Blüte

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Keyword: Blüte

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Definition: Eine Blüte (ahd. bluota= Blühen, Blüte, zu blühen) ist die in tausenden Formen und meist leuchtenden sich herausbildender Teil einer Pflanze, der der Hervorbringung der Frucht und des Samens und damit der Fortpflanzung dient.

Information: Keine

Interpretation: Aufgrund der harmonischen Anordnung ihrer Blätter um ein Zentrum herum gilt sie als Bild für Vollkommenheit und Schönheit; in un- oder halbgeöffnetem Zustand sieht man in ihr die Entfaltung zur Reife und somit auch die Reinheit und Unschuld, die auch dem noch jungen Menschen, vor allem dem Mädchen zugeschrieben werden. Hat sich die Blüte geöffnet, symbolisiert sie den krönenden Abschluss, z. B. des Prozesses des Körperlichen zur Geschlechtsreife oder des Seelischen – das in der Regel eine längere Zeit benötigt – zum Wesentlichen, zur Individuation, zum Selbst.

Blüten und Blumen werden von den meisten Menschen als schön empfunden, sie entfalten ihre Schönheit jedoch unabhängig von einem Betrachter, oft auch an Stellen, die unansehnlich sind, wie z. B. an Schuttplätzen, von daher symbolisieren sie auch Absichtslosigkeit und Demut. Andererseits sind sie abhängig von Erde, Sonne und Regen, dies lässt an ausgeliefert sein, an passive Hingabe denken. Da sie meist rasch verblühen, stehen sie mit Vergänglichkeit, Vergehen von Zeit und mit dem Tod in Verbindung.

Blüten erhalten durch Zuordnung von Farben entsprechende Sinnhaftigkeit, sie werden auch in der Kunst (Blaue Blume bei Novalis; Ikebana, Kunst des Blumensteckens in Japan), in der Religion (Rose als Symbol für das Blut Christi und der Maria) und der Philosophie (Lotos als Bild der Vollkommenheit im Buddhismus; Goldene Blüte im Taoismus) als Ausdruck für das Höchste verwendet.

Im therapeutischen Prozess kann das Gestalten von Blüten in den Lieblingsfarben des/der Betreffenden sinnvoll sein, um sowohl die mit der Schönheit der Blüten verbundenen Gefühle hervorzurufen und dann mit ihnen zu arbeiten, als auch das Zarte, Empfindsame des Analysanden oder der Analysandin bewusst werden zu lassen. Aber auch die Vergänglichkeit alles Materiellen – und sei es noch so schön wie eine Blüte – kann die Bedeutung der Achtsamkeit und des bewussten Wahrnehmens des jeweiligen Augenblicks zugänglich machen.

Auf eine besondere Blüte, die "Goldene Blüte" soll hier noch näher eingegangen werden. Diese Vorstellung aus dem chinesischen Taoismus symbolisiert das Höchste: das klare Licht, das frei von Geburt und Tod ist. Die Goldene Blüte meint die Einheit von Leben und Bewusstsein, sie wird als poetischer Ausdruck für die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten verwendet. Es gibt es noch viele andere Bezeichnungen für diese Geschehen: "Innerer Zinnober", "Inneres Elixier", das "Gelbe Schloss", das "Himmlische Herz", der "purpurne Saal der Nephritstadt", das "Drachenschloß auf dem Grund des Meeres", der "Urpaß", das "Reich der höchsten Freude", das "grenzenlose Land", um nur einige zu nennen. Offenbar lassen sich solche Vorstellungen am besten in poetischer Form, in Metaphern oder Gleichnissen ausdrücken, da sie ja jenseits des Denkens liegen.

Ein alchemistischer Text "Geheimnis der Goldenen Blüte" beschreibt einen Weg in der Mystik der taoistischen Lehre, der dem Adepten die nötigen Kenntnisse über diesen Vorgang vermittelt und ihn aufgrund entsprechender Übungen zur Befreiungen aus dem Rad der Wiedergeburten führt – ähnlich der buddhistischen Lehre."Aber wenn man sich an die Arbeit macht, muß man vom Offenbaren ins Tiefe, vom Groben ins Feine vordringen. Alles kommt darauf an, dass es keine Unterbrechung gibt. Anfang und Ende der Arbeit muß eins sein. Dazwischen gibt es kühlere und wärmere Momente, das ist selbstverständlich. Aber das Ziel muß sein, des Himmels Weite und des Meeres Tiefe zu erreichen, dass alle Methoden ganz leicht und selbstverständlich erscheinen, dann erst hat man es in der Hand." (Wilhelm, R., Jung, C. G., 1996, S. 95)

C. G. Jung, der in R. Wilhelm, einem sehr erfahrenen Sinologen, einen interessanten Gesprächspartner fand, entdeckte in der Schrift vom Geheimnis der "Goldenen Blüte" vieles, was auch seine Psychologie betraf, worauf er einen Kommentar zu dieser geheimnisvollen chinesischen Lehre schrieb."Es handelt sich – rein psychologisch genommen – um gemeinsame Instinkte des Vorstellens (Imagination) und des Handelns. Alles bewußte Vorstellen und Handeln hat sich über diesen unbewußten Vorbildern entwickelt und hängt mit ihnen stetig zusammen, namentlich dann, wenn das Bewußtsein noch keinen zu hohen Helligkeitsgrad erreicht, d. h. wenn es noch in allen seinen Funktionen vom Trieb mehr abhängig ist, als vom bewußten Willen, vom Affekt mehr als vom rationalen Urteil." (Wilhelm, R., Jung C. G., 1996, S. 16). Als Methode für den westlichen Menschen zur Erlangung der Einheit von Leben und Bewusstsein empfahl Jung die, von ihm in die Psychotherapie eingeführte, Aktive Imagination.

R. Wilhelm gibt eine sehr anschauliche Einführung in das "Geheimnis der Goldenen Blüte": "Das Werk vereint buddhistische und taoistische Meditationsvorschriften. Die zugrunde liegenden Anschauung ist, dass bei der Geburt der beiden seelischen Sphären des Bewußten und Unbewußten auseinander treten. Das Bewußte ist das Element des individuell Gesonderten, das Unbewußte ist das Element des kosmisch Verbundenen. Auf der Vereinigung der beiden im Weg der Meditation beruht das Prinzip des Werkes." (Wilhelm, R., Jung, C. G., 1996, S. 144).

Grundgedanke der Schule des Inneren Elixiers ist, dass die drei Lebenskräfte des Menschen, Ching (Samen), Chí (Luft, Hauch, Äther, Energie)und Shen (Gottheit, Geist), jeweils einen materiellen, sichtbaren Aspekt aufweisen, der im Inneren des Körpers wirksam ist, und einen immateriellen, unsichtbaren, der im Universum wirkt. Ziel [...] ist es, im meditativen Atemprozeß die Essenz zu läutern und in Chi umzuwandeln und dann Chi zu läutern und in Shen zu transformieren [...]. Die letzte Stufe des Weges besteht darin, den Geist zu läutern und ins absolute Sein zurückzukehren [...] und die Verbindung des Selbst mit dem Universum zu erleben.

Dies entspricht dem Prozess der Individuation.

In der Psychotherapie kann das Symbol der "Goldenen Blüte"' helfen, sich bildhaft den Prozess der Läuterung, den Weg zur Individuation vorzustellen. Sowohl die Aktive Imagination, als auch das Malen oder Tonen der ‚Goldenen Blüte' kann bei Menschen, die eher extravertiert nach außen leben, die Umkehr, die Linksdrehung, zur Introversion bewirken, die der Individuationsprozess verlangt.

Literatur: Standard, Wilhelm/Jung (1996)

Autor: Seifert, Ang Lee

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