Acht: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Keyword:''' Achse
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'''Keyword:''' Acht
  
'''Links:''' [[Rad]] [[Vier]] [[Weltachse]] [[Quadrant]] [[Zentrum]]
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'''Definition:''' fachsprachlich: "ortsfeste Gerade inmitten eines Systems"; umgangssprachlich: "Gerade (n), die einen Raum/Körper in gleiche Teile teilt (teilen); Mittelstück sich drehender Räder".
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'''Definition:''' mhd. aht, ahd. ahto; bezeichneten vermutlich die beiden Viererspitzen (der Hände ohne Daumen); urspr. Zahl eines alten Vierersystems.
  
'''Information:''' Die ethymologische Herkunft ist nicht eindeutig:
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'''Information:''' Die Acht besitzt die Teiler 1, 2, 4 und 8. Aus arithmetischer Sicht ist sie damit echt teilbar und stellt die vierte gerade natürliche Zahl dar.
  
1. kann Achse gemeinsam mit "Achsel" auf idg. ages zurückgehen, eine Bildung zur Verbalwurzel ag = "(mit geschwungenen Armen) treiben". Demnach bedeutete Achse ursprünglich etwa "Drehpunkt (der geschwungenen Arme)" oder "Schulter samt den geschwungenen Armen".
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'''Interpretation:''' Vor- und Frühgeschichte: Vergleichende kulturgeschichtliche Forschungen legen nahe, dass die Acht immer in Kulturen mit vorherrschenden Sonnengottheiten symbolische Bedeutung bekam.
  
2. kann ethymologisch auch ein Anschluß an "ak (es)" angenommen werden, was "Spitze, Granne" bedeutet und zur Vorstellung führt, die Radachse ist die Spitze, an der das Rad aufgehängt ist, denn schon im Altgermanischen wird damit die Radachse bezeichnet.
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Alter Orient: Im Yi-jing, das auf der bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückgehenden taoistischen Überlieferung Chinas fusst, unterscheidet man acht Trigramme, die das Spiel der kosmischen Kräfte aufzeigen sollen. Ferner verehrt man etwa seit dem 11. Jahrhundert n. Chr. im Taoismus und im Volksglauben allgemein eine Gruppe von acht Unsterblichen.
  
In der Politik dient der Begriff der Achse zur Bezeichnung einer besonderen Verbindung: "Achsenmächte" (2. Weltkrieg); in neuester Zeit: "Achse des Bösen", woraus Kritiker dieser amerikanischen Metapher die "Achse der Blöden" entstehen ließen.
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Auch in [[Buddhismus]] und Hinduismus spielt die Acht eine wesentliche symbolische Rolle. So kam Siddhartha aus der Sippe Gautama nach siebenjähriger meditativer Zurückgezogenheit im achten Jahr seiner „Hauslosigkeit“ zunächst zu der Erkenntnis des „mittleren Weges“ und dann zur Erleuchtung und begann, als Buddha mit der Predigt von Benares das „Rad der Lehre“ in Bewegung zu setzen. In dieser Predigt verkündete er fünf Einsiedlern die „vier edlen Wahrheiten vom Leiden“. Die vierte davon war der „edle achtfache Weg“, der über die acht Stufen rechte Ansicht, rechtes Entschliessen, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung zum Nirvana und damit zur Aufhebung des Leidens führt. Deshalb weisen bildliche Darstellungen des Rades der Lehre immer acht Speichen auf. Und in den auf brahmanischem Gedankengut beruhenden Sutras des Patanjali, die etwa 200 v. Chr. entstanden, wurde der achtgliedrige Pfad des klassischen Yoga erstmals formuliert.
  
Die grafische Darstellung der A., etwa durch steinzeitliche Felsritzungen, ist eines der frühesten Ideogramme der Menschheit: Bereits im Mittelpaläolithikum (Achse vor 150000-50000 Jahren) entwickelte sich aus der Entdeckung des Kardinalpunktes durch Beobachtung der Gestirne die Vorstellung der Weltachse, die die beiden Kardinalpunkte (Ost/West) als Linie verbindet. Das auch in dieser Zeit entstandene Ideogramm des Linienkreuzes zeigt, dass bald die Vorstellung der senkrechten [[Weltachse]] hinzukam, die Oben und Unten verbindet und die Ost-Westachse in deren Mittelpunkt schneidet. Während die Konstruktion der horizontalen Achsen auf empirischer Beobachtung beruhte (Empfindungsfunktion), konnte die vertikale Weltachse nur aufgrund eines reinen Denkaktes erschlossen werden. Aus dem Zusammenwirken dieser beiden Orientierungsfunktionen des menschlichen Bewusstseins war die Chiffre kosmischer Orientierung und Ordnung entstanden: Aus dem Schnittpunkt beider Weltachsen erhielt die Welt einen Mittelpunkt, vier Himmelrichtungen, die sich in vier gleichen Winkeln ("rechten Winkeln"!) im Mittelpunkt treffen bzw. aus ihm entspringen; die Vierzahl, [[Archetyp]] der [[Ganzheit]] und materiellen Ordnung, manifestiert sich in den beiden Weltachsen, die als mathematisches Koordinatensystem jede Erdvermessung und kartographische Darstellung ebenso wie Darstellungen algebraischer Funktionen oder statistischer Erhebungen ermöglichen. Die senkrechte Weltachse im Mittelpunkt der Welt wird zur Weltsäule, die Ober- und Unterwelt verbindet. Bereits im Jungpaläolithikum wurden die zwei waagerechten Weltachsen mit der dritten, sich aus ihrem Schnittpunkt erhebenden, senkrechten Weltachse zweidimensional als 3 sich schneidende Linien dargestellt, woraus sich später als kosmisches Ideogramm die 6 Radspeichen entwickelten (vgl. die 2x6 Speichen des Zodiak), längst vor der praktischen Verwendung des Rades.
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Antike: Da sich die Acht weder als Dreiecks- noch als Viereckszahl figurieren lässt, galt sie im Pythagoreismus wegen ihrer Teilbarkeit durch 2 als weiblich. Zwei arithmetische Besonderheiten machten sie bedeutsam, nämlich dass sich die Viereckszahlen für die Quadrate der ungeraden Zahlen zum einen um Vielfache von 8 unterscheiden (z. B. : 52-32 = 16 = 2. 8) und zum anderen um 1 vermindert sowie durch 8 geteilt stets in eine Dreieckszahl überführen lassen (z. B. : (72-1):8 = 48:8 = 6). Ferner ergab sich die Acht durch die Quinte, denn nur zwei gleiche und gleichgespannte schwingende Saiten im Längenverhältnis 12:8 = 3:2 brachten diesen konsonanten Klang hervor. Wegen solcher Eigenschaften wurde sie von den Pythagoreern mit der Freundschaft und der Liebe in Verbindung gebracht.
  
'''Interpretation:''' Bereits in ahd Zeit wird Achse – nach dem lat. Vorbild axis – auch übertragen verwendet im Sinne von "Erdachse, Himmelsgegend, Zentrum des Sternenhimmels".
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Im Platonismus bezog man die Acht auf die fünf regelmässigen oder kosmischen Körper. Denn der Sechsflächner (Hexaeder) hat 8 Ecken und der Achtflächner (Oktaeder) 8 Flächen. Somit ergab sich für die Platoniker ein Verhältnis der Acht zur Sechs, das für sie noch durch die geometrische Tatsache untermauert wurde, dass der Acht- und der Sechsflächner zueinander dual sind. Da man annahm, dass das Element Luft aus winzigen Achtflächnern zusammengesetzt sei, waren die Acht und die Luft aufeinander bezogen.
  
Die Redewendung: "Auf Achse sein" macht deutlich, dass (pars pro toto?) "Achse" auch den Wagen ([[Auto]]) bzw. die Fortbewegung bezeichnete – oder als Zentrum der Fortbewegung angesehen wurde was der symbolischen Bedeutung: "das, worum sich alle Dinge drehen" entspräche.
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In der Antike bildete sich für die Acht eine weitere geometrische Darstellung heraus, nämlich das regelmässige Achteck. Dieses wurde aber oft zum Achtstern (Oktagramm) abgewandelt.
  
Weitere Bedeutungen sind: Die letzte Stütze aller Dinge; das Wesen allen Seins; die Richtschnur; als Weltachse Mittelpunkt von Raum und Zeit.
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Monotheistische Religionen: Im Alten Testament wurden Beschneidung, Errettung und Reinigung – also wesentliche Geschehnisse im Bund Gottes mit dem erwählten Volk – mit der Acht in Verbindung gebracht und das alphabetische hebräische Ziffernsystem drückte sie durch den achten Buchstaben Chet aus. Mit diesem Zuordnungsprinzip bestimmten rabbinische Gelehrte lange vor der Zeit der Kabbalisten und ihrer Gematria systematisch den Zahlenwert von Worten und brachten dann solche mit gleicher Quersumme inhaltlich in Verbindung.
  
Die zentrierende und Beziehung herstellende Funktion der Achse kommt im psychischen Raum als Ich-Selbst-Achse zur Wirkung: als "die Mitte eines komplizierten Mit-und Gegeneinanders von Prozessen, die zwischen dem Unbewußten und dem dirigierenden Ganzheitszentrum auf der einen, dem Bewußtsein und dem Ich-Zentrum auf der anderen Seite spielen." (Neumann, 1980, S. 49) Als Basis des automorphen Selbstbewußtseins ist sie "eine zunächst unbewußte Erfahrung von der Übereinstimmung des individuellen Ich mit der Ganzheit seiner Natur, seiner Anlage, also letztlich mit dem Selbst." (Neumann, 1980, S. 47)
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Da im Neuen Testament die Acht in den acht Seligpreisungen der Bergpredigt und in der Erscheinung des auferstandenen Jesus vor dem ungläubigen Jünger Thomas am achten Tage nach Ostern belegt ist, wurde sie durch die Kirchenväter auf Christus und die Auferstehung bezogen. In dieser Deutung, der sich auch die entsprechenden pythagoreischen und platonischen Vorstellungen einfügten, symbolisierte die Acht das ewige Leben, zu dem die Taufe hinführt und das sich im Jüngsten Gericht verwirklicht. Sie versinnbildlichte damit die ewige Seligkeit in der Unendlichkeit des Kosmos. In diesem Sinne, als Symbol kosmischer Ruhe und Vollendung, ging die Acht vor allem in die Architektur ein. Dort ist sie im achteckigen Grundriss von Baptisterien und Mausoleen, in den acht Wandnischen oder in den acht Stützen der Kuppel eines Zentralbaues sowie in achteckigen Taufsteinen und in achtpässigen Kronleuchtern zu finden. Und in bildlichen Darstellungen gilt das Oktagramm als das Sternzeichen Christi, das z. B. als Weihnachtsstern den Heiligen Drei Königen und in übertragener Bedeutung allen Weisen den Weg anzeigt. Das Oktagramm findet sich auch in den sogenannten Sterngewölben gotischer Kirchen wieder, deren polygonaler 3/8-Chorschluss die symbolischen Bedeutungen der Drei, d. h. Dreifaltigkeit, und der Acht, d. h. Grab = Tod und Auferstehung = Leben, beinhalten könnte.
  
'''Literatur:''' Standard, König, M. (1981)
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Im Islam wurde die Acht dem achten arabischen Buchstaben Ha zugeordnet, der Gott als Hak, d. h. als Wahrheit kennzeichnet. Seine mystischen Richtungen praktizieren seit ihrer Entstehung ein von der rabbinischen Zahlenspekulation angeregtes Verfahren, das als Hisab al Dschumal – Errechnen der Summe – bezeichnet wird. Doch nicht nur als Gottesattribut, sondern auch in der Eschatologie und in der Angelologie des Islams tritt die Acht symbolisch in Erscheinung. Denn acht Paradiese existieren, was sich in der Achtteilung von repräsentativen Gartenanlagen früherer Jahrhunderte widerspiegelt, und acht Engel tragen den Thron Allahs.
  
'''Autor:''' Rafalski, Monika
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Hermetische Überlieferung: Aus den häufig angenommenen zwei Elementen Feuer und Wasser („Brautpaar“) zum einen und aus den zwei zugehörigen Prinzipien Schwefel („rote Blume“) und Quecksilber („weisse Blume“) zum anderen ergaben sich spekulativ die acht polaren Qualitäten Sonne und Mond, Männliches und Weibliches, Brennbarkeit und Flüchtigkeit sowie Seele und Geist.
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Mathematik, Naturwissenschaften und Technik: Das mathematische Zeichen für das Unendliche ist nicht, wie verschiedentlich behauptet wird, als liegende Acht aufzufassen. Sondern John Wallis (1616 – 1703), der es zuerst verwendete, entlehnte seine Form einem eleganten Zeichen für die Zahl 1000, das neben anderen in der römischen Kaiserzeit gebräuchlich war.
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Gegenwartssprache und Redewendungen: In der deutschen Gegenwartssprache tritt die Acht in folgenden Redewendungen auf: die stählerne Acht (also Handschellen) anlegen; eine Acht (also eine achtförmige Bahn) auf dem Eis laufen; Bruckners Achte (also Bruckners 8. Sinfonie) hören; jemanden achtkantig (also demonstrativ oder endgültig) hinauswerfen. Auch erscheint die Acht in den Wortbildungen Achtelfinale (Ausscheidungsrunde der sechzehn Mannschaften, die sich in einem Meisterschaftswettbewerb qualifiziert haben), Achterbahn (Berg-und-Tal-Bahn mit mehreren Schleifen in Form einer Acht), Achterkreisen (gymnastische Übung, bei der mit Arm, Bein oder Rumpf eine achtförmige Bewegung ausgeführt wird), Achterlauf (Spielsystem im Hallenhandball zur Überwindung der gegnerischen Deckung), Achtkampf (ein aus vier Pflicht- und vier Kürübungen bestehender Wettkampf der Turnerinnen oder ein aus acht Einzeldisziplinen bestehender Wettkampf der Leichtathletinnen) und Achtstundentag (acht Stunden dauernder Arbeitstag).
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Tiefenpsychologie: C. G. Jung fasste die Acht und ihre geometrischen Entsprechungen als Symbole der Ganzheit, der Totalität oder der Vollständigkeit auf. Als solche können sie aber in Träumen auch anzeigen, dass in gewissen Phasen und Situationen des Lebens für die träumende Person keine weiteren Möglichkeiten existieren.
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'''Literatur:''' Brockhaus, Duden, Standard, Heinke (2006), Hopper (1938), Ifrah, G. (1986)
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'''Autor:''' Fritzsche, B., Heinke, Ellen

Version vom 4. November 2011, 13:22 Uhr

Keyword: Acht

Links: Zahl

Definition: mhd. aht, ahd. ahto; bezeichneten vermutlich die beiden Viererspitzen (der Hände ohne Daumen); urspr. Zahl eines alten Vierersystems.

Information: Die Acht besitzt die Teiler 1, 2, 4 und 8. Aus arithmetischer Sicht ist sie damit echt teilbar und stellt die vierte gerade natürliche Zahl dar.

Interpretation: Vor- und Frühgeschichte: Vergleichende kulturgeschichtliche Forschungen legen nahe, dass die Acht immer in Kulturen mit vorherrschenden Sonnengottheiten symbolische Bedeutung bekam.

Alter Orient: Im Yi-jing, das auf der bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückgehenden taoistischen Überlieferung Chinas fusst, unterscheidet man acht Trigramme, die das Spiel der kosmischen Kräfte aufzeigen sollen. Ferner verehrt man etwa seit dem 11. Jahrhundert n. Chr. im Taoismus und im Volksglauben allgemein eine Gruppe von acht Unsterblichen.

Auch in Buddhismus und Hinduismus spielt die Acht eine wesentliche symbolische Rolle. So kam Siddhartha aus der Sippe Gautama nach siebenjähriger meditativer Zurückgezogenheit im achten Jahr seiner „Hauslosigkeit“ zunächst zu der Erkenntnis des „mittleren Weges“ und dann zur Erleuchtung und begann, als Buddha mit der Predigt von Benares das „Rad der Lehre“ in Bewegung zu setzen. In dieser Predigt verkündete er fünf Einsiedlern die „vier edlen Wahrheiten vom Leiden“. Die vierte davon war der „edle achtfache Weg“, der über die acht Stufen rechte Ansicht, rechtes Entschliessen, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechtes Leben, rechtes Streben, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung zum Nirvana und damit zur Aufhebung des Leidens führt. Deshalb weisen bildliche Darstellungen des Rades der Lehre immer acht Speichen auf. Und in den auf brahmanischem Gedankengut beruhenden Sutras des Patanjali, die etwa 200 v. Chr. entstanden, wurde der achtgliedrige Pfad des klassischen Yoga erstmals formuliert.

Antike: Da sich die Acht weder als Dreiecks- noch als Viereckszahl figurieren lässt, galt sie im Pythagoreismus wegen ihrer Teilbarkeit durch 2 als weiblich. Zwei arithmetische Besonderheiten machten sie bedeutsam, nämlich dass sich die Viereckszahlen für die Quadrate der ungeraden Zahlen zum einen um Vielfache von 8 unterscheiden (z. B. : 52-32 = 16 = 2. 8) und zum anderen um 1 vermindert sowie durch 8 geteilt stets in eine Dreieckszahl überführen lassen (z. B. : (72-1):8 = 48:8 = 6). Ferner ergab sich die Acht durch die Quinte, denn nur zwei gleiche und gleichgespannte schwingende Saiten im Längenverhältnis 12:8 = 3:2 brachten diesen konsonanten Klang hervor. Wegen solcher Eigenschaften wurde sie von den Pythagoreern mit der Freundschaft und der Liebe in Verbindung gebracht.

Im Platonismus bezog man die Acht auf die fünf regelmässigen oder kosmischen Körper. Denn der Sechsflächner (Hexaeder) hat 8 Ecken und der Achtflächner (Oktaeder) 8 Flächen. Somit ergab sich für die Platoniker ein Verhältnis der Acht zur Sechs, das für sie noch durch die geometrische Tatsache untermauert wurde, dass der Acht- und der Sechsflächner zueinander dual sind. Da man annahm, dass das Element Luft aus winzigen Achtflächnern zusammengesetzt sei, waren die Acht und die Luft aufeinander bezogen.

In der Antike bildete sich für die Acht eine weitere geometrische Darstellung heraus, nämlich das regelmässige Achteck. Dieses wurde aber oft zum Achtstern (Oktagramm) abgewandelt.

Monotheistische Religionen: Im Alten Testament wurden Beschneidung, Errettung und Reinigung – also wesentliche Geschehnisse im Bund Gottes mit dem erwählten Volk – mit der Acht in Verbindung gebracht und das alphabetische hebräische Ziffernsystem drückte sie durch den achten Buchstaben Chet aus. Mit diesem Zuordnungsprinzip bestimmten rabbinische Gelehrte lange vor der Zeit der Kabbalisten und ihrer Gematria systematisch den Zahlenwert von Worten und brachten dann solche mit gleicher Quersumme inhaltlich in Verbindung.

Da im Neuen Testament die Acht in den acht Seligpreisungen der Bergpredigt und in der Erscheinung des auferstandenen Jesus vor dem ungläubigen Jünger Thomas am achten Tage nach Ostern belegt ist, wurde sie durch die Kirchenväter auf Christus und die Auferstehung bezogen. In dieser Deutung, der sich auch die entsprechenden pythagoreischen und platonischen Vorstellungen einfügten, symbolisierte die Acht das ewige Leben, zu dem die Taufe hinführt und das sich im Jüngsten Gericht verwirklicht. Sie versinnbildlichte damit die ewige Seligkeit in der Unendlichkeit des Kosmos. In diesem Sinne, als Symbol kosmischer Ruhe und Vollendung, ging die Acht vor allem in die Architektur ein. Dort ist sie im achteckigen Grundriss von Baptisterien und Mausoleen, in den acht Wandnischen oder in den acht Stützen der Kuppel eines Zentralbaues sowie in achteckigen Taufsteinen und in achtpässigen Kronleuchtern zu finden. Und in bildlichen Darstellungen gilt das Oktagramm als das Sternzeichen Christi, das z. B. als Weihnachtsstern den Heiligen Drei Königen und in übertragener Bedeutung allen Weisen den Weg anzeigt. Das Oktagramm findet sich auch in den sogenannten Sterngewölben gotischer Kirchen wieder, deren polygonaler 3/8-Chorschluss die symbolischen Bedeutungen der Drei, d. h. Dreifaltigkeit, und der Acht, d. h. Grab = Tod und Auferstehung = Leben, beinhalten könnte.

Im Islam wurde die Acht dem achten arabischen Buchstaben Ha zugeordnet, der Gott als Hak, d. h. als Wahrheit kennzeichnet. Seine mystischen Richtungen praktizieren seit ihrer Entstehung ein von der rabbinischen Zahlenspekulation angeregtes Verfahren, das als Hisab al Dschumal – Errechnen der Summe – bezeichnet wird. Doch nicht nur als Gottesattribut, sondern auch in der Eschatologie und in der Angelologie des Islams tritt die Acht symbolisch in Erscheinung. Denn acht Paradiese existieren, was sich in der Achtteilung von repräsentativen Gartenanlagen früherer Jahrhunderte widerspiegelt, und acht Engel tragen den Thron Allahs.

Hermetische Überlieferung: Aus den häufig angenommenen zwei Elementen Feuer und Wasser („Brautpaar“) zum einen und aus den zwei zugehörigen Prinzipien Schwefel („rote Blume“) und Quecksilber („weisse Blume“) zum anderen ergaben sich spekulativ die acht polaren Qualitäten Sonne und Mond, Männliches und Weibliches, Brennbarkeit und Flüchtigkeit sowie Seele und Geist.

Mathematik, Naturwissenschaften und Technik: Das mathematische Zeichen für das Unendliche ist nicht, wie verschiedentlich behauptet wird, als liegende Acht aufzufassen. Sondern John Wallis (1616 – 1703), der es zuerst verwendete, entlehnte seine Form einem eleganten Zeichen für die Zahl 1000, das neben anderen in der römischen Kaiserzeit gebräuchlich war.

Gegenwartssprache und Redewendungen: In der deutschen Gegenwartssprache tritt die Acht in folgenden Redewendungen auf: die stählerne Acht (also Handschellen) anlegen; eine Acht (also eine achtförmige Bahn) auf dem Eis laufen; Bruckners Achte (also Bruckners 8. Sinfonie) hören; jemanden achtkantig (also demonstrativ oder endgültig) hinauswerfen. Auch erscheint die Acht in den Wortbildungen Achtelfinale (Ausscheidungsrunde der sechzehn Mannschaften, die sich in einem Meisterschaftswettbewerb qualifiziert haben), Achterbahn (Berg-und-Tal-Bahn mit mehreren Schleifen in Form einer Acht), Achterkreisen (gymnastische Übung, bei der mit Arm, Bein oder Rumpf eine achtförmige Bewegung ausgeführt wird), Achterlauf (Spielsystem im Hallenhandball zur Überwindung der gegnerischen Deckung), Achtkampf (ein aus vier Pflicht- und vier Kürübungen bestehender Wettkampf der Turnerinnen oder ein aus acht Einzeldisziplinen bestehender Wettkampf der Leichtathletinnen) und Achtstundentag (acht Stunden dauernder Arbeitstag).

Tiefenpsychologie: C. G. Jung fasste die Acht und ihre geometrischen Entsprechungen als Symbole der Ganzheit, der Totalität oder der Vollständigkeit auf. Als solche können sie aber in Träumen auch anzeigen, dass in gewissen Phasen und Situationen des Lebens für die träumende Person keine weiteren Möglichkeiten existieren.

Literatur: Brockhaus, Duden, Standard, Heinke (2006), Hopper (1938), Ifrah, G. (1986)

Autor: Fritzsche, B., Heinke, Ellen