Wohnung

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Keyword: Wohnung

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Definition: Etymologisch hat „wohnen“ die Ausgangsbedeutung "lieben, schätzen, Zufriedensein" und hängt zusammen mit Wörtern wie "sich gewöhnen, gewinnen, Wonne".

Information: Keine.

Interpretation: Die Wohnung ist für den Menschen ein Raum der Geborgenheit, des Sich-wohl-fühlens und ein Zentrum des Seins. Sie gehört als Innenraum ins Assoziationsfeld des Mütterlichen. Wohnen ist nicht nur irgendeine Tätigkeit, es gehört zur Wesensbestimmung des Menschen. Gleichgültig wie die Wohnform aussieht, der Mensch verwirklicht durch die Wohnung etwas von sich selbst und gestaltet so seine Beziehungen zur Welt. In der Außenwelt allein kann der Mensch nicht leben. Ohne die Geborgenheit eines Innenraumes würde dem Menschen der innere Frieden fehlen, wäre die Intimität nicht beschützt. Das Grundbedürfnis nach Schutz und Geborgenheit lässt uns den Innen- und den Außen-Raum unterscheiden. Beide sind gleichermaßen nötig für seelische Gesundheit und für die Verwirklichung eines erfüllten, sinnvollen Lebens. Ohne den festen Bezugspunkt einer Wohnung, von der alle Aktivitäten ausgehen und wohin sie wieder zurückführen, verliert der Mensch seinen Halt. Die Wohnung bietet dem Menschen das räumliche Zentrum, eine Mitte im System seiner Beziehungen, sodass bei jedem Umzug die räumlichen und menschlichen Beziehungen sich wieder neu aufbauen. Der Mensch muss sich aber auch die innere Freiheit bewahren, seinen Standort wechseln zu können. Sich dann wieder irgendwo flüchtig niederzulassen, genügt nicht. Man muss einen Standort zu seinem eigenen machen, sich darin verwurzeln, damit Halt und Festigkeit davon ausgehen können. Wohnen heißt daher, an eine feste Stelle im unendlichen Raum hingehören und dort seinen geschützten Platz haben. Ohne die Geborgenheit des sicheren Wohnraums fehlt dem Menschen das Urvertrauen in sich selbst, in das Leben, in die Welt. So ist die Unverletzlichkeit der Wohnung in allen Demokratien verankert und gehört zu den Menschenrechten. Es ist immer als Aggression verstanden worden, wenn der Friede des Hauses gestört wurde. Daran ist zu erkennen, dass das Haus bzw. die Wohnung einen geheiligten Bezirk darstellen und sakralen Charakter haben.

Eine Frau in der Mitte des Lebens träumt immer wieder, ihre Wohnung habe viele Zimmer und sei unendlich verwinkelt. Es geht treppauf und treppab und sie verliert die Orientierung. Sie wacht verzweifelt auf, weil sie ihr Ziel nicht findet. Diese Frau hatte im äußeren Leben eine Mitte durch Wohnung und Familie. Allerdings verlief ihr Leben in eingefahrenen Bahnen, die Berücksichtigung verschiedenster Ansprüche aus Familie, dem Umfeld und dem eigenen Innern führten zu wirklich komplizierten Beziehungsmustern. Sie hatte den eigenen Innenraum zu wenig geschützt und sich von anderen immer noch mehr Zimmer „anbauen“ lassen. Ihre Seelenwohnung war verwirrend geworden und sie hatte ihre eigenen Ziele aus den Augen verloren.

Literatur: Standard

Autor: Friedemann, Monika

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