Hochhaus

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Keyword: Hochhaus

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Definition: Als Hochhäuser bezeichnet man Häuser, die mindestens 61/2 Stockwerke oder 30 m hoch sind.

Information: Voraussetzung für den Bau von Hochhäusern war einerseits die Erfindung eines Stahlskeletts, das die Außenmauern, die dann leichter werden konnten (Glas) trug, andererseits die von Fahrstühlen. Bereits vor dem ersten Weltkrieg erreichte man mittels dieser Neuerungen eine Bauhöhe von 265 m. Das Empire-State Building, das man 1929 zu bauen anfing, hielt lange mit 380 m und 102 Etagen den Höhenrekord, es wurde nach dem 2. Weltkrieg nochmals um 67 m erhöht. Das höchste Hochhaus ist derzeit (08. 2010) das Burdsch Chalifa in Dubai mit 830 m und 163 Etagen.

Interpretation: Angesichts der mit ihrem Bau verbundenen technischen Probleme und Kosten gelten Hochhäuser vor allem als Symbole der modernen Industrienationen. Indirekt werden sie so auch zu Symbolen des Wohlstandes und der Macht ihrer Erbauer. Nicht zuletzt war wohl dieser Symbolcharakter von Stärke und wirtschaftlicher Überlegenheit mitbestimmend dafür, dass das weltbekannte World Trade Center in New York mehrfach zum Ziel terroristischer Anschläge wurde und am 11. September 2001 durch einen schrecklichen Terroranschlag mit grausamen Folgen zerstört wurde.

Hochhäuser gelten aber nicht nur als Wahrzeichen wirtschaftlicher Potenz. Sie werden beispielsweise auch als "Termitenhügel" bezeichnet. Damit wird die Hochhaussiedlung zum Symbol anonymer Massenunterkünfte. Hochhaussiedlungen werden zum Synonym der Vereinzelung ihrer Bewohner in der Masse und auch von sozialen Brennpunkten der Großstädte. In der, durch die aus dem übrigen Häusermeer herausragenden Bauten gebildete "Skyline" der modernen Großstädte, stehen sich die Wolkenkratzer von Banken- und Versicherungsgebäuden und die Wohngettos gegenüber.

In der Tiefenpsychologie gilt das Haus allgemein als ein Symbol für den Menschen selbst. Das Haus im Traum stellt dar, wie er außen und innen beschaffen ist. Ein Hochhaus ist dabei eines, das sozusagen in den Himmel wächst, von dem aus man auf die anderen hinunterschauen kann, das Macht, Stärke und Potenz ausdrückt. Die in Relation zum schmalen Fundament überdimensionierte Höhe und das Herausragen aus dem Schutz anderer Gebäude macht das Hochhaus aber auch gleichzeitig vulnerabel. Eine bereits geringe Störung an seinem Fundament kann es wie ein Kartenhaus zum Einsturz bringen. Diese Vulnerabilität wird deutlich im Traum einer depressiven Patientin: die Träumerin ist hoch oben in einem Hochhaus und sieht aus dem Fenster auf die Häuserfassaden der gegenüberliegenden Straßenseite. Plötzlich fällt eines dieser Häuser zusammen, dann nacheinander alle. Es waren aber keine Häuser, sondern nur Fassaden gewesen, was sie vorher schon deutlich gesehen hatte. Sie dachte voller Angst, dass sie in eine untere Etage laufen müsste, da das Hochhaus auch jeden Moment einstürzen könnte.

Aber auch das Hochhaus als Motiv der Vereinsamung und Isolation findet sich in der symbolhaften Ausgestaltung psychischer Inhalte. Eine junge Frau mit einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, die durchgehend verwirrt in ihrem Denken erschien und kaum mit anderen Menschen kommunizierte, äusserte in einer Gruppensitzung scheinbar völlig zusammenhanglos, es sei schade, dass hier in ihrem Umfeld keine Hochhäuser, wie etwa in New York, zu finden seien. Die Frage nach der Bedeutung dieser sinnlos anmutenden Äusserung ergab, dass diese eine Reaktion auf eine emotional belastende Schilderung einer anderen Gruppenteilnehmerin darstellte. Die Patientin meinte, dass sie in der Anonymität eines solchen Hochhauses nicht mit der sie belastenden Geschichte konfrontiert worden wäre.

Literatur: Standard; Heine E. W.: (1986): New York liegt im Neandertal. Die abenteuerliche Geschichte des Menschen von der Höhle bis zum Hochhaus

Autor: Junghan, Marianne