Abschneiden: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Die Seite wurde neu angelegt: „'''Keyword:''' Abschneiden '''Links:''' Abschied Ende Kastration Messer Operation Schneiden Schwert Trennung '''Definition:''' D…“)
(kein Unterschied)

Version vom 4. November 2011, 13:11 Uhr

Keyword: Abschneiden

Links: Abschied Ende Kastration Messer Operation Schneiden Schwert Trennung

Definition: Das Abtrennen von ursprünglich Verbundenem, einen Teil von einem Ganzen abtrennen.

Information: Keine

Interpretation: Abschneiden kann symbolisch genauso wie im konkreten Leben destruktiv-zerstörerischer wie hilfreicher, reinigender und differenzierender Akt sein. Die Moiren spinnen den Lebensfaden, teilen ihn zu und schneiden ihn ab und das Leben – wie überhaupt komplexere Vorgänge – können in Abschnitte eingeteilt und dadurch übersichtlicher und leichter verstehbar werden. Abgeschnittene Blumen welken und sterben, weil sie von dem restlichen Organismus abgetrennt, nicht existieren können. Heftige und überfordernde Trennungsprozesse können als ein Abgeschnittensein von den Wurzeln oder der Lebensader erlebt und dargestellt werden.

Seit der Französischen Revolution werden alte Zöpfe abgeschnitten, um mit veralteten Traditionen, Normen und Vorstellungen radikal zu brechen. Jemandem das Wort abzuschneiden, ist eine Geste der Macht, den Weg oder Rückzug abzuschneiden, ist eine aggressive, gefangensetzende, oft vernichtende Kampfstrategie.

In der Amputation (lat. amb: herum, ringsherum; lat. putare: schneiden, reinigen, ordnen, berechnen, auch vermuten) als fachgerechtem operativem Abschneiden oder Abtrennen eines Körperteils zeigt sich die Ambivalenz des Abschneidens beispielhaft: Sie ist mit Verlust verbunden und gleichzeitig notwendige lebenserhaltende Maßnahme.

Der negativ-bedrohlichen Aspekt des Abschneidens ist die Kastration (lat. castrare: verschneiden, entmannen), die meist ein Verlust ohne Gewinn ist. In der Psychoanalyse wird der Kastrationskomplex als zentrales psychisch wirksames Geschehen beschrieben: Jungen fürchten, der Vater könne ihnen zur Strafe den Penis abschneiden oder ihr Penis sei im Vergleich zu anderen männlichen Wesen zu klein; Mädchen glauben, sie seien kastrierte Mängelwesen, woraus der Penisneid des Mädchens resultiere.

Das Abschneiden der Daumen wurde in der "schwarzen Pädagogik" als Strafe für Daumenlutschen angedroht und im Bilderbuch Struwelpeter eindrucksvoll dargestellt. In diesem Fall ist Abschneiden Strafe für Regressionsneigung, orale Fixierung und oral-sexuellen Lustgewinn. Auch die tadelnde Aufforderung, man solle sich eine Scheibe von jemandem abschneiden, also sich ein Beispiel an ihm nehmen, kann Kastrations- und Verlustängste auslösen. Fantasien und Träume, in denen ein Körperteil abgeschnitten oder amputiert wird, weisen auf Verlust, seelische Verletzung, narzisstische Wunde. Sie können auch auf das Ende oder die Trennung von etwas oder jemandem weisen.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette