Ziege

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Keyword: Ziege

Links: Hexe, Kuh, Milch, Mutter, Pan, Sexualität, Teufel, Tier

Definition: Die Ziege ist mittelgroßes Säugetier mit rauem, weißem bis braunschwarzem Fell u. großen, nach hinten gekrümmten Hörnern beim männlichen bzw. kleinen, wenig gekrümmten Hörnern beim weiblichen Tier.

Information: Die Hausziege ist nach dem Hund und zusammen mit dem Schaf vermutlich das erste wirtschaftlich genutzte Haustier. Die als genügsam geltende Ziege hatte als erstes Milch spendende Haustier eine ähnlich positive Bedeutung als Urbild des nährenden Mütterlichen wie die Kuh.

Im germanischen Mythos weidete die Ziege Heidrun am Baum Laeradrund und spendete den Bewohnern von Walhall ihre Milch. Nach nordischer Überlieferung hingegen steht die Ziege Heidrun auf der Halle Odins, aus deren Euter der Met in die Becher der auf dem Schlachtfeld Gefallenen fließt. Im griechischen Mythos säugte die Nymphe Amaltheia in Ziegengestalt das neugeborene Zeuskind auf Kreta, deren Hörner Ambrosia und Nektar spendeten. Der dankbare Zeus versetzte die Ziege als Stern (lat. capella= kleine Ziege) an den Himmel; das ihr abgebrochene Horn machte er zum Füllhorn („cornu copiae"=Horn des Überflusses), was so zum Symbol der fruchtbaren Natur und Attribut segensspendender Gottheiten wurde.

Die wilde Ziege war Artemis heilig. Zur typischen Göttertracht der Pallas Athene gehörte die Aigis, ein Ziegenfell, das nach Herdot ein Kleidungsstück libyscher Frauen war. Weiße Ziegen können aber auch in Märchen und dem Volksglauben Hexen sein.

Interpretation: Der Symbolgehalt des weiblichen und männlichen Tieres ist sehr unterschiedlich. Ziegenböcke gelten als Verkörperung männlicher Triebstärke und sexueller Vitalität: Satyrn, Mischwesen aus Mensch und Ziegenbock sind im griech. Mythos Begleiter von Dionysos und gelten als Repräsentanten ausgelassen, lüsternen Treibens. Aber auch Pan, der griech. Vegetationsgott hatte Beine, Hörner und Bart eines Bockes. Der vedische Feuergott Agni reitet auf einem Ziegenbock, der Wagen des Donnergottes Thor wird von einem Ziegengespann gezogen. Als in christlicher Zeit Thor verteufelt wurde, erinnerte noch ein Bocksbein an seine Bedeutung, wie geleg. der Pferdefuß des Teufels an Wotan. In der christl. Vorstellungswelt war der Ziegenbock Tier des Teufels oder Manifestation des Bösen.

In Redewendungen werden Ziege und Bock oft gebraucht: z. B. „Die Ziege beim Schwanz halten", bedeutet bei einem Unternehmen keinen Erfolg zu haben. „Den Bock bei den Hörnern fassen", meint hingegen eine Sache tatkräftig anpacken. „Den Bock zum Gärtner machen" bedeutet, einen Ungeeigneten mit einer Aufgabe zu betrauen, der eher schadet als nutzt. „Einen Bock schießen" einen Fehler, eine Dummheit machen, oder auch „Stur, störrisch oder geil wie ein Bock". Häufig ist die Ziege im Märchen ein Muttersymbol. Mit „goldenen Hörnern und strotzendem Euter" verkörpert sie den gütigen, spendenden Mutteraspekt im norwegischen Märchen „Die Insel Udroest" (von Beit Bd. I, S. 98), oder ermöglicht wie im Märchen „Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein" (KHM 130) nach dem Rat der weisen Frau der hungrigen Heldin ein Sattessen am „Tischleindeckdich".

Nach der Tötung der Ziege durch die neidische, missgünstige Stiefmutter wächst aus den vergrabenen Eingeweiden der Ziege der Heldin ein wunderbarer Baum mit Blättern aus Silber und Früchten aus Gold (als Selbstaspekte), der ihr die Aufmerksamkeit und Liebe eines Ritters (positiver Animusaspekt) zusichert und die Verbindung mit ihm ermöglicht. Im von Kindern geliebten und gefürchteten Märchen „Der Wolf und die 7 jungen Geißlein" (KHM 5) sind sorgende Geißenmutter und verschlingender Wolf die polaren Aspekte des Mutterarchetyps, während die jungen Geißlein das sich entwickelnde Ich- Bewusstsein darstellen, das gefährdet ist, wieder ins Unbewusste zurückzusinken. Hoffnungsvoll ist, dass ein Geißlein im Uhrenkasten überlebt. In der Rolle des magischen Helfers oder Tierbräutigams verkörpert der Bock die Lebenskraft des Unbewussten, die Trieb- und Instinktseite, Emotionalität und Vitalität des Helden, die weibliche Ziege hingegen die Anima (von Beit, Bd. I S. 312).

Während das weibliche Tier, die Ziege, vom Symbolgehalt für Fruchtbarkeit, Fortpflanzungskraft, das lebensspendende Prinzip, wie auch Überfluss des positiven Pols des Archetyp des Weiblich/ Mütterlichen steht, repräsentiert das männliche Tier, der Ziegenbock überschäumende, männliche, phallisch-zeugende Lebenskraft, sexuelle Vitalität und schöpferische Energie, wie auch Lüsternheit und Schlüpfrigkeit. In heidnischer Vorzeit wurde der Ziegenbock mit Erdfruchtbarkeit, Vegetation und der im Frühjahr erwachenden Triebkraft verbunden, in christlichen Vorstellungen des Mittelalters jedoch als Teufelstier.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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