfarbe ebenfalls aus Mischfarben erhoben werden: bei einem Rotbraun z. B. in Form eines bräunlichen Grün.

Neben kalten und warmen Färben unterscheidet man klare, gedämpfte, zarte und kräftige, grelle und sanfte. Als warme Farben, die zugleich einer extravertierten Einstellung (Extraversion) zugeordnet werden könnten, gelten schon seit Goethes Farbenlehre Rot, Orange und Gelb, so wie die kalten Farben, nämlich Grün, Blau und Violett, die nach Goethe einer introvertierten Einstellung Ausdruck geben. Diese Zuordnungen sind jedoch zu relativieren, da die Zuordnung von "kalt und introvertiert" keineswegs zwingend erscheint, so wenig wie die Zuordnung von warm zu "extravertiert".

Natürlich kommen die Farben in Bildkompositionen meist miteinander und in charakteristischen Zuordnungen und Verteilungen vor, die neben dem emotionalen, auch den seelischen und geistigen Ausdruckgehalt des Bildes ausmachen, der bei der gemeinsamen Interpretation zu erheben ist.

Literatur: Standard, Riedel (2008)

Autor: Riedel, Ingrid

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