Ziegenbock

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Keyword: Ziegenbock

Links: Hexe, Kuh, Milch, Mutter, Pan, Sexualität, Teufel, Tier

Definition: Die Ziege ist mittelgroßes Säugetier mit rauem, weißem bis braunschwarzem Fell u. großen, nach hinten gekrümmten Hörnern beim männlichen bzw. kleinen, wenig gekrümmten Hörnern beim weiblichen Tier.

Information: Der Ziegenbock war seit den ältesten Zeiten ein sehr wichtiges Kult- und Opfertier. Er lebt oft an hochgelegenen Orten, klettert gern auf Höhen hinauf, bewegt sich lebhaft und schnell, hat einen starken Geruch, besitzt eine große sexuelle Potenz, zeigt sich häufig kämpferisch und störrisch und ist dabei auch fähig, in unwirtlichem Gelände zu existieren.

Interpretation: Als gehörntes Symboltier repräsentiert der Ziegenbock ganz allgemein „Männlichkeit“, „überschäumende Lebenskraft“, „schöpferische Energie“ und „aggressive Überlegenheit“. Er ist der Großen Göttin aus der matriarchalen Vorzeit sowie vielen Göttern heilig, die wie etwa Pan, Hermes, Aphrodite oder Dionysos mit ekstatischen, leidenschaftlichen und seelenergreifenden Erfahrungen verbunden sind.

In der altindischen Veda-Religion verkörpert er das Reittier des Feuergottes Agni und bringt dessen Zeugungs- und Schöpferkraft zum Ausdruck. Berühmt war im Altertum auch der ägyptische Sexualkult des Bocksgottes der Stadt Mendes, der vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot mit Pan identifiziert wurde. In diesem Zusammenhang berichtet der antike Chronist besonders über den kultischen Geschlechtsverkehr der Frauen von Mendes mit dem heiligen Tier. Jedenfalls sahen sie es als Symbol der Fruchtbarkeit und Zeugungskraft an und beteten zumindest zu ihm um Kindersegen. Nach ihrem Tod wurden die heiligen Ziegenböcke einbalsamiert, und damit war ihre weitere Verehrung gesichert.

Pan repräsentierte im alten Griechenland den Wald- und Weidegott der Hirten und Bauern. Von seiner Gestalt her war er halb Mensch und halb Ziegenbock. In seiner rein tierischen Verkörperung trug er ursprünglich selbst sehr zeugungskräftig zur Vermehrung der Herden bei, indem er höchstpersönlich die Ziegen besprang. Durch Übertragung ins Menschliche wurde daraus der von Eros getriebene Gott, der mit Vorliebe lüstern nicht nur die Nymphen, die weiblichen Naturdämonen, sondern auch schöne Hirtenknaben verfolgte und die obszönen, onanistischen Freuden des Sexuallebens genoss. Bei den alten Germanen war der Ziegenbock dem Donner- und Fruchtbarkeitsgott Thor oder Donar heilig, der als Beschützer und Segenspender für Hof und Ackerflur der Bauern galt. Das Rollen des Donners verursachte sein Wagen, mit dem er am Himmel dahinfuhr und aus dem er seine Blitze und den Regen zur Befruchtung der Erde sendete. Zwei Ziegenböcke zogen dieses Gefährt von Donar-Thor, wodurch das Tier zum Symbol von Gewitter, Wolke und Wind wurde. So glaubten die Germanen an bocksgestaltige wachstumsfördernde Vegetations- und Fruchtbarkeitsdämonen, die im Frühling die Triebkraft der Natur erwachen ließen.

Während die vorchristlichen Religionen den Ziegenbock vornehmlich positiv deuteten und seine männliche Stärke verehrten, wurde er mit zunehmender Repression der Sexualität durch das Christentum zum „stinkenden, unreinen, Befriedigung suchenden“ Wesen, das beim Weltgericht die Rolle der zur ewigen Höllenstrafe Verdammten übernimmt. Auch der Teufel hat in der Ikonographie die meisten Züge seiner Gestalt vom Bock übernommen. Darstellungen des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit zeigten oft Hexen, die von männlichen Ziegen durch die Luft getragen wurden.

Der Teufel residierte auf diesen Bildern meist in Bocksgestalt, wobei die Hexen sein Hinterteil küssten. Pan mit dem Phallus als Symbol ist auch eine Mythologisierung des „Teufels“ oder „aufrechten Mannes“ im arkadischen Fruchtbarkeitskult, der dem Hexenwesen des nordwestlichen Europas sehr ähnlich war. Im Ziegenfell galt er als der erwählte Liebhaber der Dionysos-Anhängerinnen während ihrer ekstatischen Orgien auf hohen Bergen. Außerdem wurden die meisten Eigenschaften des germanischen Donnergottes auf den Teufel übertragen, der mit den Füßen des Donar-Thor einst heiligen Opfertiers im christlichen Aberglauben erschien. In der Schweiz glaubte man, dass die Ziege vom Höllenfürsten geschaffen sei und sich dies namentlich in ihren Füßen zeige. Der Bock war das Reittier nicht nur von Hexen, sondern auch von allen möglichen Gespenstern und galt ebenso als Verkörperung vieler Spukgestalten mit teuflischem Charakter. Tiefenpsychologisch symbolisiert er die „Tierlibido“ des Menschen, d. h. die seelische Energie der Triebe und Instinkte. Als Repräsentant der chthonischen Vatergottheit, die im Christentum dämonisiert wurde, gehört er dem Schattenbereich des Unbewussten an. Wenn die Hexe auf dem Bock ausfährt, versinnbildlicht er deren triebhaften Animus, der die psychische Grundlage für ihre leidenschaftliche Hingabebereitschaft bildet.

Literatur: Standard

Autor: Schröder, Friedrich

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