Violett

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Keyword: Violett

Links: Farbe, Conjunctio, Vereinigung, Christus

Definition: -

Information: Die psychologische Wirkung des Violett beruht auf seiner stärksten Erfahrbarkeit in den Zwischenzuständen und Färbungen des Himmels nach Sonnenuntergängen und vor Sonnenaufgang. Es erscheint bei Jahreszeiten -Übergängen in der Farbe der Herbstzeitlosen oder des Krokus und in den Färbungen der Meerestiere am Übergang zur lichtlosen Tiefe. Die Doppelpoligkeit des Violett als Mischfarbe aus Rot und Blau fördert nach dem Farbpyramidentest von Pfister die endogene Reizproduktion und drückt „Unruhe, schöpferischer oder auch störender Art" aus. Nach Heimendahl ergibt Violett die „uneinheitlichste, zwielichtigste Farbe." Keine andere bewohne „so sichtbar den Zwischenbereich von Leben und Tod." Sie kann „Spannung, Unlust, Unzufriedenheit, Beunruhigung, Beschwerung, Verzicht oder Melancholie" ausdrücken oder auch auslösen. Köstlin sieht in der Verbindung von Blau und Rot zu Violett „keine wirkliche Verschmelzung, sondern sie ist eine Vereinigung, in welcher die beiden Farbenergien sich nebeneinander behaupten, einander bekämpfen." Für Kandinsky ist „Violett ein abgekühltes Rot, im physischen und im psychischen Sinne. Es hat deshalb etwas Krankhaftes, Erlöschtes, etwas Trauriges an sich." Goethe assoziierte in seiner Farbenlehre mit Violett die „Schrecken eines Weltunterganges." Cooper ordnet das Violett in vier Bedeutungskreise:

1. Intelligenz und Wissen;

2. religiöse Hingabe, Heiligkeit, auch Demut und Buße;

3. Sorge, Leid, Gram und Trauer;

4. das Alter.

Die Nuancen des Violett vom Rot -Violett über Lila, in dem die Proportionen von Rot und Blau zu einem Mittelwert ausgeglichen sind, bis zu Blau -Violett geben unterschiedliche Ausdruckswerte wieder.

Interpretation: Als die archetypische Gestalt, in der sich die Bedeutungsfülle des Violett am reinsten verkörpert, darf der inkarnierte und leidende Christus gelten. In der Hingabe des vitalen Rot, das ihn als Menschen charakterisiert, an das transzendente Blau, das ihn als Gottessohn ausmacht. Violett wird Farbe der Märtyrer, die am Wandlungsgeheimnis Christi teilhaben, wie es auch in den Kirchen die liturgische Farbe der Advents- und Fastenzeiten sowie die der katholischen Bischöfe ist. Die Alchemie ordnet dem Prozess spiritueller Transformation die violette Farbe zu. Im indischen Symbolbereich wird die Seelenwanderung öfter in Violett dargestellt. Nach der fernöstlichen Chakrenlehre ist Violett, neben Weiß und Gold, dem siebentem, dem Scheitelzentrum Ajna-Chakra, als Transformationsfarbe zugeordnet; als materialisiert gilt sie im Amethyst. Dieser wurde von Christen wegen seiner Farbgleichheit mit dem bescheidenen Veilchen als Symbol der Demut und als Hinweis auf die Passion Christi getragen. Ein Amethyst wird einer der Grundsteine des himmlischen Jerusalems sein. In Rot -Violett überwiegt das Rot deutlich. Seine Wirkung wird als zwiespältig, aber auch verzaubernd angegeben. Nach Heiss und Hiltmann in der zweiten Auflage des Farbpyramidentests werde es von klinisch auffälligen Gruppen bevorzugt, wirke dämpfend auf innere Beunruhigungen, die dadurch aber schwer eine Abfuhrmöglichkeit finden. Die Nuance Lila, als Mittelwert, ist Farbe des Maßes und der Mäßigung, des Ausgleichs zwischen Sinnen und Geist, Leidenschaft und Intelligenz, Liebe und Weisheit. Als Farbe der Vereinigung von Rot und Blau in Europa auch Farbe der Treue. Lila, als Farbe der Verschmelzung, erfährt in der Bildinterpretation der Schule C. G. Jungs die Bedeutung einer noch ungeschiedenen Einheit beider Pole, einer Androgynie, die die Ausdifferenzierung noch vor sich habe: Dem Lüscher-Test zufolge bevorzugen 75%der Schulkinder vor der Pubertät Violett. Doch kann dieser Farbwert auch auf einen differenzierten, einen hermaphroditischen Zustand weisen, der bereits den verehrungswürdig-machtvollen Gestalten des Männlichen und Weiblichen, Hermes und Aphrodite, begegnet ist, und eine Vereinigung der ausgestalteten Gegensätze anstrebt. Jolande Jacobi betrachtet Lila in der Vereinigung zweier äußerster Gefühlsgegensätze als Farbe der Erhabenheit, der Mystik und Weisheit. Lüscher ersucht den Gegensatz zwischen Rot als Ausdruck impulsiven Eroberns und Blau als Ausdruck zärtlicher Hingabe zu verschmelzen, will in Violett Identifikation und Einfühlung, ja Eins -Fühlung im Sinne einer participation mystique ausgedrückt sehen. In diesem Sinne vermag Violett Zauber und Magie darzustellen.

Blau -Violett mit seinem Überhang an Blauanteilen enthält eine starke Spannung, wirkt beschwerend und unruhig. Die Symbolik des Opfers, der Buße, die mystische Nacht der Gottheit lassen sich in ihr ausdrücken.

Literatur: Standard

Autor: Riedel, Ingrid

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