Kloster

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Keyword: Kloster

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Definition: Ein Kloster ist ein von der Außenwelt abgeschlossener Gebäudekomplex, worin Menschen leben, die dem Ordensstand der Kloster-Leute angehören und dem weltlichen Leben entsagen. Ein Kloster umfasst in der Regel eine Kirche, Unterkünfte, Wirtschaftsgebäude, Ställe, Scheunen und ein Gästehaus.

Information: Kloster ahd. klostar. Das Kloster wurde vom römischen Christentum importiert, dessen Kloster-Wesen vornehmlich durch die Gründung des Benediktinerordens (529n. Chr) geprägt wurde. Clostrum bezeichnete im Kirchenlatein die Klausur, die abgesperrten, für Weltleute unzugänglichen Räume: den durch den Lettner abgetrennten Chor der Kirche mit Altar und Chorgestühl, die Zellen (lat. cella: Stübchen, Vorratskammer) sowie das Refektorium (Speisesaal). Bereits im 6. Jh. wurden weitere zum Kloster gehörige Wörter wie Abt, Mönch, Nonne, Münster eingedeutscht: Mönch: mhd. münich (München: Stadt der Mönche) lat. monachus grch. mon-achos: Ein-Siedler. Das Monasterium war ursprünglich eine Klause, wo ein der Welt entsagender Mönch alleine lebte. Benedikt von Nursia (um 480-547), "Vater des Abendlandes", verwandelte Monasterien in Koinobien (Gemeinschaftszentren grch. koinos, gemeinsam, und bio-, leben); doch der Name "Monasterium" blieb. Seit dem 6. Jh. verloren Einsiedeleien im Abendland spürbar an Bedeutung, ohne je ganz zu verschwinden.

Da für Laien die Kirche die Hauptsache an einem Kloster war, wurde Monasterium mit der Zeit zur Bezeichnung einer Klosterkirche: mhd. Munistiri nhd. Münster. Da diese oft bedeutend waren, nannte man mit der Zeit alle bedeutenden Kirchen (vorwiegend im Süden Deutschlands) Münster. Im Norden hießen sie Dom (lat. domus: Haus). Die Kirche eines Bischofssitzes hingegen war eine Kathedrale (grch. kathedra: Sitz, Lehrpult). Die Blütezeit der Klöster Europas war das Früh- und Hochmittelalter. Europa war damals Entwicklungsgebiet. Klöster bildeten gut vernetzte Inseln von Gelehrsamkeit, Spiritualität, Kultur, praktischer Nächstenliebe und technischem Knowhow für Landwirtschaft, Bauwesen und Handwerk. Die Mönche waren Adelige und mussten im Kloster ungewohnt Hand anlegen; zur Erleichterung erfanden sie Maschinen. Die Klöster hatten Pionierfunktion; Kloster-Schulen wie -Berufslehren waren begehrt. Im Spätmittelalter bewirkten Reichtum und Macht der Klöster deren Niedergang.

Interpretation: Die Tiefenpsychologie erkennt im Kloster ein Symbol der Introversion: Man zieht sich aus den Verflechtungen mit seiner Umwelt zurück, um wieder zu sich selber finden zu können. Jeder Mensch braucht von Zeit zu Zeit solche Mauern um sich. Der geschützte Raum zur Selbstfindung ist oft nicht leicht zu finden. Umso nötiger wäre das Angebot von Klöstern, Orten der Stille und Besinnung. Jeder Mann hat den Archetyp des Mönchs und jede Frau den Archetyp der Nonne in sich, die mit leben und sich entfalten möchten. Allerdings sucht dieser heute eine neue Gestalt. Es braucht heute neue Kloster-Gelübde, etwa: "Einfach, wahr und klar werden." Wenn das Kloster-Leben nicht mehr mit den drei überholten Versprechen: "Keuschheit, Gehorsam und Besitzlosigkeit" verknüpft wäre, hätten Klöster wieder Zulauf und würden zu Quellen der Kraft. Das Kloster stirbt, um in neuer Form auferstehen zu können.

Literatur: Standard

Autor: Kaufmann, Rolf

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