Vulva

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Keyword: Vulva

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Definition: Die Vulva (aus dem Lateinischen) bezeichnet die äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Zu ihr gehören die Klitoris (Kitzler), der Scheidenvorhof (vorderes Drittel der Vagina) und die paarigen kleinen und großen Schamlippen (Labia minoris pudenda et labia majores pudenda). Wenn von den sichtbaren und äußeren und damit potentiell sichtbaren Geschlechtsorganen der Frau gesprochen wird, kann von der Vulva gesprochen werden.

In der Literatur und Umgangssprache sind die Begrifflichkeiten sehr verschieden. In der Literatur wird oft nur von der Vagina gesprochen, die alles in allem die weiblichen Geschlechtsorgane meint, wenn es sein muss neben der Vulva über die Vagina bis hin zum Uterus.

Information: Beschneidungen: Die FGM (fraktionierte Genital-Mutilisation / -Verstümmelung) benennt die Beschneidung der Klitoris mit den kleinen oder und großen Schamlippen. In einigen afrikanischen Kulturen ist das zusätzliche Zunähen bis auf einen kleinen Schlitz zum Abfließen des Urins bekannt. Zunehmend wächst die Kritik an diesen Praktiken. Der Verein (I)NTACT nennt die genitalen Beschneidungen Folter und unterstützt Frauen und Männer, die dieses Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit durchsetzen wollen. Die letzte Klitorisentfernung erfolgte in den USA 1948 bei einem fünfjährigen Mädchen. Meist soll die weiblichen Lust gezügelt werden.“ Mädchen halten die FGM oft für notwendig, um als vollständige Frau anerkannt zu werden. Die Praktik markiert den Unterschied zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf ihre zukünftige Rolle im Leben und in der Ehe. Man glaubt, dass durch das Entfernen der Klitoris und der Schamlippen, die von einigen für die ‚männlichen Teile' eines Frauenkörpers gehalten werden, die Weiblichkeit der Mädchen gesteigert wird – ein Begriff, der oft als Synonym für Fügsamkeit und Gehorsam gebraucht wird.“ (www. frauen-menschenrechte. de) „Gängige Begriffe für die Verstümmelung sind Synonyme für Reinheit, oder Säuberung. Nicht verstümmelte Frauen gelten oft als unrein und dürfen weder Nahrung noch Wasser berühren. Nicht verstümmelte Genitalien von Frauen gelten als hässlich und massig. Weit verbreitet ist der Glaube, dass die Genitalien einer Frau wachsen und zwischen ihren Beinen herunterhängen können, wenn die Klitoris nicht entfernt wird. Ebenso, dass die Klitoris einer Frau gefährlich sei und dass Männer, die sie mit ihrem Penis berühren, sterben würden. Andere glauben, dass ein Baby stirbt, wenn sein Kopf die Klitoris während der Geburt berührt.“ (www. frauen-menschenrechte. de)

Man unterscheidet drei Formen der weiblichen Genitalbeschneidung.

1. Die Sunna, 2. die Klitoridektomie und 3. pharaonische Beschneidung einschließlich Infibulation.

Zu 1. Bei der Sunna werden „die Vorhaut der Klitoris oder die Klitorisspitze abgetrennt.“ Zu 2.: „Am weitesten verbreitet ist die Klitoridektomie, bei der die Klitoris und die kleinen Schamlippen teilweise oder vollständig amputiert werden.“ ebenda)

Zu 3. Bei der pharaonischen Beschneidung mit Infibulation (hier: Vernähen der Vulva) wird das weibliche Genitale am meisten beschädigt. „Die Klitoris und die kleinen Schamlippen werden vollständig und die großen Schamlippen teilweise abgetrennt. Die verbleibenden Hautreste näht man bis auf eine reiskorngroße Öffnung zusammen oder heftet sie mit Dornen.“ ebenda)

Diese Arten der Genitalverstümmelung symbolisieren für die jeweiligen Kulturbereiche, wie Frauen zu Frauen werden und vermeintlich männliche Körperanteile abgetrennt werden müssen. Auch gelte die Vorstellung, dass die Berührung der Klitoris durch einen Penis insbesondere Männer krank mache oder die eventuellen Babys nach Berührung der Klitoris stürben. (www. frauen-menschenrechte. de 2003) Die feminine Genitalverstümmelung (FGM) geht auf vorislamische Zeit zurück. Sie wird „von der Mehrheit der Muslime nicht praktiziert. Dort, wo sie von Muslimen praktiziert wird, werden durchwegs religiöse Gründe dafür angeführt. Viele Gegner der Verstümmelung bestreiten die Verbindung dieser Praktik mit Religion, die islamischen Führer sind sich in dieser Angelegenheit hingegen nicht einig. Der Koran befürwortet die FGM in keiner Weise, aber einige Hadith (Aussagen des Propheten Mohammed) nehmen auf sie Bezug. Auf eine Frage von Àttiyah, einer Praktikerin der FGM, soll der Prophet gesagt haben: „Verringere, aber zerstöre nicht. Die Verstümmelung wurde unter einigen Konvertiten zum Christentum fortgesetzt. Christliche Missionare versuchten sie von dieser Praktik abzuhalten, fanden sie aber zu tief verwurzelt. In einigen Fällen wurde sie um die Konvertiten zu halten, ignoriert und entschuldigt. Verstümmelungen gab es auch bei den Falasha (Äthiopischen Juden). Ob dieser Brauch nach ihrer Emigration nach Israel fortgesetzt wurde, ist allerdings unbekannt. Zu den übrigen Gemeinschaften, die die FGM praktizierten, kamen in der Folge noch verschiedene animistischen Glaubens.“ (ebenda)

Es gibt eine wachsende Gruppe von Menschen, die eine Gegenkultur entwickeln. Sie haben den Respekt vor der Menschenwürde und die freie Entfaltung der Persönlichkeit als Maßstäbe.

Interpretation: Die ‚mythische Vulva' (Rhode-Dachser) tritt im sogenannten Baubo-Mythos auf. Von Baubo (Iambe) berichtet der Mythos, dass sie die um ihre entführte Tochter trauernde Demeter durch eine Geste tröstete, in dem sie ihr ihre Vulva zeigte. Demeter, die bisher allen Trost abgelehnt und Speise und Trank verweigert hatte, lachte und begann auch zu trinken und zu essen. Auch später verstand Iambe Demeter noch auf diese Weise zu erheitern (vgl. Devereux 1981, S. 24)“ (zitiert aus Rhode-Dachser 1996, S. 246)

Fünf Verständnismöglichkeiten für die Geste, wenn eine Frau einer anderen Frau, vielleicht auch einem Mann, ihre Vulva zeigt, die Rhode-Dachser vorschlägt:

1. Es könnte die Andere beleidigen (wie dies auch beim Zeigen anderer intimer Körperteile wie Zunge oder des Gesäßes möglich ist)

2. Es kann eine Einladung sein oder „die Botschaft vermitteln: Schau her, was ich für ein herrliches Genitale habe und wie wunderbar es sich zeigen lässt!“

3. Es kann der „Triumph der Gebärerin" sein: "Schau her, das ist es, was ich mit meinem Genitale bewirken kann!“

4. Es kann die Sterblichkeit und Todesthematik gezeigt werden: „Schau her, von diesem Ort sind wir angekommen, du und ich, und in einen anderen Schoß, den der Erde, werden wir beide irgendwann zurückkehren. Der Ort, den du siehst, ist auch das Zeichen deiner (meiner) Sterblichkeit.“

5. „Schließlich ließe sich die Geste der Baubo, an den Mann adressiert, als eine triumphale Absage an das Patriarchat interpretieren, so als wollte sie zum Ausdruck bringen: Deine Phantasiegebäude, die du kreierst, um mich still zu stellen und zum Schweigen zu bringen, das ganze Arsenal deiner Kulturproduktionen, die du aufbietest, um dich deines Verschiedenseins von mir zu versichern, sie alle tragen nur bis zu dem Augenblick, in dem ich meine Schenkel öffne. Dann wird ein für allemal sichtbar, was dein Ursprungsort ist und bleiben wird, auch wenn du alles tust, um dich davon zu entfernen.“ Rhode-Dachser, 1996, S. 254) Und Rhode-Dachser endet mit dem Satz: „Von einer Frau an eine andere Frau gerichtet kann die Geste der Baubo schwesterliche Intimität, Erotik oder Rivalität bedeuten; worauf es ank äme, wäre, alle drei Beziehungsformen zu wagen und sich von keiner Seite darin beirren zu lassen.“ (ebenda) Und ich ergänze: das sollte auch für die Beziehung Frau-Mann gelten.

Symbol des weiblichen Genitales sind verschiedene Früchte. In China galt der Pfirsich „als Quelle des Lebensambrosias, das den Gottheiten Unsterblichkeit verlieh; entspricht dem Apfel in Westeuropa. Abendländische Schriftsteller verwechselten gelegentlich den orientalischen Pfirsich mit der Aprikose, weil apricot früher in Europa eine Bezeichnung für die Vulva war. Skulpturen in Nimes aus heidnischer Zeit zeigten diese Frucht in Verbindung mit Phalli.“ Walker, 1996, S. 864 / 865)

In der Malerei erlangte besonders das Bild von Courbet „Ursprung der Welt“ von 1866 Berühmtheit. Es zeigt die leicht geöffneten Schenkel einer Frau und gibt den Blick für die Vulva und eben den Ursprung des Lebens oder der Welt frei. Ebenso ist es ein Bild für das männliche Begehren.

Literatur: Standard

Autor: Alder, Stephan

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