Klitoris

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Keyword: Klitoris

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Definition: Klitoris (auch: Clitoris, Kitzler) englisch: Clitoris

Die Klitoris ist das zentrale weibliche Geschlechtsorgan, das wesentlich für den weiblichen Orgasmus ist.

Information: Die Klitoris befindet sich am Ende der kleinen Schamlippen und besteht aus zwei Schwellkörpern und der Eichel. Als Körperteil besteht die Klitoris aus der Basis, dem Schaft und der Eichel. - Sie ist entwicklungsbiologisch analog der Eichel und den beiden Penisschwellkörpern -. Sie ist unter einer kapuzenartigen Vorhaut verborgen, die ein Teil der kleinen Schamlippen sind. (Bertolini, 1979) Wird diese zurück gezogen, erscheint die etwa linsengroße "Eichel", die auch als "Perle" bezeichnet wird. Bei der erwachsenen Frau misst Sie durchschnittlich 16 Millimeter von der Basis bis zur Eichel (Glans clitoridis) (Angier, 2002, S. 94) Mit ca. 8000 Nervenfasern ist die Klitoris mit der höchsten Dichte von Nervenfasern im menschlichen Körper ausgestattet (Angier, 2002 S. 94), was vornehmlich dem Lustgewinn dient. Die Arten der Masturbation/ Selbstbefriedigung werden nach Shere Hite in sechs Grundtypen unterschieden, wonach 73 % die Klitoris-Vulvazone in Rückenlage stimulieren, 5, 5 % dies in Bauchlage vornehmen, 4 % die Klitoris-/ Vulvazone gegen einen weichen Gegenstand reizen, 3% rhythmisches Zusammenpressen der Oberschenkel, 2 % mit Wassermassage der Klitoris-Vulvazone, 1, 5% mit Vaginaleinführung und 11 % der Frauen masturbieren auf mehr als eine der angeführten Arten. (Übersicht entnommen von S. 60, Hite 1977)

Der Name Klitoris stammt vom Griechischen Kleitoris, und bedeutet ‚kleiner Hügel’, Erhebung oder nach anderer Auslegung das Verschlossene (Pfeifer, 1989, S. 864). Kleitor (Klitor) ist der Name einer schon lange zerstörten nordarkadischen Stadt nahe dem Dorf Klitoras gelegen. (Meyers Kleines Konversationslexikon, Leipzig und Wien, 1909, S. 44)

Der Begriff ist schon bei den griechischen Ärzten bezeugt, findet in latinisierter Sprache (Clitoris) in der medizinischen Literatur Anwendung. (nachgewiesen 1716, Pfeifer 1989).

Eine andere Quelle bezieht sich auf das griechische Wort "kleis" für Schlüssel oder aber von der Verbwurzel "klinein ", sich stützen oder neigen (wovon klinê = Bett, abgeleitet ist). „ Dies lässt der erotischen Fantasie durchaus genügend Spielraum“ (Angier, 2002, S. 98).

Das chinesische Ideogramm etwa setzt sich aus yin für weiblich und ti, für Stängel zusammen, da der Stängel der Aubergine einer Klitoris ähnelt." (ebenda)

Kultur-und religionsgeschichtliche Zusammenhänge:

Kleite ist der Name einer Königin der Amazonen, die zugleich Urahnin der Kleitae, eines Stammes kriegerischer Frauen war, die eine Stadt in Italien gründeten. (nach Walker 1977, S. 549) Im antiken Korinth "war Kleite eine Prinzessin, die Artemis lang und schlank wachsen ließ’, eine Allegorie ihrer Erektion." (zitiert nach Walker, 1977).

"Weil die Form des Diamanten ein archaisches Symbol der Klitoris war, wurde der Vajra (sanskrit: Juwel, Phallus oder Blitz, d. A.) möglicherweise als eine vergrößerte, männliche Version der Klitoris angesehen." (Walker 1977, S. 1124)

Im 17. und 18. Jahrhundert trugen Frauen am spanischen Hof Korsettkleider dergestalt, dass die schneppenförmigen Mieder, die in einem langen spitzen Winkel ausliefen, die Aufmerksamkeit des Betrachters suggestiv "ins Tal der Freude" lenkten. (Duerr, 1999, S. 226) Es sei sogar eine Korsettstange zwischen die Oberschenkel gesteckt worden, die die Klitoris beim Sitzen stimulierte. (ebenda)

Zur Genitalbeschneidung: "Kein anderes Körperteil wurde über Jahrhunderte so verteufelt wie die Klitoris. Sie wurde als Teufels-Mal verabscheut, verstümmelt und gemieden, teilweise bis heute." (Raschka) Die Klitoris wird bei allen Formen der Genitalverstümmelung einbezogen. Als Gegenpol zur lebendigen Integration stellt sich die Opferung von Körperteilen, hier dem Herausschneiden der Klitoris oder und der kleinen oder und großen Schamlippen dar. Die wachsende Selbstbestimmung der Frau im Rahmen der Menschenrechte, auch dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, gewinnt immer mehr Unterstützung.

Eine angemessene Wertschätzung erfährt die Klitoris mit den Worten: "Sie ist unverzichtbar, oder zumindest sehr zu empfehlen. Sie ist vielseitig, großzügig, fordernd, tiefgründig, leicht und dauerhaft. Sie besitzt eine chamäleonartige Fähigkeit, ihre Bedeutung den jeweiligen Umweltbedingungen anzupassen. Wie Bachs Musik lässt sie sich immer wieder neu interpretieren und aktualisieren." (Angier, 2002, S. 107)

Häufig fehlt das Stichwort Klitoris in Wörterbüchern, in Symbollexika oder in erotischen Darstellungen, in denen aber der Penis und die Vagina enthalten sind.

Im Handwörterbuch der Sexualwissenschaft von 1925 wird der Klitoris ein ausführlicher Abschnitt gewidmet. Die Analogie zum männlichen Penis ist klar. Interessant ist der Vergleich mit der Klitoris der Affen, die bei einigen Arten "eine Länge von 6-7 cm erreichen kann und damit sogar im einzelnen Falle das männliche Glied übertrifft. Diesen Größenverhältnissen gegenüber scheint sich die menschliche Klitoris in Rückbildung zu befinden." (Marcuse 2001 S. 372) Dieser Tatbestand könnte Freuds Auffassung, dass die Klitoris ein reduzierter Penis sei, unterstützt haben, zumal Freud in diesem Handwörterbuch 2 Stichwörter selbst behandelte (Libido und Psychoanalyse).

In Abhängigkeit von der Erziehung der Eltern und der wichtigen Bezugspersonen einschließlich des kulturellen Umfeldes werden die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane wie die Klitoris, die Schamlippen und der Scheideneingang als positiver weiblicher Körperbereich gespiegelt, oder als negativer oder ganz geleugnet. Da die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane weniger als die männlichen sichtbar sind, gibt es mehr Raum für Projektion von Phantasien (Green 2004)

Interpretation: Die Klitoris ist das verdeckte Lustorgan der Frau per se. Die Klitoris wird durch Scham geschützt. Von ihr, der Klitoris zu sprechen, ist ein öffentliches Tabu. Wenn zwei Frauen davon sprechen, ist es ein tiefer Vertrauensbeweis bei einer reifen intimen Beziehung, oder eine Obszönität, wenn Neid oder Hass dominieren. Das gilt ebenso zwischen Frau und Mann. Ferenczi 2004 sprach von der Klitoriserotik, die er allerdings der Erotik der Vagina in Anlehnung an Freuds Vorstellung gegenüberstellte. (vgl. Ferenczi 2004, S. 191)

Als persönliches Symbol kann die Klitoris als entsprechend geformter Stein in einem Ring von einer Frau mit Stolz getragen werden (mündliche Mitteilung von Kolleginnen).

Die Klitoris wird in Psychotherapien selten als einzelnes Organ oder Teil des Körpers erwähnt. Eher tritt ihre Erwähnung im Zusammenhang mit Orgasmus, Lust, Selbstbefriedigung und sexuellen Schwierigkeiten auf.

Da es sich um ein Geschlechtsorgan handelt, ein Genital, taucht es als symbolisches Organ in der phallischen (besser phallisch/ klitoridalen) Entwicklungsphase auf.

Beispiel aus der Psychotherapie: Bei selbstdestruktivem Verhalten – eine Patientin zerkratzte ihre Haut in etwa 3x3 mm großen Arealen. Als dies der Patientin fragend als zerstörte K. gedeutet wurde, konnte sie darüber sprechen, dass sie weder ihre Klitoris noch ihre Vagina sich vorstellen könne. Das sei ein dunkler Bereich.

Literatur: Standard

Autor: Alder, Stefan

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