Neun

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Keyword: Neun

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Definition: neun: Das gemeingerm. Zahlwort mhd., ahd. niun, got. niun, engl. nine, schwed. nio beruht mit Entsprechungen in den meisten anderen idg. Sprachen auf idg. neuoen - neun, vgl. z. B. aind. náva, lat. novem und griech. ennéa. Das idg. Zahlwort gehört vielleicht zu dem unter neu behandelten idg. Adjektiv. Die Neun wäre dann als òneue Zahlñ (in der dritten Viererreihe) benannt worden, vgl. den Artikel acht.

Information: Symbolisch entspricht die Neun oft einer potenzierten Drei (3x3). Sie kann somit einen gelungenen Ausgleich, eine erfolgreiche Synthese oder die geglückte Bewältigung einer (schwierigen) ambivalenten, polaren Situation und auch die Vollkommenheit andeuten. In Träumen steht sie gelegentlich für Neubeginn und Neugeburt – wohl in Analogie zur neunmonatigen Schwangerschaft beim Menschen.

Vergleichende kulturgeschichtliche Forschungen legen nahe, dass die Neun immer in Kulturen mit vorherrschenden Mondgottheiten besondere symbolische Bedeutung bekam. Auch im Pythagoreismus der Antike galt sie als weiblich und wurde mit der Gerechtigkeit in Verbindung gebracht.

Gemäß der neoplatonischen Auffassung „Alle Wesen haben Gestalten, weil sie Zahlen haben; nimm ihnen diese und sie werden nichts sein“ des Kirchenvaters Augustinus wurde im christlichen Verständnis die Neun zur Zahl der Engel.

Im Islam wurde die Neun dem neunten arabischen Buchstaben Ta zugeordnet, der Gott als Tahir, d. h. als Heiligen kennzeichnet. Seine mystischen Richtungen praktizieren seit ihrer Entstehung ein von der rabbinischen Zahlenspekulation angeregtes Verfahren, das als Hisab al Dschumal – Errechnen der Summe - bezeichnet wird.

Johannes Kepler deutete das von ihm physikalisch weiterentwickelte heliozentrische System zahlensymbolisch aus. Die Strukturen, die ihm als unbeweglich galten, setzte er zur Heiligen Dreifaltigkeit in Beziehung. Danach entsprachen die Sonne dem schaffenden und lebensspendenden Vater, die Fixsterne dem Sohn und der zwischen ihnen liegende Raum dem Heiligen Geist. In dieser Dreierordnung der kosmischen Ruhe bewegten sich streng gesetzmäßig die sechs Planeten, deren Zahl genau dem Sechstagewerk entsprach. Somit wurde die Neun bei Kepler zum Ganzheitssymbol, das die Trinität und die in ihr vollständig enthaltene Schöpfung bezeichnete. Durch derartige Vorstellungen bekam das neue Weltbild eine theologische Weihe, die der des alten in nichts nachstand. Auch wurden die astronomischen Zahlenspekulationen Keplers bereitwillig von den Hermetikern seiner Zeit übernommen und in ihre Systeme der Welterklärung integriert.

Durch die Entdeckung von Uranus, Neptun und Pluto entstanden später zwar gewisse Schwierigkeiten, die aber durch Umdeutung beseitigt werden konnten, indem z. B. die kosmische Ganzheitsneun heute auf die bekannten neun Planeten unseres Sonnensystems bezogen wird.

Interpretation: In der deutschen Gegenwartssprache tritt die Neun in folgenden Redewendungen auf: Alle Neune! (Dieser anerkennende Ausruf vom Kegeln wird auch auf Situationen übertragen, wo auf Grund von Ungeschicklichkeit Dinge geräuschvoll zusammen- oder herunterfallen.); Ach, du grüne Neune! (Ausruf der Verwunderung oder des Erschreckens); jemanden mit der neunschwänzigen Katze (also mit einer Peitsche aus neun Riemen mit je einem endständigen Knoten) drohen; Beethovens Neunte zelebrieren (also Beethovens 9. Sinfonie feierlich oder mustergültig aufführen).

Auch erscheint die Neun in den Adjektiven neunmalgescheit, neunmalklug und neunmalweise, die alle drei die gleiche Eigenschaft bezeichnen – nämlich die, alles besser wissen zu wollen. Kinder, die zugleich besserwisserisch und vorlaut sind, nennt man im noch wohlwollenden Sinne neunmalkluge Naseweise.

Fallbeispiel: Ein Träumer kam in einem Fahrstuhl, der sich von oben nach unten bewegte, vom siebenten über das achte zum neunten Stockwerk. Zwischen den beiden letzten Etagen befand sich noch ein besonderer Raum, über dessen Beschaffenheit und Inhalt er nichts zu sagen wusste. Der Durchlaufsinn mit der verkehrten Reihenfolge der Stockwerke bezeichnete im Traum zugleich das Durcharbeiten der Komplexe in der Therapie und seine homoerotischen Regungen, während der besondere Raum bisher sorgfältig Verschwiegenes symbolisierte, das der erhofften Genesung und dem erwünschten Neubeginn – ausgedrückt durch das Ankommen in der neunten Etage – entgegen stand.

Literatur: Standard

Autor: Fritzsche, Bernd; Heinke, Ellen