Triumphbogen

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Keyword: Triumphbogen

Links: Bauwerk, Basilika, Denkmal, Tür, Kirche-Gebäude, Rom, Cäsar, Hybris, Größenwahn, Ich, Christus, Selbst, Kruzifix

Definition: Ein Triumphbogen ist ein steinerner Bogen, der dazu dient, dass ein Sieger durch ihn hindurchzieht und bejubelt wird.

Information: Architektonisch unterscheidet man zwischen dem frei stehenden Triumphbogen und dem Triumphbogen in einer frühchristlichen oder romanischen Kirche.

Der frei stehende Triumphbogen ist ein massives torförmiges Bauwerk, das mitten in der Straße steht. Er wurde ursprünglich in Rom (oder Konstantinopel) für den Triumphzug der heimkehrenden siegreichen Feldherren und Kaisers errichtet – (z.B. der Titusbogen). In der Neuzeit wurden nach dem Vorbild des römischen Triumphbogens in zahlreichen Städten Triumphbögen gebaut. Der bekannteste ist der Arc de Triomphe in Paris (1806-1836).


In der frühchristlichen Baukunst wird der Bogen des Choreingangs am Ende des Langschiffs einer Basilika Triumphbogen genannt. Es handelt sich hier um die Stelle, an der nach der religiösen Überzeugung der Gläubigen Christus den Menschen während des Gottesdienstes erscheint. In der Romanik wurde der östliche Vierungsbogen, also derjenige, der ebenfalls den Übergang zu Chor und Apsis darstellt, Triumphbogen genannt. Oft hängt an dieser Stelle ein großes Triumphkreuz (siehe Kruzifix).


Interpretation: Symbolisch gesehen ist der frei stehende Triumphbogen ein massives Manifest eines aufgeblähten Ichs voller Hybris und Größenwahn. Er steht ohne Bezug oder räumliche Einbindung frei herum und dient einzig dem Triumph eines einzelnen Menschen, der dadurch zur gottähnlichen Person gemacht wird.


In dem Gedicht "Titusbogen" von Valentino Zeichen heißt es:

„Keine andere Überspanntheit kann es aufnehmen

Mit demTriumphbogen

Wächter des Nichts,

in dessen Innerem nur

ein Luftzug weht, der

höchstes Mysterium erzeugt.“


Der eingebundene Triumphbogen in der frühchristlichen und romanischen Kirche symbolisiert den Ort, an dem das Selbst erscheint und in Kontakt mit dem Ich tritt. Er steht an der Stelle in der Basilika, an der der voranschreitende Gläubige innehält und ihm das Heilige und Numinose entgegen kommt.

Triumphbogen-Johanniskirche.jpg

Triumphbogen in der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd (vermutlich ca. 1210 - 1230)



Gottfried Richter schreibt in dem Buch „Ideen zur Kunstgeschichte“ über die Triumphbögen: „Nimmt man einmal an, dass das Mysterium von Golgatha ein kosmisches Ereignis war, dann liegt es zum mindesten nahe, in diesen Triumphbogen der Cäsaren etwas wie ein finsteres Gegenbild jenes anderen „Einzuges“ zu sehen. Nicht, als ob das bewusst gewollt worden wäre; aber so, dass die ganze Erde in den Traumtiefen der Menschseele erbebte unter der Gewalt dieses Ereignisses: ER ist eingezogen. Und dass die Cäsaren, durch die erzwungene Einweihung in die Mysterien erfahren in magischem Handeln, eine Verzerrung dieses Erlebnisses aus den Tiefen herauszwangen, sich selbst an die Stelle setzend, die einen anderen meinte.“

Literatur: Standard; Gottfried Richter, Ideen zur Kunstgeschichte, Verlag Urachhaus; Margit Knapp (Herausgeberin), Rom - eine literarische Einladung, Verlag Klaus Wagenbach; wikipedia

Autor: Ernst, Christine

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