Treppe

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Keyword: Treppe

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Definition: Treppe ist eine aus dem Verb trappen, trippeln, trampeln gebildete Sustantivform und bedeutet ein aus Stufen bestehender Aufgang. Scalae (lat.) heißt sowohl Treppe als auch Leiter (französ. escalier Treppe).

Information: Keine

Interpretation: Treppe, Leiter und Stufe (n) haben eine im Wesentlichen übereinstimmende Bedeutung. Die aufsteigende Treppe kann die Transformation der Persönlichkeit, die zu seelischer und geistiger Reifung (Initiation) führt, symbolisieren. Sie führt von irdischer Befangenheit zum himmlischen Licht in die Befreiung, ist Verbindung und Brücke (Regenbogen).

Ein analoges Bild zu diesem Aspekt der Treppe ist z. B. die Jakobsleiter, auf der die Engel des Himmels auf- und niedersteigen. Oftmals spielt bei der Anzahl der Treppen-Stufen die Zahlensymbolik eine Rolle. Häufig finden wir die siebenstufige Treppe, die den Planentenkreis versinnbildlicht (Astrologie, Alchemie). In den spätantiken Mithrasmysterien steigt die Seele des Initianden über eine Treppe mit sieben Toren durch ein achtes Tor zum Licht der himmlischen Sphäre auf. Den Planeten sind die zugehörigen Metalle beigeordnet (Saturn – Blei; Sonne – Gold). Es handelt sich bei dem Aufstieg um eine Solification (Deifikation) der Seele.

In der Alchemie bezeichnet der Aufstieg über die Treppe der Planeten und Metalle die Wandlung der Metalle zu Gold oder die Gewinnung des Lapis (scala lapidis). Die absteigende Treppe dagegen führt in die Unterwelt, in Dunkelheit, Finsternis und Tod, zum sol niger, der schwarzen Sonne. Der Gnostiker und Alchemist Zosimos (3. Jahrh.) vollzieht einen Ab- und Aufstieg über fünfzehn Stufen. Die Treppe spielt in der geistigen Ideenwelt der alten Ägypter eine zentrale Rolle: Über die „Treppe“ der Stufenpyramiden steigt die Seele zum Licht auf. Osiris, der Führer der Totenseele ist der Gott der Treppen.

Den Aufstieg (Aufstieg - Abstieg) zum Licht symbolisieren auch die Treppen, die in den Totenbarken der Ägypter dargestellt sind. Auf der obersten Plattform der babylonischen Zikkurat (Stufenturm) befand sich ein Tempel, in der wahrscheinlich die heilige Hochzeit vollzogen wurde (Vereinigung von Himmel und Erde). In einer mittelalterlichen Vorstellung gelangte man über die Treppe der Tugenden zur himmlischen Stadt (Jerusalem).

Hermann Hesse beschreibt in seinem Gedicht „Stufen“ das Leben als eine Treppe, die Stufe um Stufe erklommen werden muss, als einen Weg ständiger Abschiede, die Veränderung, Erneuerung und Wandlung mit sich bringen.

In der Analytischen Psychologie symbolisiert die Treppe den manchmal anstrengenden und mühsamen Weg von psychischer Entwicklung und Reifung. Im Individuationsprozess spielt sie als Bild relativ häufig eine Rolle.

Erwachsene gestalten im Sandspiel immer wieder als eine Weg- und Zielfantasie Heiligtümer, zu denen Treppen-Stufen emporführen. Absteigende Treppen symbolisieren eine Annäherung an das Unbewusste, an bislang abgewehrte schwierige und unangenehme psychische Inhalte. Den Abstieg zu vollziehen ist häufig mit Ängsten, Widerständen und Depression verbunden. Treppen können in Träumen auch das Streben des Träumers nach Ansehen und beruflichem Erfolg bedeuten (Karriereleiter!). Eine Patientin träumte, dass sie auf einer baufälligen Treppe in den oberen Stock der Wohnung steigen will. Der Aufstieg ist enorm gefährlich, denn immer wieder brechen die T-Stufen ein. Schließlich hangelt sie sich am, ebenfalls baufälligen, Geländer hoch. Die brüchigen Treppen-Stufen sind ein Hinweis auf die instabile psychische Verfassung der Patientin. Sie signalisieren dem Therapeuten, dass der psychische Prozess der Pat. nicht forciert werden darf.

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosemarie

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