Wurzel

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Keyword: Wurzel

Links: Baum, Erde, Pflanze, Regression, Selbst, Unbewusstes

Definition: Etymol. von „Wurz“- Wurzel, Kraut und „walus“-Stab. Offenbar wurde so zunächst eine Pfahlwurzel bezeichnet und dann die Bedeutung verallgemeinert. In der Anatomie Ursprungsteil oder Befestigungsstelle eines Organs (z. B. Zahnwurzel).

Interpretation: Die Wurzel als der Teil der Pflanze oder des Baumes, der tief in die Erde hineinreicht, sorgt dafür, dass die Pflanze im Boden gut verankert ist und mit genügend Nährstoffen und vor allem Wasser aus dem Boden versorgt wird. Sie holt so Energie und Kraft aus den tiefsten Schichten des Erdreiches.

Die Heilwurzel ist von daher Sinnbild des Kraft geladenen Schlüssels, der Zugänge zu tieferen Schichten findet. Personifiziert kennen wir die Wurzel als menschenförmige Alraune, die seit alters her vielseitig verwendet wurde z. B. als Heil- und Zaubermittel sowie als Aphrodisiakum. Die Wurzeln einer Pflanze oder eines Baumes sorgen jedoch auch für ausreichende Standfestigkeit und „Verwurzelung“ in seiner Umgebung. Nach dem Glauben der polynesischen Mangaia-Insulaner ruht die ganze Welt auf einem wurzelartigen Gebilde, deren unterster Teil regelrecht »Wurzel alles Seins« genannt wird. Im Rigveda erscheint der Weltbaum umgekehrt (arbor inversa), die Wurzel ist im Himmel verankert; der Islam kennt einen »Baum des Glücks«, dessen Wurzel nach oben weist, während die Zweige auf die Erde herabreichen. Die Macht Gottes erkennen, »ist Wurzel der Unsterblichkeit« (Weish 15, 3). Im Hinblick auf den Messias heißt es bei Jesaias (11, 1), dass aus der Wurzel von Isai (Jesse) ein Sprössling wachsen werde; in Anlehnung daran wird der Stammbaum Christi oft einfach »Wurzel Jesse« genannt. Die Weltesche Yggdrasil, in der germanischen Edda beschrieben, wird von ihren 3 außergewöhnlich großen Wurzeln aufrecht erhalten, die bis in die Unterwelt der Götter und das Reich der Toten hineinragen. Unter den Wurzeln entspringen unterirdische Quellen, die mit ihrem Wasser die Erde für die Menschen bewohnbar machen und von den Nornen, den Schicksalsgöttinnen bewacht werden. Trotz seiner Mächtigkeit ist der kosmische Baum dennoch stets bedroht durch die Schlange Nidhogg, dem schrecklichen Nager, der die bösen Kräfte des Universums verkörpert und heimlich an der dritten Wurzel nagt. Die Schlange wird aber täglich vom Adler, der in der Krone des Baumes wohnt, angegriffen, während das Eichhörnchen, ein Unheilstifter, ständig den Streit zwischen den beiden Mächten schürt.

„Entwurzelt sein“ meint innere (und äußere) Bindungs- / Haltlosigkeit. „Verwurzelt sein“ und „Wurzeln schlagen“ hingegen sich fest mit seinem „Wurzelboden“ verbinden, so dass dieser als sichere Basis zur weiteren (Persönlichkeits-)Entwicklung dienen kann. Dante vergleicht in der Divina Commedia die Gesamtheit der himmlischen Sphären mit der Krone eines Baumes, dessen Wurzeln nach oben gerichtet sind, ein Bild dafür, dass der eigentlich tragende Grund des Seins nicht irdischer, sondern himmlischer Art ist. „Back to the roots (zurück zu den Wurzeln)“ war ein Motto der Emanzipationsbewegung der Schwarzen in den USA, um sich mit den Ahnen zu verbinden.

Wenn in Märchen etwas an den Wurzeln eines Baumes nagt, geht es immer um den Verlust von Lebenskraft und Einschränkung der Entfaltung wie im Märchen vom „Teufel mit den drei goldenen Haaren“, in dem eine an den Wurzeln des Baumes nagende Maus die Ursache ist, dass der Apfelbaum mit einst goldenen Früchte weder Äpfel noch Laub trägt. Ein häufiges Märchenmotiv ist das Verborgensein von Schätzen unter Wurzeln, so in „Die goldene Gans“ (KHM 64) (oder im finnischen Märchen „Der sprechende Baum“, von Beit Bd. II, S. 113)

Der Dummling findet im Wurzelreich eines alten Baumes, den er fällen darf, eine goldene Gans, die ihn auf seiner Suchwanderung sogar zum König werden lässt.

Die Wurzel steht in enger Verbindung mit der Symbolik des Baumes, einem Ursymbol des Lebens, des Wachsens und des Sich- Entfaltens und gehört damit zum Bereich des Bios, des archetypisch Mütterlich / Weiblichen. Wurzeln geben dem Baum festen Halt und ermöglichen die notwendige Nährstoff- und Wasseraufnahme. Bei der Wurzel als Traumsymbol ist der Aspekt der Erdung, des Verwurzeltseins, jedoch auch prospektiv-final der Zugang zu noch unbewussten, schöpferischen Möglichkeiten und inneren Ressourcen des Träumers wichtig, was im Symbol der Nährstoff- und Wasser aufnehmenden Wurzeln zum Ausdruck kommt. Die Wurzeln als der Teil des Baumes, die im Erdreich stecken, ermöglichen somit, dass Unten und Oben, Erdhaftes mit dem Geistigen verbunden werden können. Wurzeln verbinden also mit dem "Urgrund", der Basis, aus der alles Leben und alle Lebendigkeit kommen, mit den elementaren Körperfunktionen, mit dem "Mutterboden" wie auch mit den selbstregulativen Kräften des Selbst

Schätze, die im Wurzelbereich des Baumes zu finden sind, können somit als Aspekte des positiv-spendenden Pols des Mutterarchetyps und auch des Selbst verstanden werden. Psychoanalytisch wird die Wurzel auch als Symbol des männlichen Gliedes verstanden.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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