Würfel

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Keyword: Würfel

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Definition: Der Würfel (von deutsch Wurf, weil er in Würfelspielen geworfen wird) ist ein regelmäßiges, symmetrisches Hexaeder (Sechsflächner) oder Kubus (lat. cubus=Würfel) mit sechs (kongruenten) Quadraten als Begrenzungsflächen, zwölf (gleichlangen) Kanten und acht Ecken, in denen jeweils drei Begrenzungsflächen zusammentreffen.

Information: Zum Würfelspiel (Spiel, Spielzeug) werden sechsseitige Körper aus unterschiedlichen Materialien (von den einfachsten wie Knochen, Stein, Glas, Blei, Bronze, bis hin zu den edelsten wie Elfenbein, Gold, Silber oder Bernstein) seit ca. 4000 v. Chr. hergestellt und zu Wahrsagezwecken (Muschel), zu religiösen Handlungen und zum Glücks- und Kinderspiel verwandt, aber auch um Anteile einer Erbschaft (Landverteilung) oder Einkommen in den Tempeln zu verteilen. Als Glücksspiel-Würfel wird der Körper so mit Punkten versehen (1-6), dass jeweils zwei gegenüberliegende Seitenflächen die Punktzahl 7 (Zahlen) ergeben. Das Fallen der Würfel betrachtete man in vorchristlicher Zeit nicht als ein vom Zufall oder Glück abhängiges Ereignis, sondern als eines, das von den Göttern gelenkt wird, um ihren Willen kund zu tun. In der magischen Vorstellung „Gott spielt mit den Menschen Würfeln“ kam die Ambivalenz der Menschen der göttlichen Macht gegenüber zum Ausdruck, dass man einerseits als Mensch ohnmächtig einer „grausamen Welt“ und ihren Schicksalsschlägen ausgeliefert ist und andererseits die Vorstellung von einem liebenden, fürsorglichen Gott bewahren wollte. Im altindischen Wort „dyutam“ gehen die Bedeutungen Streit und Würfelspiel ineinander über. Sogar die Welt dachte man sich als Würfelspiel, das Shiva mit seiner Frau spiele. In der germanischen Mythologie kannte man auch die Vorstellung, dass die Götter miteinander Würfel spielen. Bei antiken Autoren gab es unterschiedliche Meinungen darüber, wer das Würfelspiel erfunden hat: Platon schreibt die Erfindung dem Gott Thoth zu, Herodot den Lydern, die infolge einer 18 Jahre dauernden Hungersnot, das Würfel, - Knöchel- und Ballspiel erfunden hätten, um ihren Hunger zu bewältigen. In Nordeuropa wurde Odin, dem Gott der Weisheit und der Toten die Erfindung des Würfels und des Glücks- / Brettspiels zugeschrieben. Nach der Christianisierung wurden Würfelspiele, da sie mit Laster und Sünde in Verbindung gebracht wurden, wegen des heidnischen Ursprungs verboten.

Interpretation: Der aus sechs Quadraten bestehende Körper des Würfels / Kubus beinhaltet die Symbolik des Quadrates, einem Ganzheitssymbol. Mehr noch als das Quadrat wird er jedoch zum Symbol des Festen und Unveränderbaren, gelegentlich auch zum Symbol der Ewigkeit. Unter den 5 platonischen Körpern verkörpert er die Erde. Der in der Natur vorkommende Steinsalzkristall hat Würfelform und gilt als ein Beispiel für die harmonischen "Bildekräfte der Natur".

In zahlreichen Sagen und Märchen spielen Würfel die Rolle des Schicksals entscheidenden Werkzeuges, das die göttliche Entscheidung manifestiert. Würfel sind auch als Teil unserer Kultur durch Redewendungen in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen: "Die Würfel sind gefallen" geht auf den Ausspruch Julius Caesars bei der Überschreitung des Rubicon im Jahr 49 v. Chr. zurück - ein Zitat nach Menandros "der Würfel falle". (342-291 v. Chr.), von Sueton mit "iacta alea est" latinisiert. Mit dem Humanismus ging dieser Ausspruch in den symbolischen Zitatenschatz der Gebildeten über. - Engl. Ausdruck: „dicing with death“ – „mit dem Tod würfeln“. Heute erscheinen uns die so genannten Gesellschafts- oder Brettspiele, in denen der Würfel meist das Zufallsprinzips darstellt und über Glück oder Pech beim Gewinnen entscheidet, oft nur als Freizeitartikel der modernen Zeit, mit denen erheblicher Umsatz in der entsprechenden Branche gemacht wird. Zugrunde liegen aber häufig sehr alte Grundtypen wie z. B. das Gänse-, Leiter- oder Würfelspiel, die zu Riten, Kultspielen oder zur Orakelbefragung genutzt wurden. Die Basis des Würfels ist das Quadrat. Wie das Quadrat so gilt auch der Würfel als Ganzheitssymbol, einerseits Symbol für die Schicksalsmacht, des Festen und Unwiderruflichen, der Ewigkeit, andererseits aber auch für das Zufallsprinzip, für Wankelmut. Das Fallen von Würfeln war zu allen Zeiten Anlass, das eigene Glück zu erproben, das Schicksal herauszufordern oder zu befragen. In der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben Würfel- und Würfellaufspiele ihre Berechtigung und stellen insbesondere in der Anfangsphase eine Notwendigkeit dar, da sie deutlich Angst mindernd sind. Sie setzen sich häufig archaisch und darum Kinder und Jugendliche unmittelbar ansprechend mit Grundproblemen und –themen des Menschen auseinander, anhand deren die zentralen inneren Konflikte in die Darstellung kommen können und Komplexe des Kindes o. Jugendlichen bearbeitet werden können.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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